Laptop-Verbot bei der Bahn: Gleich gibt's was mit dem Hammer

Im Zug bei 200 km/h im Internet zu surfen, entspricht so ziemlich Tom Königs Vorstellung vom Paradies. Leider hat er die Rechnung ohne die Deutsche Bahn gemacht: Die pocht auf laptopfreie Zonen und droht bei Zuwiderhandlung sogar mit dem Vorschlaghammer.

Zugreisender mit Laptop: "Viele Kunden fühlen sich durch das Tippgeräusch belästigt" Zur Großansicht
Corbis

Zugreisender mit Laptop: "Viele Kunden fühlen sich durch das Tippgeräusch belästigt"

Viele Jahre galt: Du kannst überall im Internet surfen - nur in der Bahn nicht. Das hat sich erfreulicherweise geändert, zumindest auf einigen ICE-Strecken gibt es inzwischen W-Lan. Mit der Verbindungsqualität ist es zwar ähnlich schlecht bestellt wie mit der Pünktlichkeit, aber immerhin. Man kann nun zum Beispiel auf einer Reise von München nach Köln überall im Zug surfen.

Fast überall.

Nachdem ich im Stehbistro eine Backkartoffel vertilgt habe, setze ich mich an einen der Tische des Bordrestaurants. Das große Essen ist bereits vorbei, nur ein paar Passagiere sitzen dort beim Kaffee und lesen Zeitung. So ein Heißgetränk möchte ich auch, aber statt Holzmedien bevorzuge ich SPIEGEL ONLINE. Deshalb klappe ich mein Laptop auf und klinke mich ins DB-W-Lan ein.

Sofort schießt eine Kellnerin heran. "Das dürfen Sie hier nicht!"

"Äh, bitte?"

"Laptop-Verbot! Steht doch auch da auf dem Schild." Sie zeigt auf eine Hinweistafel über dem Fenster. Als ich die betrachte, bin ich zunächst baff. Es scheint sich tatsächlich um ein Laptop-Verbotsschild zu handeln, und zwar um ein ziemlich drastisches: Zu sehen ist die schematische Darstellung eines Monitors, den gerade ein Vorschlaghammer trifft. Auf dem Display sind Risse zu sehen.

Ich gucke noch einmal genauer hin. Dann muss ich lachen. "Verzeihung, aber das ist die Anleitung zum Scheibe einschlagen. Für Notfälle."

Mit verschränkten Armen wartet die Bahnerin

Sie legt den Kopf schief. "Hmmm, tatsächlich. Laptops sind trotzdem verboten."

"Aber ich würde auch etwas bestellen."

"Können Sie ja. Aber ihr Laptop belegt den ganzen Tisch, das geht nicht."

Ich schaue zu dem Herrn neben mir. Er hat sein komplettes Tischviertel (plus Toleranzraum) mit großformatigen Autozeitschriften vollgemüllt. Eine Dame weiter vorne hat zwei Aktenordner auf ihr Tischchen gewuchtet.

Die Bahnerin steht mit verschränkten Armen neben meinem Platz und wartet.

Ich packe resigniert meinen Laptop ein und bitte um Kaffee. Als die Kellnerin wiederkommt, zwingt sie einen weiteren, neu eingetroffenen Gast, seinen Rechner ebenfalls wegzupacken. "Schwachsinn", murmele ich. "Sie macht doch nur ihren Job", beschwichtigt mich der Automagazin-Mann. "Und so schlimm ist das ja auch nicht."

Nein, schlimm ist es nicht. Aber Schwachsinn ist es schon. Falls jemand mit seinem Laptop stundenlang einen Restaurantplatz okkupierte, könnte ich die Aufregung verstehen. Ähnliches gälte für laute Telefonate. Aber warum ist ein Laptop a priori verdammungswürdig?

Könnte man nicht das Zeitungslesen verbieten?

Ich trinke meinen Kaffee und lese die Nachrichten auf dem Smartphone, wogegen dankenswerterweise niemand einschreitet. Aber die Sache lässt mir keine Ruhe. Deshalb frage ich beim Twitter-Service der Deutschen Bahn nach, ob das Laptop-Verbot eine allgemeine Konzernrichtlinie ist - oder lediglich ein origineller Einfall des örtlichen Zugpersonals.

Die Antwort: "Mit Rücksicht auf andere Reisende wurde die Nutzung von Laptops in der Bordgastronomie verboten." Auch eine Begründung liefert die Bahn mit: "Viele Kunden fühlen sich durch das Tippgeräusch belästigt."

Nun, das leuchtet ein. Dieses laute, maschinengewehrartige Geklacker nervt natürlich, daran hatte ich nicht gedacht.

Die Warteschleife hätte da allerdings einen klitzekleinen Vorschlag zur weiteren Verbesserung der gastronomischen Servicequalität. Könnte man vielleicht noch das Zeitungslesen verbieten? Wegen des blöden Geraschels. Und der Kaffeeverkauf sollte auch unterbunden werden. Denn wenn der Zug ruckelt, dann scheppern die Porzellanbecher immer so auf den Tischen. Und das kann einem wirklich den letzten Nerv rauben.

Hatten auch Sie ein besonderes Serviceerlebnis? Dann schreiben Sie an warteschleife@spiegel.de.

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insgesamt 233 Beiträge
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1. Laptop ist ja auch sowas von 1995!
Philip J. Fry 09.12.2011
Wie? Kein iPad dabei gehabt? Dachte, man reist nicht mehr ohne in der bunten Medienwelt...
2. Ironie
Korken 09.12.2011
Ich kann es irgendwie verstehen. Kann man kein iPad & Co benutzen. Da klackert keine Tastatur und braucht nicht so viel starren Platz.
3. ..
tetaro 09.12.2011
Ich habe in einem Restaurantbereich eigentlich kein Bedürfnis, jemanden neben mir zu haben, der auf einem Arbeitsgerät herumklackert. Insofern ist die Regelung richtig. Vor einer Weile war es ja auch noch tabu, in der Gastronomie ein Handy zu benutzen, was auch heute keinen von den Smartphonezombies mehr interessiert. Kulturverfall eben.
4. Man sind die doof bei der Bahn !
ZiehblankButzemann 09.12.2011
Es ist hier nur die Rede von Laptop-Verbot. Dann nimmt man eben sein Notebook mit oder zieht den Tablet-Computer unter der Bauchfalte hervor. Früher Aufstehen liebe Bahn, und vor allem pünktlichkommen!
5. jenau
flaschenöffner 09.12.2011
Zitat von tetaroIch habe in einem Restaurantbereich eigentlich kein Bedürfnis, jemanden neben mir zu haben, der auf einem Arbeitsgerät herumklackert. Insofern ist die Regelung richtig. Vor einer Weile war es ja auch noch tabu, in der Gastronomie ein Handy zu benutzen, was auch heute keinen von den Smartphonezombies mehr interessiert. Kulturverfall eben.
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König ist Kunde
Tom König leidet mit Ihnen: Er steht Schlange, hängt in der Warteschleife und erlebt jede Woche aufs Neue, was es in Deutschland heißt, Kunde zu sein. Unter dem Pseudonym Tom König berichten wir bei SPIEGEL ONLINE über die schlimmsten Servicedesaster, die unser Autor selbst erlebt hat oder die unseren Lesern widerfahren sind. Haben Sie auch eine Kundendienst-Katastrophe hinter sich? Dann schreiben Sie Tom König: warteschleife@spiegel.de.

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