Nachhaltige Aktienfonds So legen Sie Ihr Geld klimafreundlich an

Immer mehr Menschen wollen ihre Ersparnisse umweltbewusst anlegen. Doch wie findet man grüne Finanzprodukte? Jetzt gibt es das weltweit erste Klimarating für Investmentfonds.

Windkrafträder
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In Deutschland kann man den Müll trennen, Bio-Salami und Fairtrade-Kaffee kaufen und Ökostrom beziehen. Viele Deutschen scheinen einig zu sein in der Frage, wie man in Zukunft besser leben möchte: grüner, umweltbewusster nämlich.

Doch beim Thema Geldanlage lässt die überwiegende Mehrheit nachhaltige Aspekte außen vor. Der Anteil nachhaltiger Investments in Deutschland ist nahezu mickrig - er liegt bei knapp unter drei Prozent.

Doch man kann den Deutschen keinen Vorwurf machen: Denn herauszufinden, ob das eigene Geld oder das Geld für die Altersvorsorge von der Bank in Klimasünder investiert wird, ist für Laien eine kaum zu lösende Aufgabe - die Informationen darüber fehlen schlichtweg. Dabei interessiert sich einer Umfrage des Marktforschers GfK zufolge jeder Dritte fürs Investieren nach ökologischen und sozialen Kriterien.

Wenn Finanzfirmen Fonds auf den Markt schmeißen und diese mit "Öko-" und "Sustainable"-Siegeln versehen, verwirrt das die Privatanleger zunehmend. Denn oftmals entpuppen sich solche Angebote als Mogelpackung: Sie werfen nur lausige Renditen ab und oft ist nicht klar, nach welchen Kriterien sie in umweltfreundliche Unternehmen investieren. Das Problem: In der Finanzindustrie kann man quasi auf jedes Produkt "öko" oder "grün" schreiben - gesetzliche Mindeststandards, wie etwa bei Bioprodukten, gibt es nicht.

Die Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) hat deshalb gemeinsam mit dem Klimaschutzunternehmen ISS-Ethix Climate Solutions (ISS) das weltweit erste Klimarating für Investmentfonds erstellt. Das Climetrics-Rating ermöglicht es erstmals, Aktienfonds danach zu bewerten, ob sie verantwortungsvoll mit dem Klimaschutz umgehen. Das Ranking überprüft, was die Fonds tatsächlich im Depot haben. Je nachdem, wie klimafreundlich die Unternehmen innerhalb des Portfolios sind, fällt das Ranking aus. Als zweiter Bewertungsmaßstab wird untersucht, ob die jeweilige Fondsgesellschaft den Klimawandel in ihrer Unternehmensführung berücksichtigt.

Auf der Website Climetrics-Rating sind alle Fonds hinterlegt, die im Ranking gut und sehr gut abschnitten, in der Bewertung also entweder vier oder fünf grüne Blätter erhielten. Noch handelt es sich bei der Website um eine vorläufige Version, bald sollen auch die Fonds zu finden sein, die nur ausreichend oder schlecht abschnitten.

Für SPIEGEL ONLINE haben die Datenspezialisten eine Auswahl der klimafreundlichsten Aktienfonds je nach Anlageregion zusammengestellt (siehe Tabellen unten). Anleger, die in diese Fonds investieren, können den Umweltexperten zufolge sicher sein, dass sie ausschließlich in Unternehmen investieren, die den Klimawandel sehr gut berücksichtigen. "Erstmalig können Anleger die Klimafolgen ihrer Fonds einschätzen und ihre Investitionen danach bewerten", sagt Paul Dickinson, Vorstandschef und Mitbegründer von CDP.

