Steigende Beiträge So kommen Sie an die günstigste Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung wird 2016 teurer. Höchste Zeit, die eigene Police zu prüfen. Lohnt sich der Preis? Im Zweifel wechseln Sie - und können damit sogar sparen.

Arztpraxis in Frankfurt (Oder) (Archivbild): Nur für Arbeitnehmer ändert sich etwas
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Arztpraxis in Frankfurt (Oder) (Archivbild): Nur für Arbeitnehmer ändert sich etwas

Eine Kolumne von


Im kommenden Jahr werden die Beiträge zur Krankenkasse ordentlich steigen, im Schnitt um 0,2 Prozent, hat gerade der Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt prognostiziert. Der Beitragssatz für die meisten der 54 Millionen Kassenmitglieder stiege dann von 15,5 auf 15,7 Prozent ihres Einkommens.

Für einen Durchschnittsverdiener mit 3000 Euro Bruttogehalt sind das monatlich sechs Euro oder 72 Euro im Jahr. Gutverdiener mit mehr als 4600 Euro brutto zahlen dann im Jahr gut 110 Euro mehr.

Wohlgemerkt: im Schnitt. Denn nicht alle Krankenkassen verlangen den gleichen Beitragssatz.

Beitragssteigerungen bei den Krankenkassen gab es schon in der Vergangenheit regelmäßig. Doch anders als früher tragen die Arbeitgeber nicht mehr ihren Anteil daran. Der ist inzwischen festgeschrieben, nämlich auf 7,3 Prozent des Einkommens ihrer Arbeitnehmer. Ebenfalls festgeschrieben sind 7,3 Prozent, die der Versicherte zahlt. Obendrauf kommt der Zusatzbeitrag, den ausschließlich der Versicherte zahlt, von zurzeit im Schnitt 0,9 Prozent. Macht zusammen 15,5 Prozent Beitrag.

Dieses Jahr erleben wir die erste Erhöhung in diesem neuen System: Die Krankenkassen können die höheren Kosten allein über den Zusatzbeitrag für Arbeitnehmer und Rentner refinanzieren. Im Gegensatz zu früher ändert sich nämlich für Arbeitgeber nichts.

Auch wenn jetzt die meisten Kassen etwas mehr verlangen sollten, die Zusatzbeiträge unterscheiden sich erheblich. Und so haben sehr viele Versicherte die Chance, ihre Beiträge unterm Strich deutlich zu senken, wenn sie zu einem preiswerteren Konkurrenten ihrer Krankenkasse wechseln.

Während die große Mehrheit der Kassenkunden heute 0,9 Prozent Zusatzbeitrag zahlt, gibt es viele Kassenpatienten, die heute nur 0,4 Prozent, und einige, die sogar überhaupt keinen Zusatzbeitrag zahlen müssen. Auch künftig wird es solche deutlich preiswerteren Kassen geben. Versicherte bei diesen Kassen behalten übers Jahr bis zu 500 Euro mehr im Portemonnaie.

Allerdings gibt es keinen bundesweiten Anbieter, der derzeit die Null anbietet. Die günstigste deutschlandweit operierende Kasse ist die Handelskrankenkasse (HKK) aus Bremen, die sich mit 0,4 Prozent begnügt. Das macht in Summe also 15 Prozent Beitrag.

In einigen Bundesländern, nämlich im Südwesten, im Rheinland und in Hamburg kommt man aktuell mit Betriebskrankenkassen wie der BKK Euregio und der Metzinger BKK ohne Zusatzbeitrag davon. Günstige Zusatzbeiträge mit 0,3 Prozent bieten unter anderem die AOK plus in Sachsen und Thüringen und die AOK Sachsen-Anhalt.

Was also tun?

Zunächst mal auf das Schreiben der Krankenkasse mit der Androhung der Beitragserhöhung warten. Die Kassen müssen die Erhöhung nämlich mindestens einen Monat vor dem ersten Einziehen ankündigen, also zum Beispiel Ende Dezember für das Januargehalt.

Dann gilt es, schnell zu reagieren und das Sonderkündigungsrecht zu nutzen. Denn Sie kommen frühestens zum Ende des übernächsten Monats aus der alten Krankenkasse raus. Schaffen Sie es in unserem Beispiel auch noch Ende Dezember, die neue Kasse zu finden, kommen Sie zum 1. März aus der alten Kasse heraus und müssen nur zwei Monate erhöhten Beitrag zahlen. Sind Sie langsamer, werden Sie drei Monate lang den neuen höheren Beitrag zahlen müssen. Die neue Kasse muss Sie übrigens aufnehmen, dazu sind gesetzliche Krankenkassen im Gegensatz zu privaten Krankenversicherern verpflichtet.

Beim schnellen Wechsel können Sie kaum etwas falsch machen, schließlich sind 95 Prozent der Leistungen bei allen Kassen gleich, so will es der Gesetzgeber. Und nach 18 Monaten können Sie die neue Kasse auch wieder verlassen, selbst wenn diese ihre Beiträge nicht erhöht.

