Kräftige Preisaufschläge Gaskunden müssen bis zu 20 Prozent mehr zahlen

Pünktlich zum Beginn der Heizsaison erhöhen viele Gasversorger ihre Preise. Eine durchschnittliche Familie muss pro Jahr 109 Euro mehr zahlen, betroffen sind rund fünf Millionen Haushalte. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Anbieter wie viel draufschlagen - und wer billiger wird.

Gasflamme: Die Unternehmen nennen nur einen Teil der Wahrheit
dpa

Gasflamme: Die Unternehmen nennen nur einen Teil der Wahrheit


Hamburg - Monatelang sind die Gaspreise gesunken. Im Sommer, als kaum jemand geheizt hat, haben sie einen Tiefpunkt erreicht. Doch damit ist es jetzt vorbei: Pünktlich zum Beginn der Heizsaison im Herbst langen die Versorger wieder kräftig zu.

Insgesamt 81 Gasunternehmen erhöhen zum September und Oktober ihre Preise - und zwar um durchschnittlich neun Prozent. Das geht aus einer Erhebung des Verbraucherportals Verivox für SPIEGEL ONLINE hervor. Bei 48 Gasversorgern liegen die Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich, bei einem betragen sie sogar 20 Prozent. Alle Tarife in der großen Tabelle:

Bundesweit sind rund fünf Millionen Haushalte betroffen. Für eine durchschnittliche Vier-Personen-Familie mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeuten die Erhöhungen eine Mehrbelastung von 109 Euro.

Die Unternehmen begründen die höheren Preise mit gestiegenen Beschaffungskosten. In Deutschland ist der Gaspreis an den Preis für Heizöl gekoppelt - mit rund sechs Monaten Verzögerung machen sich die Heizöl-Höchststände nun auch beim Gas bemerkbar. Allerdings ist dies nur ein Teil der Wahrheit. Denn die Unternehmen sind in ihrer Beschaffungspolitik relativ frei. Je nachdem, wann sie ihr Gas eingekauft haben, ergeben sich äußerst unterschiedliche Preisniveaus.

Mit anderen Worten: Die Gasanbieter sind zum Teil selbst schuld, wenn sie von ihren Kunden nun mehr Geld verlangen müssen.

Dass es anders geht, zeigen 71 Unternehmen, die sich ihr Gas zu besseren Bedingungen besorgt haben. Sie können ihren Kunden zum September beziehungsweise Oktober sogar billigere Ware anbieten. Bei diesen Versorgern sinken die Preise nach Verivox-Berechnungen im Schnitt um acht Prozent. Bei 21 Gasanbietern bewegen sich die Preissenkungen sogar im zweistelligen Prozentbereich.

Immerhin können viele Verbraucher ihren Gasanbieter wechseln, um Preissteigerungen zu entgehen - unter Umständen profitieren sie sogar von Senkungen. Laut Verivox beträgt die durchschnittliche Ersparnis beim Wechsel vom örtlichen Anbieter zum günstigsten verfügbaren Tarif rund 268 Euro. Der Wechsel des Gasversorgers funktioniert in Deutschland mittlerweile problemlos (siehe Kasten). Insgesamt nimmt die Zahl der überregionalen Gasanbieter zu. Im Schnitt können die Verbraucher zwischen 25 Versorgern wählen. Wie viele es genau sind, hängt vom Postleitzahlengebiet ab.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

wal

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Forum - Welche Zukunft hat Erdgas?
insgesamt 219 Beiträge
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Seite 1
gurkengezwack 09.04.2010
1.
Zitat von sysopErdgas ist extrem wichtig für die deutsche Energieversorgung. Aber welche Zukunft hat der Rohstoff? Ist die Abhängigkeit von Russland zu groß?
Was ist das für eine Frage: "Welche Zukunft hat das Erdgas?" Wie die Hexen im Mittelalter - es wird BRENNEN. Gruß g.
frank_lloyd_right 09.04.2010
2. Erdgas hat eine schlechte Zukunft.
Ich bin überzeugt, man wir es zur Gänze verbrennen !
stanis laus 12.04.2010
3. Uraltkamelle
Mit dieser Kamelle wollten schon die Nazis die Holzvergaserautos befeuern. Im Schwäbischen haben die 44/45 ein Ölschiefervorkommen unter grauseligen Umständen von KZ-Häftlingen abbauen lassen. Mit in jeder Weise katastrophalen Ergebnissen. Ein gutes Archiv sollte solche Informationen eigentlich liefern.....
darkmaan 12.04.2010
4.
Sie meinen bestimmt den Abbau in Dotternhausen bei Balingen, aber was hat das mit diesem Thema hier zu tun?
Methusalixchen 12.04.2010
5. Der Dotternhausener ...
Zitat von darkmaanSie meinen bestimmt den Abbau in Dotternhausen bei Balingen, aber was hat das mit diesem Thema hier zu tun?
... Ölschiefer wird noch heute abgebaut und im Zementwerk als Roh- und Brennstoff genutzt.
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