Insgesamt haben die Spezialisten von CDP und ISS zigtausende Aktien auf ihre Klimafreundlichkeit untersucht - ein immenser Datenaufwand. Unternehmen wie Ryanair schnitten in der Untersuchung zum Beispiel schlecht ab: Denn die irische Fluggesellschaft hat ein emissionsintensives Geschäft, zudem schert sich das Management nicht um den Klimawandel. Die Firma gibt an Umweltorganisationen bisher keine Daten über ihren Klimaausstoß bekannt. Noch schlechter schnitten aber bekannte Klimasünder wie Kohle- und Ölkonzerne ab.

Bessere Ergebnisse erzielten Firmen wie Microsoft. Das US-Softwareunternehmen hat einen geringen CO2-Ausstoß und versucht seit Jahren, seine Treibhausgase weiter zu reduzieren.

Klimafreundliche Anlagen lohnen sich langfristig

Der Glaube, dass klimafreundliche Anlagen weniger lukrativ sind, ist unter Anlegern weit verbreitet. Sie fürchten, dass besonders renditestarke Firmen gemieden werden. Aber laut Susan Dreyer, CDP-Direktorin für Unternehmens-Engagement in Europa, ergibt es für Anleger auch aus Renditesicht Sinn, auf die Klimafreundlichkeit von Anlagen zu achten: "Nicht-nachhaltiges Wirtschaften verursacht operative Probleme und hat niedrigere Gewinne für die Unternehmen zufolge", sagt sie.

Tatsächlich zeigen mehrere aktuelle Studien, dass die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Kriterien für die Unternehmensperformance meist von Vorteil ist. "Langfristig macht es sich deshalb auch für Privatanleger bezahlt, auf klimafreundlich wirtschaftende Unternehmen zu setzen", sagt Dreyer.

Nachfolgend haben wir für Sie die wichtigsten Ergebnisse des Rankings zusammengefasst.

Die fünf klimafreundlichsten Aktienfonds Deutschland

Fondsname (ISIN) Klima-
rating (1-5 Blätter)
3-Jahres-Durchschnitts-Rendite in % (pro Jahr) Verwaltetes Vermögen (in Milliarden Euro)
db x-trackers DAX UCITS ETF (DR)
(LU0274211480)
7,40 3,88
Deutsche Invest I German Equities LC
(LU0740822621)
10,22 0,63
DWS Deutschland LC
(DE0008490962)
11,59 6,83
UniDeutschland
(DE0009750117)
7,45 1,15
UniFonds
(DE0008491002)
6,43 2,46
Durchschnittsrendite Aktienfonds Deutschland 7,52

Stand: 30.06.2017
Quelle: Climetrics/ YourSRI / Lipper Global Classification System

Die erste Tabelle zeigt die fünf klimafreundlichsten Aktienfonds, die in deutsche Firmen investieren. Die Tabelle gibt Aufschluss darüber, ob renditestarke Fonds auch klimafreundlich sein können. Die Antwort lautet: ja. Denn die beiden Fonds "Deutsche Invest German Equities" und "DWS Deutschland" erzielten in den vergangenen drei Jahren bessere Renditen als ihre Vergleichsgruppe und überzeugen auch in ihrer Klimabewertung.

Außerdem auffällig: Unter den fünf klimafreundlichsten Deutschland-Aktienfonds befindet sich nur ein ETF, also ein sogenannter passiver Indexfonds, der per Computerprogramm einen Börsenindex nachbildet. Alle anderen Fonds sind aktive Fonds, die von einem Menschen gesteuert werden. Das Ranking zeigt: Aktive Fonds haben oftmals eine bessere Klimabewertung als passive Fonds. Der Grund: ETFs berücksichtigen noch selten die Klimafreundlichkeit ihrer Fondsbestandteile. In ihnen enthalten sind viele Klimasünder wie Kohle- und Ölkonzerne.

Der Dax schneidet aber vergleichsweise gut ab. Denn klimaschädliche Unternehmen wie RWE haben im deutschen Leitindex kaum noch Gewicht. Stark gewichtet hingegen sind Technologie- und Pharmafirmen wie SAP und Bayer, die in der Regel nur geringe Mengen CO2 ausstoßen.