Etwas schwieriger wird die Entscheidung, wenn Sie eigentlich mit den Leistungen Ihrer Kasse sehr zufrieden sind. Weil die Versicherung zum Beispiel mehr alternative Behandlungen finanziert oder einen überdurchschnittlichen Service bietet. Unter den teureren Kassen gibt es etliche, die für den höheren Preis tatsächlich ein sehr dichtes Geschäftsstellennetz und Betreuungsangebot bieten. Wenn Sie also Wert auf solchen persönlichen Kontakt oder gar auf einen persönlichen Betreuer legen, der Sie durch den Krankenkassendschungel begleitet, dann bleiben Sie einfach. Vielleicht möchten Sie sogar zu einer solchen Service-starken Kasse wechseln.

Kleine Anmerkung an die Adresse des Gesetzgebers anlässlich des ersten Erhöhungstestlaufs: Warum Kunden erst nach mehr als zwei Monaten aus der teurer werdenden Kasse herauskommen, diese aber schon im Folgemonat die Beiträge erhöhen und gleich kassieren kann, ist eigentlich nicht logisch, oder?

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
relative_wahrheiten 17.10.2015
1. Krankenkassen wechseln,
Schön und gut... Doch wann werden die Zwangsversicherten endlich die Möglichkeit bekommen, gegen die maßlose Geldverschwendung der Krankenkassen vorgehen zu können? Egal wo ich bis heute in Deutschland ein Gebäude der AOK gesehen habe, es war jedes mal ein "Palast". Und fast immer in bester Lage, wofür frage ich mich, zahlt man Beiträge? Damit die Manager der Kassen in Saus und Braus allerfeinst repräsentieren können und die Ärzteschaft schön Gelder an die Pharmalobby schieben kann, oder dafür, das die Gesundheitsversorgung des Beitragszahlers gewährleistet werden kann? Letzeres ist ja nicht einmal mit der beim Arzt zu zahlenden 10€ gewährleistet worden. Als Zwangskrankenversicherter bei der AOK ist man bei Ärzten eh Patient 2ter Klasse. Wird Zeit, das dieses System mal kräftig Aufgeräumt wird.
iamwiesl2 17.10.2015
2. Logisch ist auch nicht
Warum die ganze Familie über einen Beitragszahler abgesichert ist. Steigerungen sind dadurch eh vorprogrammiert. und einer muss auch den medizinischen Fortschritt zahlen. Das geht nur wenn die Beiträge steigen oder aber es werden Leistungen gestrichen....Ach wer kann sich noch erinnern als Brillen gezahlt worden sind, Zähne gut abgesichert waren....
ichbinsjetzt 17.10.2015
3. Solidargemeinschaft?
Aber nicht für Beamte und Politiker. Mein Betrag von derzeit 740 EURO im Monat steht in starkem Wiederspruch zu einem Beitrag von ca. 400 EURO in der privaten Krankenversicherung. Dazu die schlechteren Leistungen in der gesetzlichen. Die Privatversicherten müssen nicht solidarisch sein und Familienangehörige von fremden Familien oder Geringverdiener mit zu finanzieren. Die private Krankenversicherung müsste angepasst werden und auch in den Solidaritätstopf einbezahlen. Der Solidar Beitrag müsste außerhalb des Beitrags aufgrund des Einkommens festgelegt werden. Aber das wäre ein Nachteil für Priviligierte Beamte und Politiker.
Ein_denkender_Querulant 17.10.2015
4. Privat Versichern ist kalkulierbarer
Solange man nicht mehrere Kinder hat und jeder Erwachsene in der Familie arbeiten muss, sind private Versicherungen einfach billiger. Jeder hätte eintreten können, weil man einfach nur früh genug ein Gewerbe hätte anmelden müssen und als Selbstständiger darf man sich natürlich privat Versichern. Ist man ein paar Jahre drin, kann man auch als gering bezahlter Angestellter privat versichert bleiben. Die Kostenexplosion kommt vor allem im Alter. Während man mit der privaten Versicherung heute gute Rücklagen für das Alter bilden kann und vorhersehbare Kosten tragen muss, werden die gestzlichen Versicherungen unkalkuliert teuer und schlimmer noch, bei Rentnern werden heute alle Einnahmen berücksichtigt. Die meisten mittelmäßig Verdienenden werden darum im Alter den Höchstbetragt der GKK bezahlen und das ohne Arbeitgeberzuschuß. Das wird eine extreme Kostenfalle!
spitzaufknoof 17.10.2015
5. Natürlich
bezahlen nur die Arbeitnehmer mehr. Wieder eines der Paradebeispiele welchen Stellenwert Otto Normalverbraucher in diesem Land hat. Um die Sozialversicherungssysteme aufgrund der aktuellen Situation weiter zu entlasten wird zukünftig wohl auch bei der Renten-und Arbeitslosenversicherung nur noch der Arbeitnehmer höhere Beiträge zahlen.
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