Kursplus: Wie Sie jetzt vom Börsenboom profitieren

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Krise? War da was? An den Börsen herrscht derzeit Hochstimmung. Der Dax könnte bald über 7000 Punkte steigen, der Dow Jones notiert höher als vor der Finanzkrise. Woher kommt der Boom? Wie lange hält er an? Und wie können Privatanleger profitieren? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Plüsch-Bulle an der Börse: Symbol für den Optimismus Zur Großansicht
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Plüsch-Bulle an der Börse: Symbol für den Optimismus

Hamburg - Die Stimmung könnte diffuser nicht sein. Da ist auf der einen Seite die weltweite Krise: Die Euro-Retter kämpfen um neue Hilfen für Griechenland; Neelie Kroes, die Vizechefin der EU-Kommission, hält inzwischen sogar den Staatsbankrott der Hellenen für denkbar. Europa schlittert am Rand einer Rezession entlang, die USA türmen enorme Schuldenberge auf.

Und da ist auf der anderen Seite die Börse. Hier steigen und steigen die Kurse. Gleich auf mehreren Kontinenten haben die Indizes Rekordstände erreicht.

  • In Deutschland notiert der Dax Chart zeigen derzeit bei rund 6800 Punkten, so hoch wie seit sechs Monaten nicht. Seit sieben Wochen ist er kontinuierlich gestiegen, eine solche Gewinnserie gab es zuletzt Anfang 2007. Börsenexperten wie Markus Reinwand von der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba) halten es für möglich, dass der Dax bald die 7000-Punkte-Marke überschreitet.
  • In Amerika pendelt der Dow Jones Chart zeigen bei rund 12.900 Zählern. Vergangenen Freitag war er erstmals wieder über den Stand vom 20. Mai 2008 gestiegen. Jenem Tag, seit dem es an der US-Börse viele Monate lang nur noch bergab ging, der die Weltfinanzkrise also gewissermaßen vorwegnahm.
  • In Japan knackte der Leitindex Nikkei Chart zeigen am Mittwoch das erste Mal seit Oktober 2011 wieder die Marke von 9000 Punkten.

Woher kommt der Boom?

Aus Sicht von Experten gibt es tatsächlich gute Gründe, derzeit auf Aktien zu setzen. So gibt es Hoffnung, dass sich die Konjunktur besser entwickelt als erwartet. Die Weltwirtschaft wird im laufenden Jahr voraussichtlich um drei Prozent wachsen. In der Bundesrepublik drehen Konjunkturindikatoren ins Plus, die deutschen Exporte haben im vergangenen Jahr erstmals die Eine-Billion-Euro-Marke geknackt. Für die Unternehmen sind das gute Aussichten - das lässt ihre Aktienkurse steigen.

Zudem gibt es kaum lohnende Alternativen zu Aktien. Schon jetzt liegen die Zinsen auf einem historisch extrem niedrigen Niveau, und die großen Zentralbanken erwägen schon neue Eingriffe, um die Konjunktur zu stützen: Die Europäische Notenbank dürfte die Leitzinsen demnächst senken; die US-Notenbank frisches Geld in den Markt pumpen. Zinsabhängige und zugleich als sicher wahrgenommene Anlagen wie Bundesanleihen oder Tagesgeldkonten werfen dadurch nur sehr mickrige Renditen ab. Oft liegen diese sogar unter der Inflation. Man verliert also unterm Strich Geld. "Immer mehr Anlegern wird klar, dass sichere Anleihen ihr Vermögen nicht schützen", sagt Philipp Vorndran, Anlageberater bei Flossbach von Storch. Anleger investierten daher verstärkt in Immobilien, Gold - und vor allem Aktien.

"Die Kombination aus niedrigen Zinsen und guten Konjunkturaussichten wirkt wie ein Turbo", sagt Reinwand von der Helaba. "Viele sind skeptisch ins neue Jahr gestartet und haben sich zunächst zurückgehalten. Der aktuelle Boom zeigt, dass diese Skepsis nun nachlässt."

Wie lange hält das Kursplus an?

Fragt sich nur: Wie lange hält die Euphorie an? Kommt nach dem wochenlangen Anstieg nicht irgendwann der Einbruch? Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet am Mittwoch schon über den "Gegenindikator Kleinanleger". Kleinanleger seien "emotionale Lemminge", heißt es in dem Artikel. Sie würden aktuellen Trends hinterherlaufen. Wenn Kleinanleger einsteigen, gelte das unter Profis als Warnsignal, dass es bald wieder bergab gehen könnte.

Doch im Moment sieht es eher nicht danach aus. "Wir sehen noch Luft nach oben", sagt Reinwand. "Es wird sich auf mittlere Sicht lohnen, auf Aktien zu setzen." Auch Vorndran sagt: "Die Aussichten für Gewinne auf dem Aktienmarkt sind auf längere Sicht gut."

Etwas skeptischer äußert sich ihr Kollege Robert Halver von der Baaderbank. "Ja, die Kurse haben das Potential, in den kommenden Monaten weiter zu steigen", sagt er. "Aber nur, wenn die Politik nicht alles zerstört."

Tatsächlich gibt es große Unsicherheitsfaktoren, beispielsweise die Drohung Irans, die Straße von Hormus zu blockieren, durch die ein großer Teil der weltweiten Öllieferungen fließt. Oder eine erneute Verschärfung der Euro-Krise, zum Beispiel durch eine Pleite Griechenlands. Beides würde das weltweite Wirtschaftswachstum abwürgen - und die Börsenkurse hinabziehen.

