Lebensmittelskandal: Wie der Bio-Pfusch funktioniert

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Das Auffliegen einer italienischen Fälscherbande schreckt die Bio-Branche und ihre Kunden auf. Auch nach Deutschland lieferten die Betrüger als Öko-Ware deklarierte Lebensmittel. Oft helfen Behördenvertreter beim faulen Geschäft - schärfere Kontrollen würden auch die Verbraucher mehr kosten.

Kiwi mit Bio-Siegel: Fälscherskandal verunsichert Verbraucher Zur Großansicht
DPA

Kiwi mit Bio-Siegel: Fälscherskandal verunsichert Verbraucher

Hamburg - Wer Bio-Lebensmittel kauft, tut das häufig wegen des guten Gefühls: Man tut etwas für die Umwelt, für die Tiere und - so glauben es zumindest fast 80 Prozent der Verbraucher - auch etwas für die eigene Gesundheit. Ob das stimmt, ist unter Experten umstritten. Doch selbst wenn nicht: Gammelfleisch, Dioxin-Eier und andere Skandale der konventionellen Herstellung sorgen schon dafür, dass die einstige Nischenbranche Bio boomt.

Umso verheerender für Produzenten und Händler dürfte der Eindruck sein, der sich nach dem jüngsten Lebensmittelskandal aufdrängt: Nicht immer ist dort, wo Bio draufsteht, auch wirklich Bio drin. Eine Fälscherbande aus Italien hat 700.000 Tonnen konventionelle Lebensmittel als Öko-Produkte deklariert. Mehl, Soja und Trockenfrüchte im Wert von 220 Millionen Euro wurden in mehrere europäische Länder verkauft, auch nach Deutschland. Der italienische Markt für Bio-Lebensmittel ist in den vergangenen Jahren auf drei Milliarden Euro Umsatz angewachsen

Vertreter aus der Ökobranche bemühten sich am Mittwoch, den Betrug als Einzelfall darzustellen: Kein Siegel sei so sicher wie das Bio-Siegel, beteuern sie einhellig. Nirgends seien die Kontrollen so scharf wie bei den ökologisch hergestellten Lebensmitteln.

Doch stimmt das wirklich? Verbraucherschützer sind skeptisch. Zwar funktioniere die Aufsicht durch Behörden und private Kontrollstellen im Kern durchaus, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Doch vor allem im Ausland habe das System auch Schwächen. So sei nicht immer gewährleistet, dass die Kontrolleure wirklich unabhängig sind. "Wenn dann der Job davon abhängt, auch mal ein Auge zuzudrücken, sind Fehler nicht zu vermeiden", warnt Schwartau.

Chinesische Behörden machen gemeinsame Sache mit Betrügern

In China berichteten in der vergangenen Woche selbst staatliche Medien über Betrugsfälle: So vergeben manche Behörden Bio-Siegel gegen Bares. Wer ein paar tausend Dollar zahle, bekomme das Zertifikat, ohne die Bedingungen zu erfüllen - sprich auf Pestizide und Gentechnik zu verzichten, weniger Zusatzstoffe zu verwenden und höhere Standards bei der Tierhaltung einzuhalten.

Auch der italienische Verband für Biolebensmittel fordert schärfere Kontrollen. Der Fall zeige die Schwachstellen vor allem bei der Kontrolle importierter Rohstoffe, die für den Anbau von Soja und Gerste verwendet würden, sowie der Kontrolle langer Produktionsketten zum Beispiel für Brot und Nudeln. Die Branche müsse strenger überwacht werden, um die "Infiltration eines expandierenden Sektors durch die Mafia" zu verhindern, so der Verband.

Die Betrügerbande hatte offenbar Helfer in der privaten Kontrollstelle. So wurde auch ein Regional-Direktor der Zertifizierungsstelle verhaftet. Die Bande soll konventionelle Lebensmittel gekauft haben, als "biologisch" deklariert haben, um das europäische Siegel zu erhalten. Dieses Label mit weißen Sternen auf grünem Grund gibt es seit knapp drei Jahren, das sechseckige deutsche Siegel darf aber parallel weiter verwendet werden.

"Das beste Kontrollsystem kann nicht verhindern, dass eine kriminelle Bande aktiv wird", sagt Alexander Gerber vom Bund Ökologische Landwirtschaft. "Aber es kann ihr - wie in diesem Fall - das Handwerk legen." Deshalb sei die Gefahr "äußerst gering", dass der deutsche Verbraucher bei einem Kauf fälschlicherweise deklarierte Bio-Produkte kaufe. Gerber geht davon aus, dass die Betrugsfälle unter ein Prozent des Gesamtumsatzes mit Bio-Produkten ausmachen.

