Laut Greenpeace-Recherche Illegaler Genmais in fünf Bundesländern

Greenpeace spricht vom "größten Gentechnik-Saatgut-Skandal in Deutschland": Nach Recherchen der Umweltschützer soll illegaler Genmais in insgesamt fünf Bundesländern angebaut worden sein. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium habe von der Verunreinigung gewusst, aber zu spät reagiert.

Wo in Deutschland wurde überall illegaler Genmais angebaut?
AP

Wo in Deutschland wurde überall illegaler Genmais angebaut?


Hamburg - Wie verbreitet ist der Anbau von genetisch manipuliertem Mais in Deutschland wirklich? Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen haben es Beamte des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums im Winter versäumt, verunreinigtes Saatgut rechtzeitig zu melden. Die Saat konnte deshalb beim Anbau eingesetzt werden, sie soll für 2000 Hektar Land reichen.

Doch der Anbau soll sich nicht auf Niedersachsen beschränken: Nach Recherchen der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist der Mais von Landwirten in fünf Bundesländern angebaut worden. Das Saatgut ist laut Greenpeace bis zu 0,1 Prozent mit einer Genmais-Sorte verunreinigt, bei deren Verzehr Gesundheitsschäden nicht ausgeschlossen werden könnten. Obwohl das zuständige Landwirtschaftsministerium in Hannover seit Anfang März von der Verunreinigung gewusst habe, sei das Saatgut verkauft und ausgesät worden, teilte Greenpeace am Sonntag in Hamburg mit. "Es handelt sich hier um den bisher größten Gentechnik-Saatgut-Skandal in Deutschland", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Alexander Hissting.

Als "Genmais" wird Mais bezeichnet, dessen Erbgut im Labor verändert wurde. Dabei werden etwa bestimmte Gene aus anderen Organismen eingeschleust, die zum Beispiel die Abwehr von Schädlingen erleichtern sollen.

Die betroffenen Landwirte, die das verunreinigte Saatgut eingesetzt haben, müssen die bereits ausgesäten Maispflanzen zerstören. Dadurch könnte ihnen ein Schaden in Millionenhöhe entstehen.

