Gebühren und Sicherheit So zahlen Sie im Urlaub günstig per Kreditkarte

Kreditkarten werden nun auch bei Deutschen beliebter. Doch Vorsicht: Beim Shoppen im Ausland können Gebühren anfallen. Diese Tipps sollten Sie beachten.

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Eine Kolumne von


Als ich vor zwei Jahren in unserem Start-up anfing, sah ich mich einer komplett neuen Kreditkartenwelt gegenüber. Während Deutschland sich teilte in ein Land mit auf die EC-Karte konditionierten Bürgern, die vielleicht mal im Urlaub eine Kreditkarte nutzten, und eine wohlhabende Gruppe, die mit exklusiven Karten mit vielen Extras zahlte, traf ich bei Finanztip auf eine neue Klientel: Leute, die mit Kreditkarte schlicht billiger fuhren.

Die Karten stammten zum Beispiel von der DKB, einer Direktbanktochter der Bayerischen Landesbank, der ING-Diba, Direktbanktochter des niederländischen ING Konzerns oder von Onlinebanken wie DAB Bank und Consorsbank. Sie wurden in Deutschland beim kostenlosen Geldabheben am Automaten eingesetzt, beim Wochenendtrip nach Amsterdam, im Urlaub in Mexiko, der Türkei oder den USA.

In den vergangenen zwei Jahren ist der Einsatz der Kreditkarte als Massenzahlungsmittel deutlich vorangekommen: Erstens sind die kostenlosen Konten mit Kreditkarte populärer geworden. Zudem hat die EU einen erheblichen Anteil. Sie hat nämlich durchgesetzt, dass die maximalen Gebühren, die Kreditkartenkonzerne wie Mastercard und Visa bei den Händlern europaweit abzwacken, nur noch 0,3 Prozent der Kaufsumme betragen dürfen.

Jetzt akzeptieren viel mehr Händler im Laden und im Netz das Zahlen mit Kreditkarte. Und je mehr Kunden ihre Kreditkarte zum Geldabheben in die Hand nehmen, umso eher nutzen sie sie auch für den ganz normalen Einkauf. Die niedrigen Gebühren verleiten sogar Discounter dazu, ihren Kunden die Bezahlung mit Kreditkarte anzubieten: Mit Aldi und Lidl kommt der Massenmarkt. Rund 30 Millionen Kreditkarten kursieren in Deutschland.

Beim Shoppen in Fremdwährungen sind fast immer Gebühren fällig

Zeitweilig konnten clevere Nutzer wie meine Kollegen mit ihren Kreditkarten ihre gesamten Zahlungsvorgänge komplett gebührenfrei abwickeln. Das galt sogar für das Einkaufen in den USA, in Norwegen oder der Türkei.

Aber eben nur zeitweilig: Nachdem die Kreditkartenfirmen nämlich bei den Händlern deutlich weniger abkassieren können, dreht sich jetzt das kleine Gebührenkarussell beim Kunden. Beim Shoppen in Fremdwährungen sind selbst bei empfehlenswerten und ansonsten kostenlosen Kreditkarten inzwischen fast immer Gebühren fällig. Eine Ausnahme ist zum Beispiel die 1-Plus-Card der Santander Consumer Bank.

Einkaufen in London, Miami oder Istanbul wird wegen der Fremdwährungsgebühren in der Urlaubssaison 2016 also teurer. Die DAB Bank ist noch die günstigste von den Finanztip-Girokonto-Empfehlungen und verlangt 1,5 Prozent Gebühren, wenn jemand mit der Karte in britischen Pfund, türkischen Lira oder US-Dollar bezahlt. Consorsbank und DKB verlangen beim Einkaufen außerhalb des Euroraums jetzt 1,75 Prozent - bei der DKB kostet das Bezahlen in schwedischen Kronen und rumänischen Lei nichts.

Weltweit kostenlos bleibt es hingegen bei den genannten Kreditkarten, Geld abzuheben - in Euro ohnehin, aber auch in allen Fremdwährungen, sogar in China. Hier wird die schöne kostenlose Welt nur von einzelnen Automatenbetreibern gestört, die manchmal eine Gebühr verlangen.

Beruhigend stabil sind da schon ein paar Grundregeln zur Sicherheit bei der Nutzung der Kreditkarte:

  • Haben Sie ein ungewöhnliches Reiseziel gewählt, melden Sie das Ihrer Kreditkartenfirma oder Bank vorab. So mancher Kunde muss im Ausland überrascht zur Kenntnis nehmen, dass seine Bank den Zugang sperrt - aus Sicherheitsgründen. Was als Schutzidee startete, kann für Kunden zum Ärgernis werden, wenn man plötzlich im Hotel, an der Tankstelle oder bei der Autovermietung nicht mit der Karte zahlen kann. Das Verrückte ist: Auch wenn Sie Ihre Reise vorab melden, kann es passieren, dass das automatische Sicherheitssystem trotzdem sperrt. Haben Sie also die Nummer Ihrer Bank dabei.
  • Wenn Sie außerhalb des Euroraums (zum Beispiel in der Schweiz, in Großbritannien, Polen oder der Türkei) mit der Karte Geld abheben und der Automat fragt Sie, ob Sie die Abhebung in Euro oder in Landeswährung abrechnen wollen, antworten Sie immer "Abheben im Landeswährung". Andernfalls berechnet Ihnen der Automatenbetreiber einen teuren Umrechnungskurs. Das kann pro Abhebung schnell 10 bis 20 Euro kosten.
  • Nehmen Sie in jedem Fall die weltweite Sperrnummer mit auf die Reise. In Deutschland funktioniert das System unter der Nummer 116-116. Im Ausland können Sie, dann kostenpflichtig, die Nummer +49-116-116 anrufen. Wenn die Karte geklaut wird, sollten Sie schnell sein. Denn bis Sie den Diebstahl gemeldet haben, haften Sie für entstehende Schäden - bis maximal 150 Euro. Nach der Meldung droht nur noch organisatorischer Ärger.

Und wenn Sie wieder zu Hause sind, kontrollieren Sie sorgfältiger als normalerweise Ihre Kreditkartenabrechnung. Sie haben acht Wochen Zeit für Reklamationen.

Meine jungen Kollegen haben noch einen weiteren ganz alten Vorteil der klassischen Kreditkarte registriert. Clever genutzt kann sie auch einen kostenlosen Kreditrahmen zur Verfügung stellen. Klassisch geführt bucht die Kartenfirma einmal im Monat - typischerweise in der Mitte - vom Girokonto ab, was an Zahlungen aufgelaufen ist. Der kluge und planvoll vorgehende Kunde bekommt so bis zu vier Wochen lang einen kostenlosen Kreditrahmen.

Keinesfalls sollte man auf das Angebot der Banken eingehen, den Betrag auf der Kreditkarte in Raten abzustottern, die sogenannte "Revolving"-Kreditkarte. Dabei werden nämlich hohe Zinsen fällig. Bei der sonst so preiswerten Santander-Karte effektiv sogar bis zu 14 Prozent.

Diese Kreditzinsen bei der Revolving-Variante gehören zu den wenigen echten Fallstricken, auf die Sie bei Kreditkarten heute achten müssen.


Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.


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