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Greenpeace-Umfrage: Deutsche werfen selbst gut erhaltene Kleidung in den Müll

Schlussverkauf: Deutsche sortieren Klamotten oft in den Müll Zur Großansicht
DPA

Schlussverkauf: Deutsche sortieren Klamotten oft in den Müll

Um bei Modetrends mithalten zu können, werfen viele Deutsche laut einer Greenpeace-Umfrage auch gut erhaltene Klamotten einfach weg. Etwa 40 Prozent der Sachen im Kleiderschrank werden fast nie getragen.

Orange wurde für den Sommer 2015 zur Trendfarbe ausgerufen. Die gute Nachricht: Auch bei den Designershows für das kommende Jahr wurden noch Regenbogenfarben gesichtet. Wer sich also ein knalloranges Oberteil gekauft hat, könnte es auch im kommenden Sommer wieder auftragen. Wer aber festgestellt hat, dass diese Farbe eigentlich gar nicht zum Teint passt, der wird das kaum getragene Shirt vielleicht schnell in den Müll werfen.

Denn laut einer Umfrage der Umweltschutzorganisation Greenpeace betrachten viele Deutsche Kleidung als Wegwerfware. Demnach hängen 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in deutschen Schränken. Davon würden 40 Prozent sehr selten oder nie getragen, teilte Greenpeace mit. Jeder Achte trage seine Schuhe weniger als ein Jahr lang. Kaum jemand lasse Kleidung ausbessern. Für die Analyse wurden im September mehr als tausend Menschen zwischen 16 und 69 Jahren befragt.

Mode sei zum Wegwerfartikel wie Einweggeschirr verkommen, fasste Greenpeace-Expertin Kirsten Brodde die Ergebnisse zusammen. Für wichtig werde gehalten, den schnell wechselnden Trends zu folgen.

Obwohl es online zahlreiche Handelsplattformen gibt und viele gemeinnützige Organisationen Sammelcontainer in den Städten aufstellen, wählen viele Deutsche beim Aussortieren laut Greenpeace den für sie bequemsten Weg: Kleidung landet demnach im Müll. Fast die Hälfte der Befragten hat laut der Umfrage in den vergangenen sechs Monaten Kleidung weggeworfen. "Das geht zulasten der Umwelt und der Gesundheit, denn die Kleidung wird mit Hunderten giftiger Chemikalien produziert", sagte Brodde.

Schuster und Schneider sind bei vielen kein Thema

Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten sortieren Kleidung aus, weil sie ihnen nicht mehr gefällt. 83 Prozent der Befragten haben noch nie Kleidung getauscht, mehr als die Hälfte hat noch nie welche verkauft. Zum Bild der Wegwerfmentalität passt, dass rund 50 Prozent der Befragten noch nie Kleidung zum Schneider gebracht hat. Mehr als die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen war noch nie beim Schuster.

Laut Greenpeace besitzen Frauen im Durchschnitt 118 Kleidungsstücke, dabei sind Strümpfe und Unterwäsche nicht mitgerechnet. Männer kommen auf 73 Teile. Frauen aus dem Westen Deutschlands haben am meisten Kleidung im Schrank. Mehr Bildung und mehr Einkommen gehe mit deutlich mehr Anziehsachen einher, stellte Greenpeace bei der Umfrage fest.

Demnach sind die Deutschen auch inkonsequent, was Gütesiegel und nachhaltige Produktion betrifft. Jeder zweite Befragte gab zwar an, dass Siegel für nachhaltig, umweltverträglich und fair hergestellte Kleidung sehr hilfreich seien. Zugleich achtet aber nur jeder Vierte beim Kauf auf nachhaltige, umweltverträgliche oder faire Produktion.

mmq/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 143 Beiträge
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1. da fehlt doch noch was
conocedor 23.11.2015
Ich hatte ja jetzt im Text noch auf diesen letzten Absatz gewartet: „Greenpeace fordert deshalb ein umgehendes Verbot von Billigkleidung, eine Obergrenze für die Anzahl jährlich gekaufter Stücke und die steuerliche Förderung klimagerecht hergestellter Textilien…“
2. Mehr Bildung und Einkommen
women_1900 23.11.2015
bedeute auch weniger Zeit. Fehklende Zeit sich auf Flohrmärkten zu "tummeln". Das ist der Unterschied zu Greenpeace. Seit ich einen Bericht gesehen hatte, der aufzeigte, wie unsere Altkleidersamlungen in afrikanischen Ländern die heimische Industrie zerstört und für Not & Elend sorgt, werfe ich meine Kleidung ebenfalls in die Mülltonne und nicht mehr in Container.
3.
max-mustermann 23.11.2015
Tja der durch Marketing und Werbung dressierte Konsument muss halt jedem Trend nachrennen den ihm die Medien präsentieren, selber denken ist halt viel zu anstrengend und vor allem "voll uncool".
4. Brot und Spiel und Mode für das Volk
majkusz 23.11.2015
Mode (oder Shopping generell) ist wohl leider die Droge Nr. 1 für das Volk geworden, vermutlich noch vor Billigurlaub. Schade, daß sich nur wenige davon abkoppeln können. Positiv: so haben wenigstens die Händler und Konsumenten in Afrika auch mal die Chance, ein gebrauchtes Luis Karton T-Shirt zu ergattern...
5. was ist gut erhalten?
caro1234 23.11.2015
wer dem Trend folgt, trägt Kleidung mit hohem Chemie Anteil. Dreimal reingeschwitzst stinken sie auch nach dem Waschen, dass man damit nichts mehr anfangen kann. Febreeze kann das ein paar Mal richten, aber dann bringt auch das nichts mehr. Es ist natürlich vorbildlich, dass Herr Hofreiter seine Kleidung aufträgt, hoffen wir, dass der Chemie Anteil darin gering genug ist, dass sie nicht extrem duftet.
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