Doch wie steht es nun wirklich um die Qualität der Kontrollen in der Europäischen Union? Stephan Dabbert von der Universität Hohenheim arbeitet derzeit an einer Studie, die genau das herausfinden soll. Die Ergebnisse würden zwar erst in vier Wochen veröffentlicht, sagt Dabbert. Doch klar sei schon jetzt: "Das System funktioniert generell, aber es gibt Schwächen." So plädiert Dabbert dafür, die Kontrollen in Risikobetrieben zu erhöhen. Dies seien zum Beispiel Unternehmen, die schon einmal negativ aufgefallen seien. Aber auch solche, die sowohl konventionelle wie auch Bio-Produkte herstellen.

Das perfekte Kontrollsystem wäre zu teuer

Manche Kontrollstellen und Behörden würden dies bereits so handhaben, sagt Dabbert. Aber eben europaweit nicht alle. Mit Blick auf den Fall in Italien empfiehlt der Agrarökonom zudem, Betriebe besonders stark unter die Lupe zu nehmen, die einen großen Marktschaden anrichten können. "Also Unternehmen, die entweder besonders viele Lebensmittel selbst produzieren oder eine große Zahl von Herstellern beliefern - zum Beispiel mit Futtermitteln."

Ganz verhindern werde man Betrugsfälle aber auch so nicht, glaubt Dabbert. "Ein perfektes Kontrollsystem macht aber auch keinen Sinn. Die Kosten dafür wären viel zu hoch." Was er meint: Am Ende würde der Verbraucher das durch höhere Preise zu spüren bekommen - und sich im Zweifel keine Bio-Produkte mehr leisten können.

Mit Material von AFP

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insgesamt 153 Beiträge
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    Seite 1    
1. welches Öko-Label?
marteng57 07.12.2011
Zitat von sysopDas Auffliegen einer italienischen Fälscherbande schreckt die Bio-Branche*und ihre Kunden auf. Auch nach Deutschland lieferten die Betrüger*als Öko-Ware deklarierte Lebensmittel.*Oft helfen Behördenvertreter beim*faulen Geschäft - schärfere Kontrollen würden auch die Verbraucher mehr kosten. Lebensmittelskandal: Wie der Bio-Pfusch funktioniert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,802245,00.html)
Leider wird auch in diesem Artikel nur vom Bio Label gesprochen. Dabei gibt es doch erhebliche Unterschiede. Neben dem EU Label existieren ja auch Markenlabel wie Bioland Demeter etc, deren Kontrollsysteme wesentlich weter enwickelt sind. Hilfreich wäre die Unterschiede zu erläutern und nicht pauschal von Bio zu sprechen.
2. Kommentar
ja-sowieso 07.12.2011
Zitat von sysopAm Ende würde der Verbraucher das durch höhere Preise zu spüren bekommen - und sich im Zweifel keine Bio-Produkte mehr leisten können. Lebensmittelskandal: Wie der Bio-Pfusch funktioniert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,802245,00.html)
Ja, das wäre wirklich schade. Dann lieber gefälschte Lebensmittel, hauptsache billig, und der Verbraucher KANN sich Bio-Produkte leisten.
3. Wen wundert es?
abita 07.12.2011
Zitat von sysopDas Auffliegen einer italienischen Fälscherbande schreckt die Bio-Branche*und ihre Kunden auf. Auch nach Deutschland lieferten die Betrüger*als Öko-Ware deklarierte Lebensmittel.*Oft helfen Behördenvertreter beim*faulen Geschäft - schärfere Kontrollen würden auch die Verbraucher mehr kosten. Lebensmittelskandal: Wie der Bio-Pfusch funktioniert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,802245,00.html)
Soviel Bio-Produkte - allein hier in Deutschland - kann es gar nicht geben. Die Mogelei ist groß. Aber auch wir sollten nicht mit den Fingern aufs Ausland zeigen. Die hausgemachten Lebensmittelskandale sprechen für sich. Kontrolle? Ach nee, muss erst abgestimmt werden - mit EU oder Bundesländern (Ilse Aigner). Die Strafen für ertappte Panscher sind lächerlich. Die Lebensmittellobby lässt grüssen.
4. Und ich habe mich gewundert ...
sttn 07.12.2011
Und ich habe mich gewundert wo plötzlich die vielen Bio-Produkte hergekommen sind. Ich bin mir sicher es gibt viel mehr die Betrügen.
5.
capmidi 07.12.2011
Zitat von sysopDas Auffliegen einer italienischen Fälscherbande schreckt die Bio-Branche*und ihre Kunden auf. Auch nach Deutschland lieferten die Betrüger*als Öko-Ware deklarierte Lebensmittel.*Oft helfen Behördenvertreter beim*faulen Geschäft - schärfere Kontrollen würden auch die Verbraucher mehr kosten. Lebensmittelskandal: Wie der Bio-Pfusch funktioniert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,802245,00.html)
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