hpi/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
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fullspeed 06.06.2010
1. Die überwältigende Mehrheit der Menschen...
...ist strikt gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Aber dann macht man es eben heimlich trotz Verbot. Diese Sauerei läßt sich nicht mehr aufhalten - die Krake Monsanto ist stärker.
pulegon 06.06.2010
2. Wie lerne ich richtig abschreiben?
Zitat von sysopGreenpeace spricht vom "größten Gentechnik-Saatgut-Skandal in Deutschland": Nach Recherchen der Umweltschützer soll illegaler Genmais in insgesamt fünf Bundesländern angebaut worden sein. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium habe von der Verunreinigung gewusst, aber zu spät reagiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,699013,00.html
Laut Greenpeace (http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/nachrichten/artikel/greenpeace_deckt_aussaat_von_illegalem_gen_mais_auf/) sind es immernoch 3000 Hektar, nicht 2000. Die Auswertung (http://www.bioland.de/fileadmin/bioland/file/bioland/Startseite/Verzeichnis_Maissaatgutverunreinigung_12.5.2010.pdf) der Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz bei den zuständigen Landesbehörden für das Jahr 2010 bis Mitte Mai zeigt, das es bisher 23 GVO-Verunreinigungen in insgesamt 358 Proben gab (6,4%). Bisher ist dies die einzige Verunreinigung, die es bis aufs Feld geschafft hat. Übrigens ist der Mais an sich nicht (http://www.transgen.de/zulassung/gvo/60.doku.html) illegal, er ist sowohl für die Verwendung in Lebensmitteln, als auch als Futtermittel EU-weit zugelassen. Nur der Anbau ist in Deutschland illegal. Und was die 0,1% angeht...da hat sich Greenpeace ja bereits zu geäußert(Seite 2 rechts unten). (http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/gentechnik/Wie_funktioniert_die_Kennzeichnung_gentechnisch_veraenderter_Leb.pdf) Mit anderen Worten Greenpeace kritisiert eine Verunreinigung, deren Ausmaß sie selbst als Schwellenwert für die Kennzeichnung favorisiert haben. Aber was solls, finden sich ja trotzdem genug Aufreger für diesen unglaublichen Skandal.
Hovac 06.06.2010
3. Bürgerwille?
Gibt es eine Krennzeichnungspflicht auch für damit gefütterte Tiere hat sich das ganz schnell in D erledigt. Fast niemand würde es kaufen. Nur läßt man den Bürger weder abstimmen noch zeigt man es ihm direkt. Ein sinnloser, verzerrender Buchstabe auf Autos kommt dafür. Scheiß Lobbyrepublik.
manda chuva 06.06.2010
4. monsanto muss aufpassen
Zitat von fullspeed...ist strikt gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Aber dann macht man es eben heimlich trotz Verbot. Diese Sauerei läßt sich nicht mehr aufhalten - die Krake Monsanto ist stärker.
na, wer wird denn gleich die fluegel haengen lassen! in brasilien wurden vor ca. 4 jahren die ERSTEN genlabore gestuermt und vernichtet. war, glaube ich, in der naehe von iguassu wer haette das gedacht: haben brasilianer vielleicht doch groessere eier zwischen den beinen(sprich rueckgrat) als die verweichlichten deutschen?
breburda 06.06.2010
5. Genmais
Der Zweck der Genmaiszucht liegt in seiner Resistenz gegen den Maiszünsler. Denn bei einem Befall durch diesen Parasiten geht das Pflanzenwachstum zurück, die Korngröße schrumpft und es kommt zu Ernteverlusten. In den Bt-Mais ist ein Gen des Bazillus thuringensis eingeschleust worden. Durch diese gentechnische Veränderung sollen die braungelben Larven des Maiszünslers bekämpft werden, die in den USA und Europa Maisfelder großflächig schädigen. Genmais der ersten Generation ist seit 1995 auf dem Markt. 2009 besetzte Genmais weltweit eine Anbaufläche von 114 Millionen Hektar. Die weltweiten Anbauflächen von Bt-Mais und Bt-Baumwolle belaufen sich auf 162 Millionen Hektar. Hauptanbaugebiete sind zurzeit die USA, Argentinien, Kanada, Brasilien, China und Südafrika. In den USA werden auf 60 Millionen Hektar genmanipulierte Pflanzen (Genetically Engineered Crops) angebaut. Hierzu gehören insektenresistente Bt-Sorten, herbizidtolerante HT-Sorten und die «Stacked gene varieties», die sowohl eine Insektenresistenz als auch eine Herbizidtoleranz aufweisen. Mittlerweile sind mehr als 100 Patente auf verschiedene gentechnische Varianten der manipulierten Pflanzen angemeldet worden. In den USA wird argumentiert, dass die US-Farmer jährlich 20’000 Tonnen Pflanzenschutzmittel beim Anbau von gentechnisch verändertem Mais, Soja, Raps und Baumwolle sparen. Es wird allerdings berichtet, dass zumindest in zwei Baumwollanbaugebieten der USA, in Mississippi und Arkansas, die Empfindlichkeit des Baumwollkapselbohrers gegen das Bt-Toxin abnimmt und erste Resistenzen auftreten. Auch bei anderen Genpflanzen müssen wieder Insektizide eingesetzt werden, weil Schädlinge resistent werden. Unerwarteten genetischen Effekten, die beim Anbau dieser neuen genmanipulierten Pflanzen auftreten können, wurde keine besondere Bedeutung beigemessen, da man vermutete, dass die gleichen Effekte auch bei normaler Hybridzucht vorhanden wären. So wurden die GMO-Sorten nicht besonders gekennzeichnet und Toxizitätsstudien, die normalerweise beim Einsatz von Pestiziden vorgenommen werden müssen, fanden nicht statt. Nach wie vor herrscht eine große Unkenntnis über mögliche Auswirkungen, die GE-Mais auf die Gesundheit des Konsumenten hat. Die gentechnische Pflanzen-Innovation schädigt gemäß einiger Studien nicht nur das Bodenleben (Bt-Toxin-Anreicherung in Pflanzen und Böden, Nitratanreicherung im Grundwasser wegen notwendiger höherer Stickstoffdüngung, erhöhter Wasserverbrauch) und beinahe alle Insektenarten (Bienen), sondern auch Säugetiere. In Deutschland und in den USA wird immer häufiger über ein mysteriöses Bienensterben berichtet. Fast 70% der Bienenpopulation wurden vernichtet.
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