München - Den Schritt hatte das Finanzministerium bereits seit längerem geplant: Zum 1. Januar 2012 soll der Garantiezins für Lebensversicherungen von derzeit 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent sinken. Damit werden Neuverträge der Kapitallebensversicherung ab dem kommenden Jahr unattraktiver. Die Absenkung erfolge wegen der "andauernden Niedrigzinsphase", erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums. Die Senkung sei im Interesse der Verbraucher.
Mit einem niedrigeren maximalen Garantiezins kann verhindert werden, dass Versicherer im Werben um Kunden zu hohe Zinsen anbieten, die sie in den Folgejahren nicht zahlen können. Im Gespräch war zuvor auch, den Garantiezins schon ab Juli dieses Jahres abzusenken.
Die Verzinsung von Lebensversicherungen setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen: dem Garantiezins, der Überschussbeteiligung und dem Schlussüberschuss. Während der Garantiezins offiziell festgelegt wird, ist die Höhe der Überschussbeteiligung variabel. Sie ist die wichtigste Größe für die Kunden und gibt an, wie der Sparanteil der Lebens- oder Rentenversicherung im laufenden Jahr verzinst wird. Die Kennziffer wird von den Versicherern jährlich neu festgelegt. Momentan liegt die Gesamtverzinsung in der Lebensversicherung - einschließlich der Schlussüberschüsse - bei rund 4,8 Prozent.
Ministerium folgte nicht dem Rat der Versicherungsmathematiker
Hintergrund für die Absenkung des Garantiezinses sind die Probleme vor allem kleinerer Anbieter, am Kapitalmarkt eine ausreichend hohe Rendite einzufahren. Damit sind die langfristigen Versprechen an die Kunden in Gefahr. "Wir hatten uns für eine moderate Anpassung des Höchstrechnungszinses auf 2,0 Prozent ausgesprochen", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. Der GDV argumentierte, dass die Zinsen zuletzt wieder gestiegen seien und der Konjunkturaufschwung eine weitere Normalisierung erwarten lasse.
Auch die Versicherungsmathematiker aus der Branche hatten eine Senkung auf 2,0 Prozent für ausreichend gehalten. Das Ministerium argumentiert, in diesem Fall hätte eine zweimalige Senkung binnen kurzer Zeit gedroht, die einen unnötig hohen Aufwand zur Folge gehabt hätte. Kritiker warnen, mit dem nun verkündeten Zinssatz werde das Neugeschäft für die Versicherer schwieriger. Sie könnten damit ihren Kunden künftig über die Laufzeit der Verträge kaum noch mehr als einen Inflationsausgleich bieten.
Der Branchenverband betonte, nur Neuabschlüsse ab 2012 seien von der Senkung betroffen. Für laufende Verträge, die oft noch mit deutlich höheren Renditen lockten, ändere sich nichts. Der Garantiezins liegt seit 2007 bei 2,25 Prozent, für Verträge, die von 1994 bis 1999 abgeschlossen wurden, hatte er noch 4,0 Prozent betragen. Diese hohen Versprechungen belasten heute die Versicherer. In den vergangenen Jahren sank die Verzinsung der Lebensversicherungen deutlich.
mmq/Reuters/dpa
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