Doch derzeit scheint man am Markt eher damit zu rechnen, dass Griechenland ein neues Rettungspaket erhält. Und manche Experten glauben sogar, dass selbst eine Pleite Griechenlands die Aufwärtsentwicklung an der Börse nicht dauerhaft stoppen kann. "Anleger gehen davon aus, dass sich die Euro-Retter auf alle Eventualitäten vorbereitet haben und selbst für diesen Fall vorsorgen", sagt Reinwand. "Der Markt versucht, Griechenland abzuhaken", sagt Vorndran.

Wie profitiere ich vom Boom?

Die Voraussetzungen für einen Aktienkauf sind also günstig. "Wer Aktien kaufen möchte, sollte es jetzt tun", sagt Vorndran. Doch wie profitiert man als kleiner Anleger vom Boom? Vorndran empfiehlt, vor allem in Qualitätsaktien zu investieren. Sprich: Papiere von Unternehmen mit einem globalen, nachhaltigen Geschäftsmodell, die kleinen konjunkturellen Schwankungen trotzen. Beispiele seien Microsoft Chart zeigen, Nestlé oder Coca Cola Chart zeigen.

Halver hält es für möglich, dass die Kurse in absehbarer Zeit etwas nachgeben, weil Anleger einen Teil ihrer Aktienbestände abstoßen, um die bisher angefallenen Gewinne zu kassieren. "Kleinanleger sollten einen solchen Rücksetzer abwarten - und dann investieren, am besten regelmäßig, zum Beispiel in Form von Sparplänen", empfiehlt er. Bei diesem Modell investiert der Anleger zum Beispiel jeden Monat einen Betrag in ein oder mehrere Aktienfonds - Schwankungen beim Einstiegskurs werden so automatisch ausgeglichen.

Für Investitionen in Aktien gibt es übrigens noch einen guten Grund: Sie werfen selbst bei stagnierenden Kursen noch Gewinne ab, manche sogar bei leicht sinkenden Kursen. Grund ist die jährliche Gewinnausschüttung an Aktionäre, die Dividende. Einige Konzerne geben einen vergleichsweise großen Teil ihrer Gewinne an Aktionäre weiter. Bei der Allianz Chart zeigen etwa liegt die Dividendenrendite laut "Handelsblatt" bei 5,2 Prozent; beim französischen Medienkonzern Vivendi Chart zeigen sind es neun Prozent, bei der spanischen Telefonica Chart zeigen gar zwölf Prozent.

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insgesamt 44 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ja ,die Kleinanleger....
juergw. 08.02.2012
Zitat von sysopKrise? War da was? An den Börsen herrscht derzeit Hochstimmung. Der Dax könnte bald über 7000 Punkte steigen, der Dow Jones notiert höher als vor der Finanzkrise. Woher kommt der Boom? Wie lange hält er an? Und wie können Privatanleger profitieren? Antworten auf die wichtigsten Fragen. Kursplus: Wie Sie jetzt vom Börsenboom profitieren - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,814023,00.html)
erst einmal anfüttern,die Anlagen schmackhaft machen,(Matschie läßt grüßen)dann schlägt die Falle zu.Der kleine dumme Anleger guckt in die Röhre-.die Banker lachen sich eien Ast.Wider den Dummen das Fell über die Ohren gezogen.Boni gesichert.Joe macht wieder Victory Zeichen in die Kamera-grinsend.
2. Prognose nicht gerade positiv
hulix 08.02.2012
Zitat von juergw.erst einmal anfüttern,die Anlagen schmackhaft machen,(Matschie läßt grüßen)dann schlägt die Falle zu.Der kleine dumme Anleger guckt in die Röhre-.die Banker lachen sich eien Ast.Wider den Dummen das Fell über die Ohren gezogen.Boni gesichert.Joe macht wieder Victory Zeichen in die Kamera-grinsend.
Naja, ob der kleine Anleger immer automatisch verliert, das sei mal dahin gestellt. Aber dass der derzeitig Börsenboom so weiter geht, scheint ein gewagtes Statement. Diese Börsen Prognose http://goo.gl/vPcvn sieht den DAX Ende des Jahres bei unter 6.000 Punkten. Das wäre dann schon eher ein herber Kursverlust.
3. Bloß keine Experten...
günterjoachim 08.02.2012
Für die erfolgreiche Geldanlage gibt es eine wichtige Regel: NIE auf den Rat von Experten hören!
4. exakt?
leepzscher 08.02.2012
Zitat von günterjoachimFür die erfolgreiche Geldanlage gibt es eine wichtige Regel: NIE auf den Rat von Experten hören!
Kein Experte rät zum Kauf griechischer Aktien!
5. Dividendenabschlag
Absurdistan-Veteran 08.02.2012
Aha ... Dividenden von 9%. Das klingt ja sensationell. Eines sollte dem werten Kleinanleger allerdings auch nicht verschwiegen werden. An dem Tag, an welchem man die 9% Dividende auf's Konto gebucht bekommt, wird auch der Dividendenabschlag von -9%, bezogen auf den aktuellen Kurs der Aktie, fällig. Im Klartext: wenn das Ding danach nicht 9% zulegt, hat man garnichts gewonnen.
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