Lernen von Klaus Schwab: Die Spinne im Netzwerk

Vor über 40 Jahren begann Klaus Schwab, das World Economic Forum aufzubauen, inzwischen ist es der wichtigste Treffpunkt für die globale Machtelite. Sein Beispiel zeugt von der Kraft des Netzwerks - und vom Glück, immer weiterzumachen.

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Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forums: "Künstler setzen sich nicht zur Ruhe"

Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forums, hatte sich Anfang der siebziger Jahre beim Fachpublikum mit Managementkonferenzen in Davos einen Namen gemacht. Eines Tages bat der noch junge Wirtschaftsprofessor Schwab seine Sekretärin, ihn mit Herrn Giscard d'Estaing zu verbinden. Er meinte Olivier Giscard d'Estaing, Vorstandsmitglied der renommierten INSEAD Business School. Als die Verbindung stand, hörte Klaus Schwab eine tiefe, sonore Stimme am anderen Ende der Leitung - und blitzartig wurde ihm klar, dass er nicht mit Olivier Giscard d'Estaing sprach, sondern mit dessen Bruder, dem damaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing. "Da hab' ich vor lauter Schreck einfach den Hörer aufgeknallt", bekannte Schwab später. Seine Sekretärin hatte irrtümlich im Élysée-Palast angerufen und war tatsächlich direkt durchgestellt worden.

Schwab hatte es geschafft. Die Mächtigen der Welt waren für ihn zu sprechen.

Noch heute, rund 40 Jahre später, beherrscht es Schwab es wie kein anderer, die Machtelite der Welt um sich zu scharen. Die Zeitschrift "Forbes" führte ihn im Jahr 2009 sogar selbst auf Platz 66 der jährlich publizierten Liste "The World's Most Powerful People". Und in der Tat sind praktisch alle anderen Personen auf der Liste der Mächtigen - mit Ausnahme des Papstes - mehr oder weniger regelmäßig zu Gast beim World Economic Forum. Neben dem weltbekannten Jahrestreffen in Davos gibt es inzwischen rund ein Dutzend Regionalforen, deren Treffen über das ganze Jahr hinweg weltweit abgehalten werden.

Das World Economic Forum lebt von der Kraft der vielen einflussreichen Mitstreiter aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Bereichsübergreifender Gedankenaustausch und die Vernetzung der Besten: das ist ein Ansatz, der seine Wirksamkeit nicht nur im World Economic Forum bewiesen hat, sondern in jeder modernen Organisation von unschätzbarem Wert ist. Ob als Unternehmer oder Angestellter: Wer aus eingefahrenen Organisations- und Kommunikationsstrukturen ausbricht, wer die Grenzen von Abteilungen und Disziplinen überwindet wird in Zukunft den Wettbewerbsvorteil auf seiner Seite haben.

Exzellente Führungskräfte investieren viel Energie, um die bereichsübergreifende Vernetzung zu nutzen. Die Vorteile für Organisationen liegen auf der Hand:

  • Die besten Köpfe der Organisation betrachten die anstehende Herausforderung aus unterschiedlichen Blickwinkeln und berücksichtigen somit alle relevanten Aspekte.
  • Das in der Organisation vorhandene Detailwissen der Entscheider und Wissensträger wird umfassend genutzt und es wird gleichzeitig offensichtlich, woran es genau mangelt.
  • Innovative Lösungen entstehen mit größter Wahrscheinlichkeit dann, wenn unterschiedlich ausgebildete und sozialisierte Menschen gemeinsam über einem Problem brüten.
  • Und letztlich - für Praktiker wahrscheinlich das Wichtigste - gelingt die Umsetzung anspruchsvoller Vorhaben wesentlich leichter, weil alle Schlüsselpersonen in die Lösungsentwicklung einbezogen wurden und sie die Umsetzung in der Folge tatsächlich wollen.

Viele der bestgeführten Organisationen machen genau das: Sie streben danach, sich in Sachen bereichsübergreifender Vernetzung immer weiter zu verbessern. Das World Economic Forum kann jeder Führungskraft in dieser Hinsicht als Vorbild dienen. Es entwickelt sich jedes Jahr weiter. Warum sollte man diese Vorgehensweise im Kleinen, in der eigenen Organisation, nicht auch systematisch weiterentwickeln?

Und noch etwas lässt sich von Klaus Schwab lernen. Mit Mitte 70 ist er heute mehr auf Reisen als viele deutlich jüngere Top-Manager, und sein Ideenreichtum wird weltweit bewundert. Könnte es nicht lohnend sein, sich selbst das Ziel zu setzen, die eigene Schaffenskraft möglichst sein Leben lang in eine sinnvolle Arbeit einzubringen? Könnte es nicht sein, dass gerade darin eine zentrale Kraftquelle liegt? Viele Künstler, die noch im hohen Alter Großes auf ihren Gebieten geleistet haben, sahen das jedenfalls so, zum Beispiel Peter F. Drucker und Pablo Picasso. Keiner von denen hätte je ans Aufhören gedacht - warum auch?

Kein Wunder also, dass Klaus Schwab auf die seit Jahren anhaltenden Spekulationen um seine Nachfolge in Leichtigkeit entgegnet: "Ich sehe mich als intellektuellen Künstler. Ich kenne keinen Künstler, der sich zur Ruhe setzt."

