Irreführende Werbung Behörde beanstandet 15 Kindermilchgetränke

Die Hersteller sogenannter Kindermilch geraten unter Druck. Nachdem die Lebensmittelaufsicht schon vor Wochen Unterlassungsbescheide an zwei Hersteller verschickt hat, will die Behörde nun 13 weitere Produkte beanstanden. Die Getränke seien nicht so nützlich wie behauptet.


Hamburg - Viele spezielle Milchgetränke für Kleinkinder halten nicht, was sie versprechen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit prüfte insgesamt 15 solcher Getränke - und beanstandete alle. Das geht aus einem Bericht der Bundesregierung über das noch laufende Prüfverfahren hervor, wie am Freitag die Nachrichtenagentur AFP und die "Saarbrücker Zeitung" berichteten. Die Behörde kommt demnach zu dem Schluss, "dass die angezeigten Milchgetränke nicht den besonderen Ernährungsanforderungen von Kleinkindern entsprechen".

SPIEGEL ONLINE hatte bereits Ende Juni berichtet, dass die Lebensmittelaufsicht zwei Unterlassungsbescheide an die Firmen Danone und Nestlé verschickt hatte, in dem sie die Unternehmen aufforderte, die Getränke vom Markt zu nehmen oder anders zu bewerben.

Nun sollen laut den aktuellen Berichten auch die übrigen Hersteller Unterlassungsbescheide erhalten. Die Getränke seien trotzdem sichere Lebensmittel - nur eben nicht für Kinder geeignet, hieß es in dem Bericht, den das Bundesverbraucherschutzministerium an den Ernährungsausschuss des Bundestages versandte.

Die mit Vitaminen angereicherten Produkte sind laut Verbraucherschützern keineswegs besser als Kuhmilch, aber bis zu viermal so teuer. Im Wesentlichen bestehen sie aus Pulver, das auf Basis von Magermilch mit Zutaten wie Maltodextrin als Füllstoff, pflanzlichem Öl, Zusatzstoffen und Aroma zusammengemischt würde. Einige Produkte würden zudem mit hohem Kalciumgehalt beworben, obwohl dieser um ein Drittel geringer sei als bei Kuhmilch.

Die betroffenen Hersteller haben die Möglichkeit, der Prüfung der Behörde zu widersprechen. Lehnt diese die Widersprüche ab, können die Unternehmen noch dagegen klagen.

Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, kritisierte, die Prüfung der Behörde belege, dass es den "versprochenen zusätzlichen Gesundheitsnutzen" von Kleinkindermilch nicht gebe. "Kein Kind braucht Kindermilch", sagte sie der "Saarbrücker Zeitung". Die grüne Verbraucherexpertin Nicole Maisch warf den Herstellern in der Zeitung vor, Eltern doppelt in die Irre zu führen, "indem sie ihre Produkte als vermeintlich gesund und viel zu teuer vermarkten".

stk/AFP

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insgesamt 23 Beiträge
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Indigo76 13.07.2012
1. Es wäre so einfach
Zitat von sysopDie Hersteller sogenannter Kindermilch geraten unter Druck. Nachdem die Lebensmittelaufsicht schon vor Wochen Unterlassungsbescheide an zwei Hersteller verschickt hat, will die Behörde nun 13 weitere Produkte beanstanden. Die Getränke seien nicht so nützlich wie behauptet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,844317,00.html
Man müsste doch nur gesetzlich festlegen, dass jede Firma, sämtliche Behauptungen in ihren Werbungen auch lückenlos beweisen können muss.
gaislein 13.07.2012
2. jetzt fehlt nur noch
eine liste der betroffenenen produkte und hersteller.
Gertrud Stamm-Holz 13.07.2012
3. nun
Zitat von Indigo76Man müsste doch nur gesetzlich festlegen, dass jede Firma, sämtliche Behauptungen in ihren Werbungen auch lückenlos beweisen können muss.
Das wäre eine Möglichkeit, was sich aber nicht durchsetzen lässt. Die eigentliche Erkenntnis müsste aber die sein, dass Kinder gar keine besonderen Lebensmittel brauchen. Aufgezuckert und vitaminversetzt hilft nicht, es kostet nur einen Haufen Geld. Da spielt aber der Verbraucher nicht mit und glaubt einfach den Versprechen der Multis. Schade.
sappelkopp 13.07.2012
4. Ist ja nichts Neues...
Zitat von sysopDie Hersteller sogenannter Kindermilch geraten unter Druck. Nachdem die Lebensmittelaufsicht schon vor Wochen Unterlassungsbescheide an zwei Hersteller verschickt hat, will die Behörde nun 13 weitere Produkte beanstanden. Die Getränke seien nicht so nützlich wie behauptet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,844317,00.html
...Werbung ist ja nun mal irreführend, das weiß jeder. Mir fehlt einfach mal eine Liste der betroffenen Produkte.
urban4fun 13.07.2012
5.
Zitat von sysopDie Hersteller sogenannter Kindermilch geraten unter Druck. Nachdem die Lebensmittelaufsicht schon vor Wochen Unterlassungsbescheide an zwei Hersteller verschickt hat, will die Behörde nun 13 weitere Produkte beanstanden. Die Getränke seien nicht so nützlich wie behauptet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,844317,00.html
Ich versteh nicht so recht, wieso ich für meine Kinder eine eigene Kindermilch brauche? Die normale 3,8%-Frischmilch tut's doch auch? Und nein, ich meine nicht diese weiße Plürre namens "H-Vollmilch", abgepackt in Tetra-Packs, die nichtmal im Kühlregal stehen.
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