Klonfleisch EU-Parlament scheitert mit strengen Regeln

Europäische Verbraucher werden auch künftig nicht erfahren, ob Fleisch und Milchprodukte von Nachfahren geklonter Tiere stammen. Das EU-Parlament scheiterte mit der Forderung nach strengen Regelungen für Klonfleisch. Dafür wird auch die Bundesregierung verantwortlich gemacht.

Zerlegung von Schweinehälften: Keine Kennzeichnung von Klonfleisch
DPA

Zerlegung von Schweinehälften: Keine Kennzeichnung von Klonfleisch


Brüssel - Viele Konsumenten wollen keine Produkte geklonter Tiere auf ihrem Teller haben. Doch Klonfleisch zu identifizieren ist kaum möglich - und so wird es vorerst auch bleiben. Denn die Verhandlungen für eine EU-Regelung, die eine Kennzeichnung oder ein Verkaufsverbot von Klontieren im Lebensmittelhandel ermöglicht hätte, scheiterte nach einem zwölfstündigen Verhandlungsmarathon in Brüssel.

Damit können Fleisch und Milch von Nachfahren geklonter Tiere auch künftig ohne Kennzeichnung in Europas Supermärkten verkauft werden. Steaks, Schnitzel und Milchprodukte von Klontiernachkommen landen weiter bei den Verbrauchern, ohne dass diese davon erfahren.

Klonen ist auf EU-Ebene erlaubt. Fleisch von Klontieren muss zugelassen werden, bevor es in Europa auf den Markt kommt. Es gibt aber keine Kennzeichnungspflicht. Geklonte Tiere selbst werden innerhalb der Union zwar nicht zu Lebensmitteln verarbeitet. Es kann aber sein, dass sich Produkte von Klontiernachfahren, die mit Bullensperma aus den USA oder Lateinamerika gezeugt wurden, im Handel befinden. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Scharfe Kritik an Wirtschaftsminister Brüderle

Das Europaparlament wollte strikte Vorgaben für die Vermarktung von Klonfleisch erreichen, die Abgeordneten scheiterten aber am Widerstand von EU-Mitgliedsstaaten und Europäischer Kommission. "Offenbar wollen die Mitgliedsstaaten, dass die Verbraucher Klonfleisch essen, ohne dies zu erfahren", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der konservativen EVP-Fraktion, Peter Liese (CDU).

Eine Lösung sei auch an der Blockadehaltung der Bundesregierung gescheitert. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle habe bis zuletzt einen Kompromiss blockiert, sagte Liese. "Sein Verhalten in der Klonfleischfrage ist neben seiner unglücklichen Rolle in der Energiepolitik ein weiterer Grund für einen Rücktritt." Auch SPD-Gesundheitsexpertin Dagmar Roth-Behrendt kritisierte Brüderle. "Die Haltung der Bundesregierung war äußerst starrsinnig."

Roth-Berendt sprach von einem "miserablen Ergebnis" zu Lasten der europäischen Verbraucher. Nun sei zu befürchten, dass Europa mit "Milliarden von Litern" Milch geklonter Tiere überschwemmt werde.

EU-Kommission fürchtete Konflikt mit Welthandelsorganisation

Der Rat warf hingegen dem Parlament mangelnde Kompromissbereitschaft. Die EU-Kommission argumentiert, dass der Aufwand zu hoch sei, um die Nachfahren von Klontieren zu ermitteln. Dazu komme, dass Klonen in Amerika verbreitet sei, es dort aber kein System zur Erfassung gebe. Die Kommission fürchtete, dass Eingriffe gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO verstoßen könnten.

Die Klonfleisch-Pläne waren Teil einer umfassenden Richtlinie für neuartige Lebensmittel, zu denen alle Nahrungsmittel zählen, die seit Mitte der neunziger Jahre auf den Markt gekommen sind. Die Verhandlungen liefen bereits seit drei Jahren. Nun wird die alte Verordnung aus dem Jahr 1997 weiter gelten. Die Kommission kann erneut mit einem Gesetzesvorschlag kommen. Doch es dürfte Jahre dauern, bis dieser Recht werden kann.

mmq/dpa/dapd

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Navitrolla, 29.03.2011
1. Brüderle schon wieder....
Kann da nicht jemand mal aufräumen? Ansonsten ist es ein Armutszeugnis, wenn man als EU die WTO "fürchtet" nur weil die USA es nicht geregelt bekommen, dort ausreichend Daten zu erfassen. Im Gegenzug muss aber jede Fluggesellschaft Daten in die USA übermitteln - da fürchtete sich niemand gegen irgendeinen möglichen Widerstand ... Schade eigentlich.
Andreas Heil, 29.03.2011
2. Unfassbar
Zitat von NavitrollaKann da nicht jemand mal aufräumen? Ansonsten ist es ein Armutszeugnis, wenn man als EU die WTO "fürchtet" nur weil die USA es nicht geregelt bekommen, dort ausreichend Daten zu erfassen. Im Gegenzug muss aber jede Fluggesellschaft Daten in die USA übermitteln - da fürchtete sich niemand gegen irgendeinen möglichen Widerstand ... Schade eigentlich.
Es ist wirklich langsam unfassbar, was für Blüten diese Demokratur treibt. Eigentlich müßte man irgendwen bitten, die Machthaber und ihre Schergen nun endlich gewaltsam zu entfernen, vielleicht mal erst eine Flugverbotszone einrichten, der Rest stellt sich dann schon ein. Tja, das Modell der EU wird der verflossenen Sowjetunion immer ähnlicher. Sag' ich ja schon lange. Nur eine Frage der Zeit, bis die repressiven Maßnahmen ein ähnliches Level erreichen. Auch diesbezüglich werden ja überall die Vorkehrung schnell vorangetrieben.
dr.épernay-boiler 29.03.2011
3. Das Gesamtsystem
wird letztlich am Krebs des Lobbyismus elendig verenden. Schade eigentlich.
brux 29.03.2011
4. Unfug
Zitat von Andreas HeilEs ist wirklich langsam unfassbar, was für Blüten diese Demokratur treibt. Eigentlich müßte man irgendwen bitten, die Machthaber und ihre Schergen nun endlich gewaltsam zu entfernen, vielleicht mal erst eine Flugverbotszone einrichten, der Rest stellt sich dann schon ein. Tja, das Modell der EU wird der verflossenen Sowjetunion immer ähnlicher. Sag' ich ja schon lange. Nur eine Frage der Zeit, bis die repressiven Maßnahmen ein ähnliches Level erreichen. Auch diesbezüglich werden ja überall die Vorkehrung schnell vorangetrieben.
Sie haben weder die EU noch die UdSSR verstanden. Es gab eine Debatte und es gab am Ende eine Mehrheit. Das nennt man Demokratie. Sie glauben offenbar, Demokratie ist, wenn Ihre Meinung bedient wird.
drsven 29.03.2011
5. Ob Klonfleisch oder nicht ...
spielt doch überhaupt keine Rolle. Mich kotzt es an, dass die Menschen immer nur dann eine diffuse Angst bekommen, wenn das blutige Stück Tier, was sie im Supermarkt in schöner Plastikverpackung kaufen eventuell gefährlich sein könnte - für sie selbst wohlgemerkt. Das Leiden der Tiere, die fabrikartig gezeugt, geworfen, gemästet, gequält, gepfercht, und dann aus lauter Dankbarkeit geschlachtet werden interessiert nie jemanden. Widerlich! Wie wär's mal damit, einfach mal mit dem Motzen aufzuhören und stattdessen kein Fleisch mehr zu essen? Ganz einfach.
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