Konsumklima Flüchtlingskrise verunsichert Verbraucher

Die Verbraucher in Deutschland sorgen sich um die Weltwirtschaft, die Situation im Nahen Osten und die Zahl der Flüchtlinge. Die Kauflaune ging zum zweiten Mal in Folge zurück, der GfK-Konsumklimaindex fällt deutlich.

Shopper in Hannover: Anschaffungsneigung sinkt im Oktober
REUTERS

Shopper in Hannover: Anschaffungsneigung sinkt im Oktober


Die Lage ist unübersichtlich und das mögen deutsche Verbraucher gar nicht gerne: Die Konsumfreude sinkt. Es sind vor allem Sorgen über die Weltwirtschaft und die Folgen des Flüchtlingszustroms in Europa, die den Konsumklimaindex von 9,9 Punkten im September auf aktuell 9,6 Punkte fallen lassen. Das Barometer für das Konsumklima wird monatlich von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit einer Umfrage unter rund 2000 Verbrauchern ermittelt.

Dem GfK-Experten Rolf Bürkl zufolge verunsichern internationale Krisenherde wie die Ukraine und der Nahe Osten die Verbraucher. Falls der Zustrom an Flüchtlingen aus Syrien und anderen Krisenstaaten in der bisherigen Größenordnung anhalte, dürfte dies die Erwartungen der Bürger an die Wirtschaftsentwicklung weiter negativ beeinflussen, sagt Bürkl.

Auch die Anzahl der Deutschen, die mit steigender Arbeitslosigkeit rechnen, habe seit August deutlich zugenommen: "Die Entwicklung der Zahlen legt die Vermutung sehr nahe, dass die Flüchtlingskrise mit dazu beiträgt, dass sich die Verbraucherstimmung etwas gedämpft zeigt." Allerdings kann der Nürnberger Forscher seine These nicht mit harten Fakten belegen. Aus einer Umfrage im Auftrag der ARD geht hervor, dass die meisten Deutschen weiterhin keine Angst vor zu vielen Flüchtlingen haben.

Die Bürger schätzen laut GfK ihre Einkommensaussichten skeptischer ein. Dies liegt nach Ansicht der Forscher auch an eingetrübten Konjunkturaussichten. Konjunkturell schwächelnde Schwellenländer wie China, Brasilien oder auch Russland dürften künftig die Exportaussichten deutscher Unternehmen schmälern. Zudem lässt die Bereitschaft der Verbraucher zum Kauf von Autos und anderen teuren Gütern nach: Das Barometer bleibt laut GfK dennoch auf überaus hohem Niveau.

nck/AFP/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
denkdochmal 24.09.2015
1. Erstaunlich...
Was mangelnde Information (oder gezielte Desinformation?) so alles bewirkt. Sicherlich kosten zunächst die "Flüchtlinge" viel Geld. Dieses Geld hilft leidenden Menschen, die sich vor Terror und Tod retten wollen. Man rechnet etwa 10 Milliarden €. Worüber allenfalls hinter vorgehaltener Hand geredet/geschrieben wird ist, daß durch "Steuervermeidung" jährlich um die 100 Milliarden Steuern nicht gezahlt werden. Und dies von Firmen, die für sich beste Infrastruktur "vom Staat" verlangen, damit sie ihren Geschäften nachgehen können. Zahlen müssen die ehrlichen Steuerzahler, die ihre Möglichkeiten nicht haben. Darüber sollte sich "die Wirtschaft" ernsthaft und ehrlich Gedanken machen. DAS IST DER wirkliche SKANDAL!
bartsuisse 24.09.2015
2. Verbraucher sollten sich eher wegen VW sorgen
das wird der Hammer dieses Herbsts werden im autolastigen Deutschland. Wer will im Ausland noch deutsche Dreckschleudern kaufen nach diesem Betrugsdebakel? Das wird grössere Auswirkungen haben als die Flüchtlinge
humorrid 24.09.2015
3. Konsumklimawandel
Wohl kaum... Wir brauchen keine Willkommenskultur sondern eine Kultur des Teilens und des Verzichts. Konsumklima kann kein Kriterium für unsere Entwicklung sein. Und all die mystischen Tiere, die sich mal erholen, mal wieder schwächeln - Wirtschaft, Markt, Börse, Konjunktur usw. sind nichts anderes als Produkte unserer kranken Phantasie. DIE GIBT ES NICHT WIRKLICH. Also, Flüchtlinge kosten uns kein Geld, denn wir kaufen sie nicht! Jeder soll sich als Experiment ins Geldbeutel schauen. Ist es weniger geworden, ja, konkret bei mir selbst?
humorrid 24.09.2015
4. Klasse
jetzt können wir all die Kinder, die unsere 2-Euro-Primark-Tops nähen auch persönlich kennenlernen. Und vielleicht auch den erklären, dass wir lieber neue kaufen als diese nach ein mal tragen zu waschen. Und gleichzeitig uns Sorgen machen, ob diese Kinder uns doch nicht zu viel "kosten" werden.
trader_07 24.09.2015
5. Da überschätzen Sie....
Zitat von bartsuissedas wird der Hammer dieses Herbsts werden im autolastigen Deutschland. Wer will im Ausland noch deutsche Dreckschleudern kaufen nach diesem Betrugsdebakel? Das wird grössere Auswirkungen haben als die Flüchtlinge
Da überschätzen Sie die Verbraucher deutlich. Wenn sich der Sturm im Wasserglas gelegt hat, tendieren die meisten Verbraucher dazu, ihrem gewohnten Kaufverhalten nachzugehen. Beispiel: Trotz aller negativen Berichte werden ja auch weiterhin Produkte des schweizer Nestlé-Konzerns gekauft, obwohl mittlerweile fast jeder wissen müsste, dass das der wohl "asozialste" Konzern im Food-Bereich ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.