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1. Frage
sosonaja 18.03.2012
Warum kann Herr Schwab denn all diese mächtigen Freunde in Wirtschaft und Politik nicht dazu bringen, mit den Betrügereien gegenüber der Bevölkerung und Natur zu stoppen? Profitiert er etwa selbst von diesen Betrügereien?
2. Betrug?
CMH 18.03.2012
Zitat von sosonajaWarum kann Herr Schwab denn all diese mächtigen Freunde in Wirtschaft und Politik nicht dazu bringen, mit den Betrügereien gegenüber der Bevölkerung und Natur zu stoppen? Profitiert er etwa selbst von diesen Betrügereien?
Es gibt nur zwei Probleme für die Natur auf dieser Welt: Die eklatante Überbevölkerung einerseits und der Lebensstil in den reichen Ländern andererseits. Beides wird Herr Schwab wohl kaum ändern können.
3. Was sollte das denn?
chaika 18.03.2012
Was wollte der Autor eigentlich vermitteln? Das Herr Schwab ein toller Hecht ist? Ich frage mich welches Problem wurde denn jemals in Davos geloest oder vielleicht auch verhindert? Also mir ist rein garnichts erinnerlich. Dem Autor offensichtlich auch nicht, ansonsten haette er es bestimmt in seinem Lobhuddelwerk bestimmt beschrieben. Das Herr Schwab fuer sich selbst ausgesorgt mag ich natuerlich gerne glauben, aber das eine Menge Reisekilometer jetzt schon ein Massstab fuer Arbeitsamkeit sind, nun ja da gibt es sicher bessere Indikatoren. Ich glaube auch in DE gibt auch 50zigjaehrige die gerne noch schaffen wuerden, aber die laesst man eben nicht. Oder soll das jetzt der Einstieg sein, dass Rentenalter auf unendlich zu setzen? Komisch inhaltslose Story das ganze.
4. Naiv
wilf123 18.03.2012
Zitat von CMHEs gibt nur zwei Probleme für die Natur auf dieser Welt: Die eklatante Überbevölkerung einerseits und der Lebensstil in den reichen Ländern andererseits. Beides wird Herr Schwab wohl kaum ändern können.
Diese Aussage scheint mir reichlich naiv. Es gibt mehr als 2 Probleme, wobei die 2 aufgezählten sicherlich zu den wichtigsen gehören. Viele der Probleme wurzeln zumindest zum Teil in unserem Wirtschaftssystem oder könnten im Rahmen des Wirtschaftssystems bekämpft werden. Ein Artikel - so wie dieser vorliegende - der diese Frage nicht wenigstens streift scheint mir äusserst suspekt.
5.
HansCh 18.03.2012
Zitat von chaikaWas wollte der Autor eigentlich vermitteln? Das Herr Schwab ein toller Hecht ist? Ich frage mich welches Problem wurde denn jemals in Davos geloest oder vielleicht auch verhindert? Also mir ist rein garnichts erinnerlich. Dem Autor offensichtlich auch nicht, ansonsten haette er es bestimmt in seinem Lobhuddelwerk bestimmt beschrieben. Das Herr Schwab fuer sich selbst ausgesorgt mag ich natuerlich gerne glauben, aber das eine Menge Reisekilometer jetzt schon ein Massstab fuer Arbeitsamkeit sind, nun ja da gibt es sicher bessere Indikatoren. Ich glaube auch in DE gibt auch 50zigjaehrige die gerne noch schaffen wuerden, aber die laesst man eben nicht. Oder soll das jetzt der Einstieg sein, dass Rentenalter auf unendlich zu setzen? Komisch inhaltslose Story das ganze.
Zitat aus de Artikel; "Das World Economic Forum lebt von der Kraft der vielen einflussreichen Mitstreiter aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Bereichsübergreifender Gedankenaustausch und die Vernetzung der Besten: das ist ein Ansatz, der seine Wirksamkeit nicht nur im World Economic Forum bewiesen hat, sondern in jeder modernen Organisation von unschätzbarem Wert ist. Ob als Unternehmer oder Angestellter: Wer aus eingefahrenen Organisations- und Kommunikationsstrukturen ausbricht, wer die Grenzen von Abteilungen und Disziplinen überwindet wird in Zukunft den Wettbewerbsvorteil auf seiner Seite haben. Exzellente Führungskräfte investieren viel Energie, um ...". ZITAT Ende. Ohne die Aktivitäten des Herrn Schwab werten zu wollen - solch einen Lobartikel, solches blah-blah, wie es in "globalen" Management Kreisen leider Mode geworden ist und der Autor übernimmt, hat selbst Schwaab nicht verdient. Es scheint, dass es immer weniger "authentische Persönlichkeiten" gibt, immer mehr sog. Top-Leute, die sich ihre "Mission" von PR-/Werbefirmen schreiben lassen, dieser Duktus spricht auch aus den Artikel. Da fallen m.E. einige Europäische Politiker angenehm durch Sachlichkeit auf und dadurch, dass sie sich den Eitelkeiten Jahrmarkt von Wirtschafts-Gurus a`la Davos nur widerwillig andienen.
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Zum Autor
  • Frank Arnold ist Berater und Autor des Buches "Management - Von den Besten lernen". Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler leitet die Züricher Unternehmensberatung Arnold Management GmbH, spezialisiert auf die Gestaltung von Veränderungsprozessen in Unternehmen.

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