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18. Mai 2013, 08:20 Uhr

Offensive der Sparkassen

Zehntausende sozial Schwache eröffnen Girokonto

Eine Initiative der EU-Kommission zeigt Wirkung: Rund 80.000 Bürger mit Finanzproblemen haben seit vergangenem Herbst laut "Süddeutscher Zeitung" ein Konto bei ihrer Bank eröffnet. Sie dürfen ihr Guthaben nicht überziehen, können aber endlich Geld überweisen und mit EC-Karte bezahlen.

Hamburg - Das neue Sparkassen-Girokonto für Bürger mit Finanzproblemen stößt einem Zeitungsbericht zufolge auf großes Interesse. Seit dem Start im vergangenen Oktober seien etwa 80.000 dieser sogenannten Konten für Jedermann eingerichtet worden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" mit Verweis auf die Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine SPD-Anfrage. Das Ministerium beruft sich auf Schätzungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

"Die große Zahl der bisher eingerichteten Basiskonten zeigt den enormen Bedarf für viele Menschen, die bisher unfreiwillig kein Girokonto bei ihrer Bank bekamen", sagte der SPD-Finanzexperte Carsten Sieling der Zeitung.

Dem Bericht zufolge hatte sich die Kreditwirtschaft bereits 1995 dazu verpflichtet, allen Kunden, die wegen negativer Schufa-Einträge kein normales Girokonto bekommen, eine Alternative anzubieten. Doch erst im Oktober 2012 kamen die Sparkassen als Erste dieser Selbstverpflichtung offiziell nach.

Das von ihnen angebotene Konto wird auf Guthabenbasis geführt, sprich: Es darf nicht überzogen werden. Doch wenigstens können sozial Schwache so Überweisungen tätigen und mit EC-Karte zahlen. Die Kontoführungsgebühren sollen dem normalen Mittel entsprechen.

Nach Schätzungen der EU-Kommission haben in Deutschland noch immer 670.000 Menschen über 15 Jahren kein Bankkonto. Gleichzeitig gibt es inzwischen rund 2,6 Millionen Girokonten, die Kunden mit finanziellen Problemen nutzen können, solange ein Guthaben vorhanden ist. Insgesamt existieren in Deutschland rund 94 Millionen Girokonten.

Verbraucherschützer und Politik kritisieren die Kreditwirtschaft seit längerem wegen ihrer zögerlichen Angebote für Jedermann. Anfang Mai hatte die EU-Kommission einen Richtlinien-Entwurf vorgestellt, dem zufolge künftig jeder Bürger Anspruch auf ein Girokonto auf Guthabenbasis bekommen soll.

ssu/dpa

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