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Niedrige Renditen: Garantiezins bei Lebensversicherungen in Gefahr

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Menschenmenge in Köln: Im Schnitt hat jeder Deutsche eine Lebensversicherung

Im Schnitt hat jeder Deutsche eine Lebensversicherung: Auf sinkende Zinsen haben sich die Kunden längst eingestellt. Doch es könnte noch schlimmer kommen, warnen Experten: Bei einigen Anbietern ist selbst die Garantieverzinsung gefährdet.

Hamburg - Adventszeit ist Werbezeit - auch bei den Anbietern von Lebensversicherungen. "Jetzt noch schnell 1,75 Prozent Garantiezins sichern", rufen sie den potenziellen Kunden zu. Schließlich sinkt der Satz schon im Januar auf 1,25 Prozent. In Zeiten, in denen Anleger Angst vor Minuszinsen auf Sparkonten haben müssen, klingt das für viele nach einem guten Angebot.

Es ist noch nicht lange her, da warben die Versicherer noch mit ganz anderen Zahlen: Im Jahr 2000 etwa lag die laufende Verzinsung der deutschen Lebensversicherer noch bei mehr als sieben Prozent. Vier Prozent waren garantiert, drei gab es als Überschussbeteiligung obendrauf.

Von solchen Traumrenditen haben sich die deutschen Sparer längst verabschiedet. Dass die Überschussbeteiligung Jahr für Jahr sinkt, ist für sie schon zum Normalfall geworden. Am Mittwoch etwa meldete die Allianz Chart zeigen, dass die laufende Verzinsung im kommenden Jahr von 3,6 auf 3,4 Prozent fallen werde. Umso fester klammern sich die Kunden an das, was ihnen laut Police garantiert wird.

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Doch wie sicher ist diese Garantie eigentlich? Die Versicherer legen das Geld der Kunden am Finanzmarkt an - zum größten Teil in Zinspapieren. Weil diese angesichts der dauerhaften Niedrigzinsen aber kaum mehr etwas abwerfen, fällt es vielen Versicherern immer schwerer, die Renditen zu erwirtschaften, die sie ihren Kunden einmal versprochen haben. Lediglich die alten, zu Hochzinszeiten gekauften Papiere bringen noch ordentliche Renditen. Doch auch diese Anlagen laufen irgendwann aus.

Die ersten Versicherungsmanager schlagen bereits Alarm. Sie fürchten, dass nicht alle Unternehmen in der Branche eine anhaltende Niedrigzinsphase überstehen werden - ähnlich wie in Japan, wo Anfang des Jahrtausends mehr als ein halbes Dutzend Anbieter pleitegingen, weil sie ihre Zinsversprechen nicht einhalten konnten.

"Die Schäden werden immer gravierender"

"Wenn die Niedrigzinsphase länger anhält, droht die Gefahr, dass wir japanische Verhältnisse bekommen und einzelne Lebensversicherer ihre Garantiezinsen nicht mehr erfüllen können", sagte der Chef des Versicherungskonzerns Continentale, Helmut Posch, SPIEGEL ONLINE. Er will das ausdrücklich nicht auf sein eigenes Unternehmen bezogen wissen.

Die Versicherungsbranche sieht vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) in der Verantwortung. Sie hat im Zuge der europäischen Wirtschaftskrise den Leitzins, zu dem sich Banken bei ihr Geld leihen können, fast bis auf Null gesenkt - und gibt so das Zinsniveau für den Finanzmarkt vor. Eigentlich soll diese Politik die Unternehmen ermuntern, Kredite aufzunehmen und zu investieren. Doch sie sorgt auch dafür, dass die europäischen Sparer kaum mehr Rendite für ihr Geld bekommen.

"Die negativen Folgen der Notenbankpolitik werden immer gravierender", sagt Nikolaus vom Bomhard, Vorstandschef des Versicherungskonzerns Munich Re, zu dem auch die Ergo-Versicherung gehört. Aktuell sieht er zwar "keine unmittelbare Gefahr" für die deutschen Lebensversicherer. Die anhaltend niedrigen Zinsen wirkten aber wie ein schleichendes Gift. Lebensversicherer als langfristige Anleger könnten ein solches Umfeld viele Jahre überbrücken, sagte von Bomhard. "Sollte es dann für einzelne Unternehmen tatsächlich eng werden, stehen der Aufsicht eine ganze Reihe von Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung."

Wie eng es für einige Unternehmen werden könnte, zeigen auch die Ergebnisse des europaweiten Stresstests, den die Aufsichtsbehörde Eiopa am Sonntagabend veröffentlicht hat. Demnach könnte jeder vierte Versicherer Probleme bekommen, wenn die Niedrigzinsphase noch acht bis elf Jahre anhält. Besonders betroffen seien jene Staaten, in denen die Zusagen an die Kunden weit länger in die Zukunft reichten als die Laufzeiten der Kapitalanlagen - eine treffende Beschreibung für die Situation in Deutschland.

"Die Niedrigzinsen sind nicht vom Himmel gefallen"

Experten sehen die Schuld nicht nur bei den niedrigen Zinsen der Notenbanken. "In manchen Unternehmen sind Fehler gemacht worden, die dazu führen könnten, dass diese Versicherer bei Anhalten der Niedrigzinsphase in Probleme kommen", sagt Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. So hätten einige Versicherer lange zu hohe Zinsen garantiert, um am Markt mithalten zu können. Zudem habe auch die Finanzaufsicht erst zu spät eingegriffen und diese Unternehmen gezwungen, Sicherheitspuffer aufzubauen. "Die Niedrigzinsen sind ja nicht plötzlich vom Himmel gefallen", sagt Schick.

Tatsächlich verlangt die deutsche Versicherungsaufsicht BaFin erst seit 2011 zusätzliche Puffer von den Versicherern, die sogenannte Zinszusatzreserve. Bisher musste die Branche dafür gut 20 Milliarden Euro zurücklegen. Zudem dringen die Aufseher mittlerweile darauf, die lebenslangen Garantien bei Neuverträgen abzuschaffen. Doch selbst wenn sie damit Erfolg haben sollten: Für die Altverträge kommt die Initiative zu spät.

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insgesamt 256 Beiträge
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1.
derigel3000 03.12.2014
Ist doch ganz einfach: Die Versicherung geht mit dem Versicherten einen Vertrag ein. Darin sind u.a. auch die Garantiezinsen festgelegt. Hält sich die Versicherung aus irgendwelchen Gründen nicht an den Vertrag, wird er null und nichtig und alles eingezahlte Geld des Versicherten muss kurzfristüg zurückgezahlt werden. Verträge sind in beide Richtungen bindend, nicht nur in die desjenigen mit mehr Kohle!
2.
utfcmac 03.12.2014
wer jetzt noch eine kapitallebensversicherung abschliesst, der sollte lieber mal zum arzt gehen...
3. Was ? Wie bitte ?
usmc-patrol 03.12.2014
Wichtig ist doch vor Allem, so lange der Profit der Versicherungs Co's nicht in Gefahr ist, darf die Geld-Druckmaschine nicht angehalten werden bei der EZB. Von Pleite der Allianz habe ich noch nichts gehört.
4. Immer mehr zeigt sich
Bondurant 03.12.2014
was für eine wunderbare Idee der EURO war.
5. Kein Abschluß mehr.....
robbyy 03.12.2014
..... werd ich meinen Kindern empfehlen. Sie sollen ihr Geld verleben......
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