Lufthansa-Tochter droht Arbeitskampf: Kompromiss soll Streik bei Germanwings verhindern

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Germanwings-Werbung: Raus nach zwei Jahren

Droht bei der Lufthansa-Tochter Germanwings ein Streik? In einer Urabstimmung hat sich nach SPIEGEL-Informationen eine deutliche Mehrheit des Kabinenpersonals für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Doch noch wird an einem Kompromiss gefeilt.

München - Ein Streik bei der Lufthansa-Billigtochter Germanwings zum Auftakt der Urlaubssaison ab Montag kommender Woche könnte im letzten Moment noch abgewendet werden. Es geht um höhere Löhne und verbesserte Arbeitsbedingungen für die rund 700 Germanwings-Flugbegleiter. Germanwings hat gerade erst einen großen Teil des innerdeutschen Flugverkehrs von der Lufthansa übernommen.

Zwar zeichnete sich bei den Tarifgesprächen zwischen Geschäftsführung und Abgesandten der Kabinengewerkschaft UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation) bis Freitagnachmittag noch immer keine konkrete Lösung ab. Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, votierten zudem von über 80 Prozent aller UFO-Mitglieder, die sich an einer Urabstimmung über Streiks beteiligten, mehr als 98 Prozent für einen Ausstand.

Zu dem muss es aber nicht zwingend kommen. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen wird derzeit über einen Kompromiss diskutiert, bei dem beide Seiten ihr Gesicht wahren könnten. Die Lufthansa möchte neuen Germanwings-Stewards und -Stewardessen künftig nur noch auf zwei Jahre begrenzte Arbeitsverträge anbieten. Die UFO-Funktionäre wollen dagegen auch unbefristete Dauerjobs schaffen.

Denkbar wäre, beides zuzulassen. Wer nur kurz Kabinenluft schnuppern möchte, könnte, wie geplant, nach zwei Jahren wieder ausscheiden. Wer dagegen Gefallen an der Fliegerei findet und sich langfristig auch finanziell weiterentwickeln will, könnte zur besser zahlenden Muttergesellschaft Lufthansa wechseln. Dort herrschen bessere Aufstiegsmöglichkeiten, außerdem werden die Lufthansa-Kabinenbeschäftigten je nach Betriebszugehörigkeit im Gehalt automatisch höhergestuft.

Sollten Detailfragen bis zum Ende der Verhandlungen heute Abend nicht mehr zu lösen sein, könnte eine der beiden Seiten die Schlichtung beantragen. Die Einschaltung eines Vermittlers hat bei der Lufthansa und ihren Ablegern Tradition. Mit diesem Kunstgriff war bereits der letzte Tarifkonflikt mit den Lufthansa-Bordbegleitern im vergangenen Herbst gelöst worden.

