Kostenloses Girokonto Nur acht sind wirklich gratis

Das Girokonto zum Nulltarif - mit diesem Versprechen gehen viele Banken auf Kundenfang. Doch die Hochglanzprospekte versprechen mehr als die Geldhäuser am Ende halten. Rund die Hälfte der 73 untersuchten Angebote ist mit Fallstricken gespickt. Wirklich kostenlos sind lediglich acht.

DPA


Warum überhaupt für ein Girokonto bezahlen? Fast jede überregionale Großbank, Direktbank und auch regionale Genossenschaftsbanken und Sparkassen werben mit einem Gratiskonto. Von den 73 befragten Banken und Sparkassen boten 51 ihren Kunden mindestens eine Variante für ein kostenloses Girokonto an. Doch ein Konto ist nur dann tatsächlich kostenlos, wenn die Bank weder Gebühren für die Kontoführung noch für die Girocard (ec-Karte) verlangt und auch keine Bedingungen an den Kunden stellt. Nach diesen Kriterien reduziert sich die Zahl der Banken mit kostenlosem Girokonto bereits auf 21.

Bei einem noch strengeren Blick auf die Konten - auch die Kreditkarte zum Konto sollte nichts kosten - bleiben gerade mal noch acht Banken, bei denen Kunden nichts bezahlen müssen: die überregionale Filiallbank Norisbank sowie die regionalen PSD Banken Berlin-Brandenburg und Hessen-Thüringen, die Direktbanken Comdirect, ING-Diba, Wüstenrot Bank, MBS in Potsdam und die Saalesparkasse.

Bei insgesamt 36 Kontomodellen von 30 Banken muss hinter dem Angebot "kostenloses Girokonto" dagegen ein "aber" stehen. Diese Banken stellen unterschiedlichste Bedingungen. Sie fordern zum Beispiel einen regelmäßigen Geldeingang pro Monat, die Überweisung des Geldes in einer Summe, den Kauf eines Genossenschaftsanteils, einen Sparplan mit 25 Euro Einzahlung pro Monat, ein kontinuierliches Guthaben bei der kontoführenden Bank oder sie begrenzen die monatlichen Buchungen. Sonst verzichten die Institute nicht auf die Kontoführungsgebühr.

Viele der rundum kostenlosen Angebote sind Online-Konten. Fast alle Banken bieten inzwischen ein sicheres Verfahren für Online-Banking an. Sie unterscheiden sich darin, wie der Kunde die Transaktionsnummer (Tan) bekommt, mit der er eine Überweisung freigibt: Es gibt die mobile oder SMS-Tan aufs Handy, die per Kartenleser erzeugte eTan plus und HBCI/FinTS mit Kartenleser und Software.

Kostenlose Girokonten im Test
Alle Details
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Etwa drei Viertel der 73 Banken im Test bieten ein kostenloses Konto an. Doch nicht jeder bekommt ein Gratiskonto. Und nicht alle vermeintlich kostenlosen Konten sind unter dem Strich wirklich vollständig gratis. Finanztest sagt, welche Konten wirklich kostenlos sind und welche Bedingungen die Kunden für ein Gratiskonto erfüllen müssen. Dazu beantwortet Finanztest oft gestellt Fragen rund ums Girokonto und bietet eine Checkliste für den problemlosen Kontowechsel.

Im Test: Preise und Bedingungen für Gehalts- und Rentenkonten von 73 Kreditinstituten. Im Test enthalten: überregionale Institute, Direktbanken und Regionalbanken aus allen Bundesländern. Alle Testergebnisse im Überblick.
Tipps
Vor dem Wechsel:
Spitzenreiter. Für Filial- und Onlinekunden gleichermaßen kostenlos ist das Top-Girokonto der bundesweiten norisbank, einschließlich Girocard (ec-Karte) und Kreditkarte. Auch die regionalen PSD-BankBerlin-Brandenburg und Hessen-Thüringen bieten solche Gratiskonten an. Onlinekunden finden vergleichbare Angebote zusätzlich bei der comdirect bank, der ING-Diba, der Wüstenrot Bank, der MBS in Potsdam und der Saalesparkasse.

Bargeld. Achten Sie darauf, dass Sie problemlos kostenlos an Bargeld kommen. Die Sparkassen haben die meisten Automaten in Deutschland; einige Banken erlauben, mit der Kreditkarte kostenlos weltweit oder in Euroland Geld zu ziehen.

Alternative. Wenn Sie kein kosten­loses Konto bekommen, sollten Sie nicht mehr als 40 Euro für ein Onlinekonto und 80 Euro für ein Filialkonto bezahlen.
Wechsel in fünf Schritten
1. Fragen Sie erst bei Ihrer Bank, ob sie ein günstigeres Konto anbietet. Wenn nicht, überlegen Sie, ob Sie Ihr Konto bei einer Filialbank führen wollen oder bei einer Direktbank.

2. Füllen Sie die Papiere der neuen Bank für die Kontoeröffnung aus. Meist benötigen Sie eine Gehaltsbescheinigung. Fragen Sie nach der Höhe des Dispo. Wenn es Bedingungen für das Gratiskonto gibt, prüfen Sie, ob Sie diese problemlos erfüllen.

