Kurzer Preisrutsch: Warum Gold wieder wertvoller wird
Es klingt paradox: Wegen der Schuldenkrise kauften immer mehr Anleger Gold - nun ist der Preis für das Edelmetall plötzlich abgesackt. Ist der Hype vorbei? Keinesfalls, sagen Experten.
Hamburg - So mancher Kleinanleger, der angesichts der Schuldenkrise in Gold investiert hat, dürfte erschrocken sein. Denn die Krisenwährung hat am Montag enorm an Wert verloren. Der Goldpreis fiel zeitweise unter 1600 Dollar und notierte damit rund 300 Dollar tiefer als beim Allzeithoch von Anfang September. Der Preis für Silber verringerte sich um gut 16 Prozent auf rund 26 Dollar. Ist damit der Boom zu Ende? Haben Anleger in den vergangenen Wochen und Monaten mit ihrer Flucht in Gold und Silber einen strategischen Fehler gemacht?
Grundsätzlich nicht, sagt Rohstoff-Experte Henning Beck von der Vermögensverwaltung Lupus alpha. "Der starke Einbruch hat uns überrascht. Aber an Gold als sicherem Hafen hat sich nichts geändert." Diese Einschätzung wurde am Dienstag an den Märkten bereits wieder spürbar. Gold
verteuerte sich um gut zwei Prozent und kostete 1663 Dollar. Auch Silber
konnte deutlich um mehr als sechs Prozent auf 32 Dollar je Feinunze zulegen. "Auf dem aktuellen Niveau kaufen die Leute, weil sie davon ausgehen, dass der Kursrutsch der vergangenen Tage nur eine Korrektur war", sagte ein Goldhändler.
Auch Rohstoff-Experte Beck rechnet nicht mit einem dauerhaften Preisrutsch. "Wir glauben weiterhin, dass der Goldpreis langfristig in Richtung 2000 bis 2500 Dollar gehen kann", sagte er. Ein schneller Anstieg bis zum Jahresende auf 2000 Dollar sei aber unwahrscheinlich.
Andere Experten sind optimistischer: "Es wird vielleicht Wochen dauern, um sich vom Kollaps der Edelmetall-Kurse - vor allem bei Gold und Silber - zu erholen", schrieben Analysten der Deutschen Bank. Doch das Festhalten der US-Notenbank an der Niedrigzinspolitik und die europäischen Schuldenrisiken sprächen für einen hohen Goldpreis.
"Anleger machen alles zu Bargeld"
Den Preisrutsch zu Wochenbeginn erklären Experten mit mehreren Faktoren. Investoren hätten sich aus Gold zurückgezogen, um Verluste in anderen Märkten auszugleichen, sagt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. "Anleger machen alles zu Bargeld." Zudem verlangen Börsenbetreiber mehr Sicherheiten von Investoren, wenn sie mit Gold und Silber handeln. Die gestiegenen Kosten hätten einige Anleger abgeschreckt, sagt Fritsch. Auch der stärkere Dollar
macht den Handel mit Gold und Silber weniger attraktiv.
Wer aus Sorge vor Staatspleiten in Gold als ultimative Absicherung investiert habe, der könne seine Bestände halten, sagt Vermögensverwalter Beck. Bei einem Preisrückgang könne es für Anleger sogar interessant sein, häppchenweise Gold zu kaufen. Vorsichtiger müssten spekulative Anleger sein. Mit einem gewissen Risiko könne der aktuelle Preisverfall eine Gelegenheit für kurzfristige Gewinne sein. "Wenn jemand Geld übrig hat und mutig ist, ist der Bereich zwischen 1500 bis 1550 Dollar interessant", sagt Beck. "So richtig unter Druck kommt der Markt erst, wenn der Preis unter 1450 Dollar je Feinunze fällt."
