Nürnberg - Die Deutschen entdecken die Lust am Shoppen: Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Marktforschungsunternehmens GfK. Die Forscher erwarten für 2011 einen Anstieg des privaten Konsums um 1,5 Prozent - dreimal so viel wie im Vorjahr. Damit stimmen sie fast mit der Bundesregierung überein, die in ihrem Jahreswirtschaftsbericht einen Konsumanstieg von 1,6 Prozent vorhersagt.
Mehr Geld werden die Deutschen laut GfK in Supermärkten ebenso lassen wie in Möbelläden oder Elektronikgeschäften. Sowohl dem Lebensmittelhandel als auch dem sogenannten Non-Food-Bereich werden Umsatzsteigerungen von rund 1,7 Prozent vorhergesagt.
Doch nicht überall kaufen die Deutschen mehr, manches darf einfach auch teurer sein. So schaffte der Textilhandel im vergangenen Jahr einen Wertzuwachs von 2,4 Prozent, obwohl er eine geringere Menge verkaufte. Für die GfK-Forscher ist das ein Beispiel für den "anhaltenden Trend hin zur Qualität".
Ende der deutschen Sparsamkeit?
Die neue Lust am Einkaufen ist auch deshalb beachtlich, weil die Deutschen traditionell besonders sparsam sind. Seit Jahrzehnten legen sie zwischen zehn und 15 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Die Sparquoten von Amerikanern, Briten oder Japanern dagegen liegen meist unter fünf Prozent.
Die deutsche Sparsamkeit sorgte zuletzt auch für Streit mit europäischen Nachbarn. Politiker wie die französische Finanz- und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde forderten, die Deutschen sollten durch verstärktes Einkaufen die wirtschaftliche Erholung anderer EU-Länder befördern. Auch Ökonomen empfehlen, durch mehr Konsum Deutschlands traditionell große Abhängigkeit von Exporten zu verringern.
Von einem dauerhaften Wandel der deutschen Konsumlaune will man bei der GfK aber nicht sprechen. Bislang erkläre sich die gestiegene Einkaufslust vor allem durch die verbesserte Lage am Arbeitsmarkt. Sollte sich diese wieder verschlechtern oder die Hoffnung auf Lohnerhöhungen in diesem Jahr enttäuscht werden, könnte das Angstsparen schnell zurückkehren.
dab
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