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Rechtswidrige Bankgebühren: Holen Sie sich Ihr Geld zurück!

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Deutsche Banken haben ihren Kreditkunden unzulässige Gebühren in Milliardenhöhe berechnet. Freiwillig geben sie das Geld nicht her. Also müssen die Kunden selbst aktiv werden. Es ist ganz einfach - hier die Anleitung.

Bankenviertel in Frankfurt am Main: Schaden in Milliardenhöhe für die Verbraucher Zur Großansicht
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Bankenviertel in Frankfurt am Main: Schaden in Milliardenhöhe für die Verbraucher

Wird an einem Automodell ein Fabrikationsfehler entdeckt, dann werden Millionen von Autos auf Kosten der Hersteller in die Werkstätten gerufen. Der Schaden wird behoben, auch um zu verhindern, dass der Defekt ungewollte Konsequenzen hat. BMW hat im Sommer sogar Autos zurückgerufen, weil bei den baugleichen Airbags der Konkurrenz Probleme aufgetreten waren.

Geradezu steinzeitlich ist daran gemessen die Fehlerkultur, die deutsche Banken derzeit beim Thema Kreditbearbeitungsgebühren an den Tag legen. Der Bundesgerichtshof hat den Banken in Urteilen im Mai (Az. XI ZR 170/13, XI ZR 405/12) und Oktober 2014 (Az. XI ZR 348/13 und Az. XI ZR 17/14) attestiert, dass sie für die Vergabe von Krediten unzulässige Gebühren von ihren Kunden eingestrichen haben. Die Summen reichen von unter hundert Euro pro Kredit bis zu etlichen tausend Euro. Der Gesamtschaden der Verbraucher geht in die Milliarden.

Gebühren sind nicht rechtens

Eigentlich ein klarer Fall, möchte man meinen. Mit einer solchen Klatsche geht man als reputierliches Unternehmen souverän um und benachrichtigt alle Kunden, denen man zu viel Geld berechnet hat. Man bittet um Nennung einer aktuellen Kontoverbindung und überweist das Geld mit samt der fälligen vier Prozent Zinsen pro Jahr.

Genau dies tun die Banken aber nicht. Sie warten darauf, dass die Kunden selbst auf den Trichter kommen, acht Jahre alte Verträge vom Speicher holen, die genaue Höhe der Gebühren herausdestillieren und die Zinsansprüche berechnen, die ihnen nach all den Jahren nun zustehen. Genauer gesagt, sie warten darauf, dass die Zeit abläuft, in denen die Kunden ihre Ansprüche noch geltend machen können. Und dass die Kunden eben genau das nicht tun.

Dabei wissen die Banken seit Langem, dass diese Kreditbearbeitungsgebühren sich nicht gehören. Seit 2011 hat praktisch jedes befragte Oberlandesgericht den Banken erklärt, dass die Gebühren nicht rechtens sind. Schon damals hätten die Banken handeln und den Kunden ihr Geld zurückerstatten können. Der Bundesgerichtshof hat im Oktober mit Hinweis auf die taktischen Spielchen der Banken geurteilt, der normale Kreditkunde habe nicht wissen können, was ihm zustehe. Deswegen können die Kunden jetzt auch für Verträge aus den vergangenen zehn Jahren noch Gebühren zurückfordern.

Nehmen Sie Ihre Rechte wahr!

Nach all dem hat der Dachverband der Kreditwirtschaft immer noch die Stirn zu sagen, man müsse die Urteilsbegründung abwarten und erst mal prüfen. Daraus spricht nichts als die Hoffnung, dass die Kunden vergessen, sich das zu holen, was ihnen zusteht.