Die fünf klimafreundlichsten Aktienfonds USA

Fondsname (ISIN) Klima-
rating (1-5 Blätter)
3-Jahres-Durchschnitts-Rendite in % (pro Jahr) Verwaltetes Vermögen (in Milliarden Euro)
AB SICAV I-Concentrated US Equity Pf A USD
(LU1011998942)
16,73
Amundi ETF Nasdaq-100 UCITS ETF - EUR
(FR0010892216)
21,65 0,34
ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA USD A
(AT0000858584)
10,17
iShares NASDAQ 100 UCITS ETF USD (Acc)
(IE00B53SZB19)
21,61 1,06
WP Stewart Holdings USD
(LU0237485098)
16,83 0,41
Durchschnittsrendte Aktienfonds USA 13,86

Stand: 30.06.2017
Quelle: Climetrics/ YourSRI / Lipper Global Classification System

Die zweite Tabelle zeigt die fünf klimafreundlichsten Aktienfonds, die in US-amerikanische Aktien investieren. Fast alle Fonds überzeugen dabei auch mit starken Renditen: Vier von fünf Fonds erzielten in den vergangenen drei Jahren eine höhere Rendite als der Durchschnitt aller USA-Aktienfonds.

Am besten schneidet der "Amundi ETF Nasdaq" ab. Denn im Nasdaq-Index sind Unternehmen überwiegend aus dem Technologiesektor gelistet. Etwa Facebook, Apple und Netflix. Vor allem Tech-Firmen bekommen gute Klimanoten ausgestellt. Sie haben einen vergleichsweise geringen C02-Ausstoß, zudem engagieren sich viele dieser Firmen für eine nachhaltige Unternehmensführung.

Die sieben klimafreundlichsten Aktienfonds Globale Aktien (von deutschen Vermögensverwaltern)

Fondsname (ISIN) Klima-
rating (1-5 Blätter)
3-Jahres-Durch-
schnitts-Rendite in % (pro Jahr)
Vermögens-
verwalter
Verwaltetes Vermögen (in Milliarden Euro)
DB Platinum CROCI Sectors Fund R3C
(LU0419225247)
9,29 Deutsche Bank 0,50
Deutsche AM Smart Industrial Technologies LD
(DE0005152482)
11,98 Deutsche Bank 0,38
DWS Akkumula LC
(DE0008474024)
12,08 Deutsche Bank 4,25
DWS Telemedia Typ O
(DE0008474214)
9,24 Deutsche Bank 0,27
KCD-Union Nachhaltig AKTIEN MinRisk
(DE0005326532)
11,14 Union Investment 0,56
Suedwestbank Vermoegensmandat Aktien
(LU0347049883)
4,19 Deutsche Bank 0,26
Uni21. Jahrhundert -net-
(DE0009757872)
4,32 Union Investment 0,42
Durchschnittsrendite Globale Aktien 7,47

Stand: 30.06.2017
Quelle: Climetrics/ YourSRI / Lipper Global Classification System

Die dritte Tabelle zeigt die klimafreundlichsten Aktienfonds von deutschen Vermögensverwaltern, die global in Aktien investieren. Auffällig: Fünf der sieben klimafreundlichsten globalen Aktienfonds stammen von der Deutschen Bank. Aber nicht alle diese Fonds scheinen sich für den langfristigen Vermögensaufbau zu eignen. Die beiden Fonds "Südwestbank Vermögensmandat Aktien" und "Uni21. Jahrhundert -net-" erzielten in den vergangenen drei Jahren nur geringe Renditen.

