Prognose von Krankenkassen-Chef Zusatzbeiträge steigen schon 2015

Ab Januar können die gesetzlichen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben, dessen Höhe sie selbst bestimmen. Der Gesetzgeber erhofft sich mehr Wettbewerb. Zwei Kassenchefs sprechen schon davon, dass das für die Versicherten teuer wird.

Arzttermin: Der Zusatzbeitrag der Kassen werde jährlich steigen, sagen Experten
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Arzttermin: Der Zusatzbeitrag der Kassen werde jährlich steigen, sagen Experten


Berlin - Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden nach Einschätzung der Techniker Krankenkasse (TK) in den nächsten Jahren deutlich anziehen. "Ich würde mich nicht wundern, wenn das schon im Laufe des Jahres 2015 beginnen würde", sagte der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas.

Zum 1. Januar 2015 sinkt der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung von 15,5 auf 14,6 Prozent. Der bisherige Sonderbeitrag von 0,9 Prozentpunkten entfällt. Dafür kann jede Kasse einen Zusatzbeitrag von den Versicherten erheben, über dessen Höhe sie selbst entscheidet. Der Gesetzgeber verspricht sich davon einen stärkeren Wettbewerb unter den Kassen. Und der Arbeitgeberanteil wird auf 7,3 Prozent eingefroren.

Der Zusatzbeitrag werde sich im ersten Jahr zunächst innerhalb etwa eines Prozentpunktes bewegen, prognostiziert Baas. Unter den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent, den alle bezahlen müssen, könne keine Kasse gehen, mehr als 15,5 Prozent würden nur sehr wenige erheben.

"Es wird teurer"

Baas sagte: "Es wird teurer, das ist die Wahrheit. Wir rechnen im Durchschnitt der Krankenkassen mit 0,2 Beitragssatzpunkten Steigerung im Jahr." Bis zur Bundestagswahl 2017 seien es 0,4 Prozentpunkte mehr, also ein Beitragssatz von knapp 16 Prozent. "Das wird die Politik nicht lustig finden."

Theoretisch gebe es zwei Möglichkeiten: den Kostenanstieg im Gesundheitssystem zu dämpfen oder an die Rücklagen zu gehen. Dass die Politik in einem Wahljahr an die Leistungsausgaben gehe, sei unwahrscheinlich, so Baas.

Der Gesundheitsfonds verfügt derzeit über knapp 13 Milliarden Euro Reserven. Die Politik könnte durchaus auf den Gedanken kommen, mit Geld aus diesem Topf einen Beitragsanstieg zu verhindern, sagte Baas.

Der Chef der Barmer GEK, Christoph Straub, meint ebenfalls, es zeichne sich jetzt schon ab, dass die Ausgaben etwa im Krankenhausbereich oder für Apotheker und Arzneimittel kurz- und mittelfristig deutlich zulegen. Straub geht davon aus, dass der durchschnittliche GKV-Beitragssatz 2016 bei mehr als 16 Prozent liegen werde.

Kassenmitglieder bekommen mit der Neuregelung ein Sonderkündigungsrecht, wenn ihre Krankenversicherung einen Zusatzbeitrag einführt oder ihn künftig - auch während des laufenden Haushaltsjahres - erhöht. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung warnt allerdings vor einem übereilten Wechsel der Krankenkasse. Versicherte sollten nicht nur auf die Höhe des Zusatzbeitrags achten, sondern auch die teilweise unterschiedlichen Leistungen berücksichtigen, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz. "Das Gesamtpaket muss stimmen."

wbr/dpa



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egalglaubmir 28.12.2014
1. klasse
der Markt soll sich selbst regeln....das iich nicht lache. Die GKV sind aufgebaut wie Behörden...da wird sich nichts selbst regulieren. Einige wenige Ausnahmrn wird es geben, aber ansonsten werden sich diw Beiträge ,wie bei den Mineralölkonzernen, von Zauberhand sehr ähnlich sein.
bausa 28.12.2014
2. Versicherte sind immer die Dummen
Das war ja zu erwarten. Da haben die Lobbysten der Pharmaunternehmen wieder ganze Arbeit geleistet. Ich möchte mal wissen, wo das ganze Geld der Versicherten versickert. Medikamente sind im Europavergleich viel zu teuer in Deutschland. Auch sollte man mal überlegen eine Kosten-Nutzen Option bei anstehenden Operartionen einzuführen. Wieso braucht ein 85jähriger noch einen Herzschrittmacher für 100tsd€ oder Viagra?
basiliusvonstreithofen 28.12.2014
3. Das ist doch logisch....
...dass für die gesetzlich Versicherten die Beiträge steigen. Einer muss ja schließlich die Zeche bezahlen, wenn deutsche Politiker die Türen und Toren weit aufmachen, damit Millionen von Flüchtlingen bei u. a. freier Krankenversorgung nach Deutschland fluten. Die Beiträge werden noch weiter massiv steigen. Man kann davon ausgehen, dass jeder deutsche Versicherte für ein Brüderlein bzw. Schwesterlein aus dem Orient mit bezahlen muss.
j.igelmann 28.12.2014
4. Ja und was tun die Vorstände dagegen?
Nichts! Sie reden nur das es teurer wird anstatt ihrer Aufgabe gerecht zu werden dafür zu sorgen das die Beiträge stabil bleiben. Dann müssen halt die Leistungen angepaßt werden. Es kann nicht sein, dass es keinen Unterschied zwischen Einstiegs-und Höchtbeitrag zur GKV gibt. Das mit der Solidarität zu begründen zieht nicht! Denn bei der Rente gilt, wer mehr zahlt bekommt auch mehr Rente! Mit Kuschelvorständen kommen wir nicht weiter in der Sache!
bluesfreak47 28.12.2014
5. Wo bleibt die Bürgerversicherung?
Wir brauchen keine 134 Krankenkassen. Wir brauchen eine Grundversicherung für alle und die Möglichkeit, Sonderleistungen gegen Zuschlag selbst zu versichern. Leider hat man nach dem Beginn der Großen Koalition von diesem Vorhaben der Sozialdemokratie nichts mher gehört.
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