Die enormen Preissteigerungen der vergangenen Monate bei Rohstoffen könnten zu Ende sein, sagt Beck. "Ich glaube, der Superzyklus ist vorbei. Die Märkte werden sich wieder mehr auf Angebot und Nachfrage besinnen." Die Preisschwankungen auf den Rohstoffmärkten seien aber gerade für Privatanleger riskant. Hintergrundwissen und aktives Portfoliomanagement seien gefragt. "Spekulative Anleger werden sich weiter in diesen Märkten tummeln", sagt Beck.
Vor allem bei Rohstoffen wie Öl und Kupfer, die für die Industrie wichtig sind, machen sich konjunkturelle Unsicherheiten schnell bemerkbar. Die Sorge vor einer Rezession und einer sinkenden Nachfrage drückte in den vergangenen Tagen die Preise für Öl und Kupfer. Hinweise, dass der Rettungsschirm EFSF bald massiv ausgeweitet werden könne, macht Investoren Hoffnung auf eine Lösung der Schuldenkrise und ließ die Preise am Dienstag wieder ansteigen.
Trotz Einbrüchen und Rückgängen auf dem Rohstoffmarkt rechnen Experten langfristig bei fast allen Rohstoffen mit steigenden Preisen. Mit zunehmendem Wohlstand in den Schwellenländern wachse die Nachfrage, sagt Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Wenn Investoren wie in den vergangenen Monaten durch niedrige Leitzinsen noch dazu viel Geld übrig hätten, sicherten sie sich durch Rohstoffe gegen Inflationsrisiken ab. Preisausschläge seien die Folge.
Neben Gold kauften Anleger in den vergangenen Monaten verstärkt Silber. Diese Strategie schätzt Anlageexperte Beck als risikoreicher ein. Silber habe zwar den Ruf als "Gold des kleinen Mannes", sei aber industrienäher und damit konjunkturabhängiger. Bei Gold dagegen müsse die Welt "wieder sehr, sehr rosig ausschauen", damit der Preis drastisch fällt. "Ich glaube nicht, dass wir Goldpreise unter der Marke von 1000 Dollar sehen werden", sagt Beck. "Gold als Wahl Nummer eins in Krisen hat einen Sonderstatus."
Mit Material von Reuters
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- Dienstag, 27.09.2011 – 18:26 Uhr
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Anleger beziehen sie am besten über Banken oder Goldhändler wie Euro Change in Berlin, pro aurum in München oder Westgold. Maßeinheit für echtes Gold ist die Feinunze, sie wiegt 31,1 Gramm. Kunden sollten sich von Banken und Händlern ein Angebot inklusive Versandkosten und aller Gebühren erstellen lassen.
Außerdem sollte man das Problem der Lagerung beachten: Denn zuhause ist die vermeintlich sichere Anlage keineswegs vor Dieben geschützt. In den Golddepots der Banken wiederum fallen Gebühren an. In einem Schweizer Hochsicherheitstresor zum Beispiel beträgt die Depotgebühr monatlich 0,025 Prozent des Werts.
Wer Goldaktienfonds kauft, erwirbt Anteile an Goldminen. Aber nicht jede Mine ist eine Goldgrube. So schwanken die Kurse von Goldminenaktien noch stärker als der Goldpreis. Entsprechend hoch bewerten Experten die Chance-Risiko-Klasse von Goldaktienfonds.
Im Jahr 2009 machten manche Goldfonds rund 50 Prozent Verlust. Der Grund: Die Aktien der Minengesellschaften können sich dem allgemeinen Börsentrend nicht entziehen. Geht es an der Börse abwärts, fallen auch diese Aktien - selbst wenn der Goldpreis steigt.
Ein weiterer Nachteil: Das gute Gefühl, einen realen Wertgegenstand in der Hand zu halten, fällt bei Zertifikaten, Fonds und Aktien weg. Und das Beispiel Lehman Brothers hat gezeigt: Sollte die Bank, die die Zertifikate ausgegeben hat, pleite gehen, ist das Papier wertlos.
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