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1. Was ist los?
Terabyte 05.07.2013
Noch gar kein Beitrag in dem sich jemand beschwert, dass die Arbeitnehmer ihr Streikrecht wahrnehmen wollen. Sind denn alle trotz endloser Streiks in der Luftfahrt doch in den Urlaub geflogen?
2. Die Neider und Nörgler kommen noch!
Gluehweintrinker 05.07.2013
Zitat von TerabyteNoch gar kein Beitrag in dem sich jemand beschwert, dass die Arbeitnehmer ihr Streikrecht wahrnehmen wollen. Sind denn alle trotz endloser Streiks in der Luftfahrt doch in den Urlaub geflogen?
Warten Sie nur ab, die Menschen mit dem zweierlei Maß formieren sich gerade. Es wird auch dieses Mal wieder so sein wie immer. Beliebt sind auch diese Statements: "Frechheit, und das alles auf dem Rücken der Passagiere" Das ist die beliebteste Aussage. Denn "auf dem Rücken der Passagiere" heißt nichts anderes als "Streikt gefälligst so, dass es keinem wehtut." Kunststück im Transportgewerbe, nicht wahr? Auch immer wieder gern gelesen: "Frechheit! Die Saftschubsen verdienen schon genug. Das bisschen Kaffeeservieren kriege ich auch noch hin." In Wahrheit sind wir Sicherheitspersonal und was wir wirklich draufhaben, das würden die geneigten Kunden erst bemerken, wenn's ordentlich kracht. Das möge sich niemand wünschen. Aber, ach ja: "Wenn wir abstürzen, sind wir sowieso alle tot". Ja , sicher. Wie es aber zu dem 95% Überlebenden bei Flugunfällen kommt, weiß auch niemand, oder? Dann kommt auch noch immer wieder: "Flugtickets sind schon teuer genug. Wenn die jetzt noch mehr verdienen, wer will sich das Fliegen denn noch leisten?" Ach ja? Teure Flugtickets? Merkwürdig, wie dann der Luftverkehr jedes Jahr konstant wachsen kann, mit kleinen hysteriebedingten Dellen wegen Terrorattacken. In Wahrheit sind Flugticket zur billigen Ramschware verkommen. Aber so ist er, der Deutsche: Billigtickets kaufen, aber First Class Service erwarten. No Frills Airlines buchen, sich aber wundern, wenn es 9 Stunden Verspätung gibt. Für faire Löhne eintreten, aber genau jene Produkte kaufen, bei denen die Dienstleister ausgebeutet werden und für 29 EUR nach Malle fliegen. Wehe aber, wenn es ihn selbst trifft, den Dauer-Geizer. Dann fordert er Solidarität und "Frau Merkel muss endlich was tun." Widerlich. Ein großer Teil der deutschen Einwohner ist und handelt schizophren. Bleibt abzuwarten, wie lange das noch so geht, bis der Schizophrene sein Leiden selbst bemerkt.
3. @Glühweintrinker
zero-bond 05.07.2013
Wer Germanwings bucht, drr erwartet keinen Firstclass Service. Derjenige idt sich im Klaren, dass er in einer Sardiniendose eines low cost Carrier s sitzt. Derjenige mit einem 5000 Eur Ticket bei der Muttergesellschaft in der Business Class erwartet einen passenden Service. Blöd nur das LH eben jene Passagiere kombiniert.
4. Blöd ist nur, dass der Wettbewerb nicht "frei" ist.
Gluehweintrinker 06.07.2013
Zitat von zero-bondWer Germanwings bucht, drr erwartet keinen Firstclass Service. Derjenige idt sich im Klaren, dass er in einer Sardiniendose eines low cost Carrier s sitzt. Derjenige mit einem 5000 Eur Ticket bei der Muttergesellschaft in der Business Class erwartet einen passenden Service. Blöd nur das LH eben jene Passagiere kombiniert.
Ja, die ganz Schlauen wissen natürlich alle bestens, wie man eine Fluggesellschaft betreibt. Mit Einführung der A380 waren auch wieder zahlreiche Zeitgenossen zur Stelle, die mit geradezu märchenhaften Dingen "Appetit aufs Fliegen" machten. Ach, was es da wegen des vielen Platzes nicht alles geben sollte: eine Raucherlounge, eine Shoppingzone, eine Bar, Duschen, Schlafkabinen, ja sicher - alles ganz wunderbar, wenn man auch bereit wäre, den Preis dafür zu bezahlen. Vielleicht haben Sie schon einmal davon gehört, dass es am Golf eine Riesenkonkurrenz gibt, die ein paar klitzekleine Marktvorteile haben: sie bekommen ihr Personal billiger, können es fliegen lassen bis zum Anschlag, weil sie an keine mit unseren vergleichbaren Tarifverträge gebunden sind. Sie bekommen ihren Sprit quasi zum Nulltairf. Wussten Sie, dass die Spritrechnung der größte Kostenposten der Lufthansa ist? Und dann sind da noch die No-Frills-Airlines wie Easy Jet und Ryanair. Wissen Sie, wer deren Geschäftskonzept