Liebe Kunden - nehmen Sie Ihre Rechte wahr. Holen Sie sich Ihr Geld zurück. Hier ist der Musterbrief! Setzen Sie Ihrer Bank eine Frist. Und wenn die Bank nicht wie gewünscht antwortet, schicken Sie eine Kopie der Unterlagen per Einschreiben mit Rückschein an die jeweiligen Ombudsleute der Banken. Das kostet nichts und wahrt Ihre Rechte, ohne dass Sie sofort einen Rechtsanwalt bemühen müssen.

Hier sind die Adressen:

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Hermann-Josef Tenhagen

Haftpflicht, Rente, Zahnersatz

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Was ist die Definition von
Mara Cash 08.11.2014
Ich zahle für einen Kredit von Anfang 2009 monatliche Gebühren von 1,10 Euro - eine Art Kontoführungsgebühr für den Kredit für eine Betriebsübernahme. Es handelt sich um einen Betriebsmittelkredit - ich bin Freiberuflerin. Nun die Frage: Sind die monatlichen 1,10 Euro Gebühren rechtens? Wären die 1,10 Euro rechtens, wenn es sich um einen reinen Konsumentenkredit gehandelt hätte?
2. Besondere Sorgfaltspflicht
Volks.Hirn 08.11.2014
steht im Gesetz. Und ist DIE Begründung für die einzigartige Fähigkeit der Banken Giralgeld zu "drucken". Da darf man eigentlich erwarten das die Banken von SICH aus WIDER DEM GESETZ kassierte Gebühren zurückerstatten. Ansonsten kommt der Verdacht aus das es sich um BETRUG handelt.
3. Antwort meiner Bank
thlogical 08.11.2014
Sehr geehrter Herr ..., vielen Dank für ihre Mail. Leider können wir erst jetzt darauf zurückkommen, da der Sachverhalt vorab fallindividuell geprüft werden musste. Zu den einzelnen in Rede stehenden Verträgen können wir Ihnen folgendes mitteilen: Dem Abschluss der Dahrlehensverträge xxxx und xxxx ist unser Finanzierungsvorschlag vom 09.07.2012 vorausgegangen. Die bereits hierin aufgeführten Bearbeitungsentgelte blieben von Ihnen im Rahmen Ihrer Annahme am 12.07.2012. unkommentiert. Änderungswünsche hatten Sie nicht genannt, sodass wir Ihnen nach Herbeiführung der Entscheidung gleichlautende Dahrlehensverträge Mitte August vorlegten und Sie diese - ebenfalls unkommentiert - unterzeichneten. Der BGH hat in seinem Urteilnur zu AGB-rechtlich vereinbarten Entgelten Stellung genommen. Den vorgeschalteten Finanzierungsvorschlag nutzen wir jedoch, um die Erwartungen unserer Kundschaft weitgehend in unsere Entscheidung einfließen zu lassen. Es handelt sich daher hinsichtlich der Bearbeitungsentgeldes nicht um formularmäßige Vertragsbestandteile, die AGB-rechtlich zu beurteilen wären. Individualvereinbarungen hingegenunterliegen grundsätzlich keiner gerichtlichen Überprüfung. Einen Erstattungsgrund sehen wir nicht. MfG ... hm für mich ist das Betrug an einem Kunden der das nicht weiß und vorallen seit wann sind Bearbeitungsgebühren verhandelbar? Das sind Volks und Raifeisenbanken!!!
4.
jakam 08.11.2014
Danke für diese Information, sofort viral über Facebook etc. verbreitet - ich kann nur hoffen, daß das jetzt viele tun, damit die Banken nicht damit durchkommen, das einfach zu behalten. Teilen teilen teilen!
5. seltsame Regelung
no__comment 08.11.2014
Wenn ich den Zinssatz für einen Kredit-Vertrag mit meiner Bank aushandel und dabei eine Bearbeitungsgebühr einkalkuliert wird, kann ich nun sagen, dass mich der Vertrag nicht mehr interessiert und die Gebühr zurückfordern? Wäre ohne Gebühr nicht einfach der Zinssatz schlechter gewesen?
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Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlinemagazin ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



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