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
StefanZ.. 11.07.2017
1. Nachhaltig+
Bravo, eine sehr schöne Initiative. Nicht-schädigend ist schon mal ein wichtiges Auswahlkriterium. Wie wäre es allerdings mit Alternative-bietend? Ich finde es noch eine Nummer lohnenswerter (nicht wegen extra Profit, sondern wegen extra Wirkung) zumindest einen großen Batzen seiner Investitionen direkt in zukunftsweisende Firmen zu stecken. Im Energiebereich rede ich hier nicht von Wasser und Windkraft. Diese Techniken können alleine schlichtweg nicht die gewaltigen Volumina an Strom erzeugen, die wir für absurd große und immer noch rasant wachsende Bevölkerungen mittlerweile brauchen. Es wird höchste Zeit, daß die Geothermik aus ihrem Dornröschen-Schlaf aufgeweckt wird. Sobald dort mit Tiefenbohrungen gearbeitet wird, gibt es wieder Grund zum Aufatmen im Bereich der Luftverschmutzung. Selbst während dem jetzigen Tiefschlaf der Politik zu diesem Thema, brachten mir diese Aktien in den letzten 3 Jahren (unter großen Schwankungen) zu meinem Erstaunen einen jährlichen Gewinn von deutlich über 20%. Aber wie gesagt, aus Gier-Motiven sollte man dies nicht angehen.
t_go 11.07.2017
2. Klimafreundlich ja, aber ökologisch-ethisch korrekt?
Es ist ja schön, dass der Privatinvestor nun weiß, dass Bayer klimafreundlich ist, aber was ist bitteschön mit den ökologischen Auswirkungen? Jeder, der sich für Klimaschutz interessiert, dem ist auch unsere Umwelt wichtig. Und dafür ist das Ranking nicht zu gebrauchen.
Ticki 11.07.2017
3. Ersparnisse
Von welchen Ersparnissen wird geredet? Habe keine und dies ist wohl kaum mein Verschulden. Heut stellte ich fest, dass mein Motoröl, hier ein Liter, von 3,99 auf 4,99 gestiegen ist. Für die Zusatzrente gehen 200 Euro pro Monat weg. Die Energiekosten haben sich verdoppelt. Von einst 1000 DM, die gespart werden konnten, bleiben nun 50 Euro monatlich. Lächerlich! Arbeiten lohnt sich nicht, sparen auch nicht. Gebt mir einen vernünftigen Lohn, dann sehen wir weiter.
trader_07 11.07.2017
4.
Zitat von TickiVon welchen Ersparnissen wird geredet? Habe keine und dies ist wohl kaum mein Verschulden. Heut stellte ich fest, dass mein Motoröl, hier ein Liter, von 3,99 auf 4,99 gestiegen ist. Für die Zusatzrente gehen 200 Euro pro Monat weg. Die Energiekosten haben sich verdoppelt. Von einst 1000 DM, die gespart werden konnten, bleiben nun 50 Euro monatlich. Lächerlich! Arbeiten lohnt sich nicht, sparen auch nicht. Gebt mir einen vernünftigen Lohn, dann sehen wir weiter.
Na, wessen "Verschulden" sollte das denn sonst sein? Entweder haben Sie sich einen Job ausgesucht, in dem Sie zu wenig verdienen oder Ihre Ausgaben sind zu hoch. Ich habe im Freundes- und Bekanntenkreis einige Leute mit ordentlichen Ersparnissen und ich versichere Ihnen, das Geld ist bei keinem vom Himmel gefallen.
dummkopf84 11.07.2017
5. Warum nicht Best-In-Class?
Die Fonds meiden einfach alle Branchen, die viel CO2 produzieren. Um Anreize zu mehr Nachhaltigkeit in allen Branchen zu schaffen, sollte man vielleicht besser in die Vorreiter investieren -- egal ob es sich dabei um eine Online- oder Öl-Firma handelt. Mit so einem Best-In-Class-Ansatz würde man Anreize für alle Unternehmen schaffen, sich zu verbessern, und nicht einfach alle Firmen unterstützen, die in bestimmten Branchen arbeiten.
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