Hygienemängel: Lebensmittelkontrolle rügt jeden vierten Betrieb

Kontrolleure haben in Deutschland 2011 fast 150.000 Lebensmittelbetriebe beanstandet - das ist mehr als ein Viertel. In den meisten Fällen mangelte es an allgemeiner Hygiene. Foodwatch kritisiert, dass die Ergebnisse anonymisiert veröffentlicht werden.

Fotostrecke: Die ekligen Funde der Lebensmittelkontrolleure Fotos
dapd

Berlin - Lebensmittelkontrolleure haben im vergangenen Jahr bei einem Viertel der untersuchten Betriebe Verstöße gegen die Vorschriften festgestellt. Rund 548.000 Nahrungshersteller, Gaststätten und Handwerksbetriebe seien untersucht worden, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit. Dabei habe es bei 27 Prozent der Betriebe Beanstandungen gegeben.

Der größte Teil der Beanstandungen sei auf die allgemeine Betriebshygiene entfallen, teilte das BVL bei der Vorstellung des Jahresberichts der Lebensmittelüberwachung mit. Diese sei bei 53 Prozent der Firmen beanstandet worden. Bei knapp einem Viertel wurden die Regelungen zur Hygiene gerügt. Bei einem weiteren Fünftel gab es Probleme mit Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln.

Von den rund 402.000 Lebensmittelproben seien 2011 fast 52.500 und damit 13,5 Prozent beanstandet worden. Besonders häufig habe es Beanstandungen bei "Lebensmitteln für besondere Ernährungsformen" gegeben (22 Prozent), gefolgt von alkoholischen Getränken außer Wein (19 Prozent), sowie Zuckerwaren und Fleisch, Wild und Geflügel (je 17 Prozent). Bei knapp 51 Prozent seien Kennzeichnung und Aufmachung gerügt worden, bei fast 18 Prozent gab es demnach mikrobiologische Verunreinigungen.

Foodwatch: Verbraucher müssen Schmuddelbetriebe erkennen können

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte, die Beanstandungsquoten der Lebensmittelkontrolleure lägen "Jahr für Jahr im selben, unnötig hohen Bereich". Es würden zwar "in großer Zahl" Hygienemängel entdeckt. Diese würden aber nicht abgestellt, solange die Ergebnisse der Kontrollen den Verbrauchern vorenthalten würden.

Foodwatch forderte die Bundesländer auf, sofort mit einer Veröffentlichung der Kontrollergebnisse zu beginnen. Die Länder könnten dafür Landesgesetze erlassen. Diese könnten etwa auch die Einführung von Hygiene-Ampeln für Gaststätten vorsehen, wie sie von Verbraucherschützern schon lange gefordert werden.

Würden die Kontrollergebnisse - ergänzt um eine Hygienekennzeichnung in den Ampelfarben - in den Eingangsbereichen von Betrieben mit Kundenverkehr ausgehängt, hätten die Kunden "die Möglichkeit, Schmuddelbetriebe zu erkennen", sagte der Vize-Geschäftsführer von Foodwatch, Matthias Wolfschmidt. Gäbe es solche Informationsmöglichkeiten für Verbraucher, würden sich "schon in wenigen Jahren die hygienischen Zustände verbessert haben" und die Beanstandungsquoten der Kontrolleure sinken.

cte/AFP

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Deutschland
kdshp 08.11.2012
Zitat von sysopdapdKontrolleure haben in Deutschland 2011 fast 150.000 Lebensmittelbetriebe beanstandet - das ist mehr als ein Viertel. In den meisten Fällen mangelte es an allgemeiner Hygiene. Foodwatch kritisiert, dass die Ergebnisse anonymisiert veröffentlicht werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/lebensmittelkontrolleure-beanstanden-jeden-vierten-betrieb-a-866098.html
Wen wundert das bei den strafen die diese betriebe zu erwarten haben! Hier hilft nur hartes durchgreifen und wirklich hohe starfen. Wenn die ersten lebenmittelvergifter ins gefängnis wandern würden wäre ganz schnell schluss mit lustig.
2. Ohne es zu wissen
abominog 08.11.2012
habe ich diese situation schon lange geahnt. mir sind in den letzten jahren mehrere lebensmittelhersteller negativ aufgefallen, ein paar davon massiv! ich befürchte, "foodwatch" haben mit ihrer forderung absolut recht, wenigstens die besonders schwarzen schafe gehören an den öffentlichen pranger! es ändert sich sonst nichts und es wird zwangsläufig immer schlimmer werden. also ich habe die nase voll von gammelfleisch, dioxineier, schwarzschimmelbrot, usw - ihr etwa nicht?
3. Ampelanzeige ....
harlikarnassos 08.11.2012
... wäre wirklich wünschenswert. Wozu eigentlich sonst die Kontrollen? Gruß Jochen
4.
nando70 08.11.2012
In anderen Bundesländern weiß ich es nicht, aber in Bayern gibt es eine Liste im Internet, und da kann man nachschauen, in welchem Betrieb es gravierende Mängel gab. Un die örtliche Presse (zumindest hier in Regensburg war es so) greift so etwas dann schnell auf. Ein besseres Druckmittel dürfte es aktuell nicht geben. Hier übrigens der Link: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/ueberwachung/lgl_aufgaben/lebensmittelwarnungen_informationen/lebensmittelinformationen_tabelle.php
5. Nicht rügen, dichtmachen....
zensorsliebling 08.11.2012
Bei hygienischen Mängeln gibt es logischerweise nur eine wirksame Maßnahme: Je nach Umfang 1 Woche bis 3 Monate dichtmachen. Dann kann sich der Geschäftsführer - frei von den Sorgen des täglichen Betriebs - nur um die Behebung der Mängel kümmern. Es kann doch nicht sein, dass in Deutschland gastronomische Betriebe ihre Geschäfte zu Lasten der Gesundheit der Gäste machen dürfen. Oder rechtfertigt bereits das Zahlen von Steuern solche Risiken. Grundsätzlich spräche doch nichts dagegen, die Überwachung schlagkräftiger zu machen, in dem jeder Betrieb zweimal jährlich kostenpflichtig kontrolliert wird. Jeden Autofahrer wird aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen eine fragwürdige TÜV und AU zugemutet, die von vielen Dienstleistern mit staatlicher Lizenz durchgeführt wird. Warum geht das nicht auch im Gastronomiegeschäft? Der Bericht zeigt, dass es höchste Zeit dafür ist.
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