3. Während Sie auf die Girocard (ec-Karte) und die persönliche Geheimzahl (Pin) warten, informieren Sie Ihren Arbeitgeber von der neuen Kontoverbindung. Erfassen Sie anhand der Kontoauszüge von drei zusammenhängenden Monaten, wer regelmäßig Beträge von Ihrem Konto einzieht oder auf Ihr Konto überweist. Teilen Sie allen Betroffenen die neuen Daten schriftlich mit.

4. Vor der nächsten Gehaltszahlung können Sie bereits einen kleineren Betrag auf das neue Konto überweisen und Daueraufträge bei Ihrer alten Bank löschen und bei der neuen Bank wieder einrichten.

5. Führen Sie altes und neues Konto drei Monate parallel, danach können Sie das alte Konto formlos kündigen. Die Löschung ist kostenlos und es gibt keine Kündigungsfrist. Die Bank rechnet das Konto ab und überträgt das Guthaben auf das neue Konto.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Ursprung 02.07.2010
1. spon unterlaeuft ueble Absicht
Wer ein Kostenloskonto sucht, ist vermutlich darauf angewiesen. Wer aber auf den Link klickt, stellt zu seinem Erstauenen fest, dass die Tester zu diesen verbleibenden 8 Instituten nur etwas gegen Vorkasse rauslassen wollen. Sie stellen sich also selbst in einen schlechten Gegensatz zur eigenen Untersuchungsintention. 6. Setzen! Durchgefallen! Zum Glueck hat spon hier gut agiert, indem im Vospann schon mal die Namen der Testsieger genannt werden und damit die ueble Absicht der Tester unterlaufen werden koennte.
sijuherm 02.07.2010
2. Dkb?
In der Auflistung vermisse ich die DKB. Hätte mir gerne durchgelesen, warum die DKB nicht komplett kostenlos ist, aber 2,50€ ist es mir dann doch nicht wert...
frank_lloyd_right 02.07.2010
3. Einst, in den 1960ern,
gaben die Banken allen Leuten diese Konten - vorher bekamen viele das Geld noch Cash in der Gehaltstüte.Natürlich waren die Konten zunächst völlig gratis... Heute sind alle völlig abhängig von Girokonten,man kann in der Praxis nicht integriert leben ohne mindestens ein solches Konto - höchstens als Penner oder Berufskrimineller. Und da die Mehrheit der abhängig beschäftigten Schafsköpfenie so recht begriffen hat, daß die Banken das Geld ja nichtnur für sie bewachen, sondern damit allen möglichen Unfug treiben und sich krumm verdienen, bezahlt sie dieauch noch dafür - TV-Werbung glotzen allein bildet wohl nicht sehr. Die Macht der Banken, das haben wir kürzlich klar erfahren,ist seit den 1960ern, als sie nur sehr wohlhabende Kundschaft hattenund für´s Volk höchstens Sparbücher führten (wer kriegtheute noch Zinsen für ein Sparbuchguthaben ?) ins Unermeßliche gestiegen. Wenn es brennt, tut der Staat alles, um sie herauszuhauen. Mal ehrlich, welche Staatsführung braucht schon dieMillionen, die kaum noch etwas verdienen ? Die saugt man tot, und zwar gleich von zwei Seiten -Bank und Staat machen da gemeinsam ein gutes Geschäft. Der Abstand zu Bangladesh wird weiter sinken, leider nicht in der ursprünglich erwarteten Richtung.
bafibo 02.07.2010
4. Und die Geldautomaten?
Ein entscheidendes Kriterium haben die Tester aber mal wieder vergessen: Den Zugang zu kostenfreien Geldautomaten. Soviel ich weiß, hat keine der aufgeführten "Testsieger"-Banken eigene Geldautomaten, so daß man gezwungen ist, auf die anderer Banken zurückzugreifen - und dann zahlt man sich dumm und dämlich. Da ist mir eine Bank liebr, die reichlich Geldautmomaten zur Verfügung stellt, für die kostenlose Kontoführung einen regelmäßigen Mindest-Geldzufluß verlangt und Gebühren für Bank- und ggf. Kreditkarte erhebt (eine Kreditkarte kann man auch anderweitig gratis erhalten).
stauchert 02.07.2010
5. Geldautomaten
Zitat von bafiboEin entscheidendes Kriterium haben die Tester aber mal wieder vergessen: Den Zugang zu kostenfreien Geldautomaten. Soviel ich weiß, hat keine der aufgeführten "Testsieger"-Banken eigene Geldautomaten, so daß man gezwungen ist, auf die anderer Banken zurückzugreifen - und dann zahlt man sich dumm und dämlich. Da ist mir eine Bank liebr, die reichlich Geldautmomaten zur Verfügung stellt, für die kostenlose Kontoführung einen regelmäßigen Mindest-Geldzufluß verlangt und Gebühren für Bank- und ggf. Kreditkarte erhebt (eine Kreditkarte kann man auch anderweitig gratis erhalten).
Die Comdirect gehört zur Commerzbank und Kunden können kostenlos die Cashgroup-Automaten nutzen. Die anderen Banken kann ich nicht beurteilen, aber zumindestens bei der Saalesparkasse würde ich ja mal denken, daß die zum normalen Sparkassenverbund gehört.
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