subventioniert? SIE mit Ihren Steuergeldern. Weil nämlich jeder Provinzhäuptling in Deutschland sich inzwischen einen extrem defizitären Landflugplatz hat hinklotzen lassen, für den es weder Passagiere noch Fluggesellschaften gibt, bieten sich - welche Gnade - Ryanair & Co. gern an, diktieren aber, vor allem wenn sie die einzigen Kunden sind, die Preise und zahlen null Abfertigungsgebühren. DAS ist ein tolles Geschäftskonzept, was? Eine Lufthansa aber muss in HAM, MUC, FRA, DRS, DUS etc. den vollen Marktpreis an Bodenkosten berappen. Ja, wenn sich ein Markt so unfrei zeigt, da fordert man gern das karierte Maiglöckchen und schimpft auf eine Airline, die jeder Amerikaner gern mit "Lufthansa is best!" adelt. Was gilt der Prophet im eigenen Land? Die meisten, die auf LH schimpfen, sind noch nie LH geflogen. Es ist immer schick, mit anderen in eine bereits ausgefranste Kerbe zu schlagen, wohl wahr. Wenn Sie exklusiv fliegen möchten: buchen Sie Lufthansa First Class. Wollen Sie's billig, nehmen die die Economy Class. Wir bieten drei Klassen, für jeden Geschmack. Und demnächst kommt auch noch die Economy Premium dazu. Was gibt es also da zu nörgeln?
5. .
zero-bond 06.07.2013
Zitat von GluehweintrinkerJa... W
Was Sie beschreiben nennt man Marktwirtschaft. Der Faktor Kraftstoffe ist auch für BA, AF, KLM, AA, UA usw. der mit Abstand größte Posten. Es ist ja nicht so, dass die einzigen LH Konkurrenten vom Golf kommen. Ich kann Ihnen versichern, ich bin schon oft LH geflogen, meist aus Zwang heraus. Ich bin oft geschäftlich in GRU, die LH bietet das über FRA mit alten B744 an, dessen Economy eine Frechheit ist und die Business Class ist auch nicht auf dem Standard der europäischen Konkurrenz, dafür aber der Preis, da dürfen es dann gerne mal 5000 EUR bis 6000 EUR sein. Alternativ wird die Strecke über MUC bedient, hier fliegen A343, die sind schon etwas besser, oder über ZRH mit Swiss. Alternativ kann man auch vie CDG mit A333 bzw. B773 der AF fliegen, mit der super Cabin und einer komfortablen Zwischenklasse, falls Business zu teuer ist. Die Premium Eco bei AF ist spitze. Über London gehts auch, mit BA, ein super Serivce, 3 - 4 Klassen je nachdem ob der Flieger über eine First Class verfügt und ein angenehmer HUB Airport samt Duschen in der Lounge, was nach 12 Stunden im Flieger auf dem Rückweg ein Segen ist. Dann könnte man noch über Amsterdam mit KLM in einer B773. Allesamt unterscheidet von der LH: angenehmere Flieger bei niedrigeren Kosten und meist besseren Service. Ich seh die Airlines aus Kundenperspektive und buche da, wo es das beste Preisleistungsverhältnis gibt. Ein 12 Stunden Flug ist ein verlorener Tag, d.h. ich muss mein Wochenende dafür opfern. Gleichzeitig muss ich die Zeit an Bord nutzen können, sprich Arbeiten, der Flug sollte also so komfortabel wie möglich sein und der Aufenthalt im Transitbereich der Hubs sollte ebenfalls nicht als störendes Ereignis wahrgenommen werden. Um zum Thema zurückzukommen: Um genau diese Marktvorteile geht es hier. Kraftstoffe ok, dass ist ein Problem, aber ebenfalls eines, mit dem die anderen o.g. Premium Airlines ebenfalls zu kämpfen haben. Personal ist der springende Punkt. Man hat bei der LH offensichtlich nicht verstanden, dass man mit seinen Personalkosten im Wettbewerb zu anderen Carriern steht, die ebenfalls über ein lukratives Langstreckennetz verfügen. Diesen Wettbewerbsvorteil der Konkurrenz verringert man nicht, in dem man nach mehr Gehalt schreit. Premium Eco ist bei den anderen großen europäischen Airlines bereits etabliert, lediglich die LH hat es mal wieder geschafft, einen Trend hinterher zu laufen. In Ihrem Post, auf den ich ursprünglich antwortete ging es um GermanWings, einen LowCostCarrier, wo Sie behaupteten, die Passagiere erwarten First Class Service zu Low Cost Preisen, worauf ich erwiederte, dass die Passagiere, die German Wings buchen eben genau dieses nicht erwarten, da sie genau wissen, dass sie mit einem Low Cost Carrier unterwegs sind, einzig die LH Gäste mit einer 5000 EUR BC Buchung dürften solche Ansprüche haben und die werden nunmal dummerweise von der Muttergesellschaft miteinander kombiniert. Was war falsch an dieser Aussage?
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