Offensive der Sparkassen: Zehntausende sozial Schwache eröffnen Girokonto

Eine Initiative der EU-Kommission zeigt Wirkung: Rund 80.000 Bürger mit Finanzproblemen haben seit vergangenem Herbst laut "Süddeutscher Zeitung" ein Konto bei ihrer Bank eröffnet. Sie dürfen ihr Guthaben nicht überziehen, können aber endlich Geld überweisen und mit EC-Karte bezahlen.

Kunde am Geldautomat: In Deutschland haben 670.000 Menschen kein Bankkonto Zur Großansicht
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Kunde am Geldautomat: In Deutschland haben 670.000 Menschen kein Bankkonto

Hamburg - Das neue Sparkassen-Girokonto für Bürger mit Finanzproblemen stößt einem Zeitungsbericht zufolge auf großes Interesse. Seit dem Start im vergangenen Oktober seien etwa 80.000 dieser sogenannten Konten für Jedermann eingerichtet worden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" mit Verweis auf die Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine SPD-Anfrage. Das Ministerium beruft sich auf Schätzungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

"Die große Zahl der bisher eingerichteten Basiskonten zeigt den enormen Bedarf für viele Menschen, die bisher unfreiwillig kein Girokonto bei ihrer Bank bekamen", sagte der SPD-Finanzexperte Carsten Sieling der Zeitung.

Dem Bericht zufolge hatte sich die Kreditwirtschaft bereits 1995 dazu verpflichtet, allen Kunden, die wegen negativer Schufa-Einträge kein normales Girokonto bekommen, eine Alternative anzubieten. Doch erst im Oktober 2012 kamen die Sparkassen als Erste dieser Selbstverpflichtung offiziell nach.

Das von ihnen angebotene Konto wird auf Guthabenbasis geführt, sprich: Es darf nicht überzogen werden. Doch wenigstens können sozial Schwache so Überweisungen tätigen und mit EC-Karte zahlen. Die Kontoführungsgebühren sollen dem normalen Mittel entsprechen.

Nach Schätzungen der EU-Kommission haben in Deutschland noch immer 670.000 Menschen über 15 Jahren kein Bankkonto. Gleichzeitig gibt es inzwischen rund 2,6 Millionen Girokonten, die Kunden mit finanziellen Problemen nutzen können, solange ein Guthaben vorhanden ist. Insgesamt existieren in Deutschland rund 94 Millionen Girokonten.

Verbraucherschützer und Politik kritisieren die Kreditwirtschaft seit längerem wegen ihrer zögerlichen Angebote für Jedermann. Anfang Mai hatte die EU-Kommission einen Richtlinien-Entwurf vorgestellt, dem zufolge künftig jeder Bürger Anspruch auf ein Girokonto auf Guthabenbasis bekommen soll.

ssu/dpa

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insgesamt 162 Beiträge
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1. Wenig Geld = sozial schwach?
freakovski 18.05.2013
Wann ist endlich mal Schluss mit dieser ekelhaften Unart,finanzschwache Menschen als "sozial schwach" zu bezeichnen? Schon schlimm genug,daß hierzulande Armut eine Schande ist. Wie wäre es ,beispielsweise,den Herrn Hoeneß mal "sozial schwach" zu nennen? Oder Herrn Westerwelle?
2. Guthabenkonto
panzerknacker51 18.05.2013
Zitat von sysopEine Initiative der EU-Kommission zeigt Wirkung: Rund 80.000 Bürger mit Finanzproblemen haben seit vergangenem Herbst laut "Süddeutscher Zeitung" ein Konto bei ihrer Bank eröffnet. Sie dürfen ihr Guthaben nicht überziehen, können aber endlich Geld überweisen und mit EC-Karte bezahlen. Konto für Jedermann: Zehntausende sozial Schwache eröffnen Konto - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/konto-fuer-jedermann-zehntausende-sozial-schwache-eroeffnen-konto-a-900648.html)
Was ist daran eigentlich neu? Das Guthabenkonto und auch das sogenannte P-Konto (mit pfändungsfreiem Betrag) gibt es schon lange, zumindest bei den Sparkassen; und bei denen ist man als Normalbürger sowieso besser aufgehoben als bei den Banken, die sich eher um ihre Investments als um die Privatkunden kümmern.
3. haben haben haben
annakonda 18.05.2013
da bekommen Banken Subventionen ohne Ende um eigene Fehler auszubügeln aber wenns darum geht mal etwas an die Gesellschaft zurückzugeben bei dem man sich nicht groß bereichern kann, sind sich die feinen Damen und Herren zu schade. asozial.
4. Selbstverpflichtung der Banken von 1995
onno.quist 18.05.2013
Seit 18 JAhren hat jeder Anspruch auf ein Jedermannkonto. Das Recht war/ist einklagbar. Mir wurde 2004 wegen Insolvenz das Konto gekündigt. Mit Berufung auf diese Selbstverpflichtung hat mir die Deztsche Bank, wenn auch zähneknirschend, ein Guthabenkonto eingerichtet. Die Infos hatte ich mir ganz einfach ergoogelt. 5 min. Recherche udn ein vernünftig formulierter Brief- heute eine E- Mail- udn das Problem lässt sich schon seitfast zwei Jahrzehnten lösen. Ein Guthabenkonto ist übrigens ein äußerst angenehmes Konto. Es werden niemals Dispozinsen gefordert.
5. optional
egyptwoman 18.05.2013
Der Artikel kommt mir grad recht. Es ist schön das jetzt auch solche Menschen ein Konto eröffnen können. Um meinem Ärger über Banken aber mal Luft zu machen und vielleicht interessiert sich auch Spiegel online dafür, die sollen nur nie bei einer Bank namens HSBC ein Konto eröffnen oder auch nur in Erwägung ziehen dort an den Automaten Geld abzuheben, es könnte ihnen nämlich gehen wir mir grad, wenn nämlich das Geld wegen Verbindungsproblemen nicht ausgezahlt wird aber trotzdem die Summe dem Konto belastet wird, wenn man dann das Pech hat das man sich im ausland aufhält aber ein KOnto in Dtl hat, ist diese Bank nicht in der Lage so wie andere Banken das machen, dieses Geld automatisch zurückzubuchen, nein der Kunde darf dann dem Geld nachrennen, seine Hausbank informieren, wenn man Glück hat dann schreibt die Hausbank eine E-Mail und das Geld wird zurücküberwiesen, wenn man das Pech hat bei der Sparkasse zu sein, darf man das ganze schriftlich einreichen, das wird dann weitergeleitet und irgendwann kriegt man unter Umständen sein Geld zurück. Ach ja und wer eine Visa-card hat hat im Moment Glück wenn die wieder rauskommt aus dem Automat dieser Bank, wenn nicht kann es - sowie grad in Ägypten/Hurghada - passieren, das man nach Kairo fahren muss um seine Karte wiederzubekommen auch wenn man das der Bank hier sofort mitteilt. Da der Fall mit dem nicht ausgezahlten aber abgebuchten Geld kein Einzelfall ist bei dieser Bank, vielleicht interessiert sich Spiegel Online dafür und kann dahingehend mal recherchieren. Für mich ist es unverständlich das man wochenlang hinter seinem Geld herrennen muss und die Gebühren für ne auslandsabhebung krieg man auch nicht wieder. - Ich weiß nicht ob der Post jetzt durchgeht, ich kann nur jeden warnen bei dieser Bank Geld abzuheben, unter Umständen geht es einem dann so wie mir und noch einigen anderen, die im Ausland leben oder dort Urlaub machen.
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