Kündigen oder nicht Was mache ich mit meiner alten Lebensversicherung?

Überlegen Sie, Ihre Lebensversicherung zu kündigen? Handeln Sie nicht voreilig. Es gibt oft bessere Wege, aus einem Vertrag herauszukommen - inklusive einer üppigen Nachzahlung des Versicherers.

Verbraucherzentrale Mainz
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Verbraucherzentrale Mainz

Eine Kolumne von


Mehr als hundert Millionen Lebens- und Rentenversicherungen haben Kunden hierzulande in den vergangenen Jahrzehnten abgeschlossen, Millionen Menschen hofften auf eine gute zusätzliche Rente. Doch oft zeigte sich später, dass die Verträge nicht passten. Viele Kunden haben diese teilweise Jahrzehnte laufenden Verträge irgendwo in der Mitte der Laufzeit wieder gekündigt. Allein im Jahr 2015 stornierten knapp drei Prozent der Versicherten ihren Vertrag vorzeitig. Bleibt diese Rate auch in der Zukunft so hoch, sind nach 25 Jahren weniger als die Hälfte aller Kunden mit Vertrag übrig.

Ein Anlass zum Ärgern bietet sich auch aktuell für viele Kunden: Die Unternehmen Allianz, Axa und Zurich (der Versicherungspartner der Deutschen Bank) wollen Hunderttausenden Kunden (700.000 allein bei der Allianz) mit Fondspolicen und Indexpolicen aus den Jahren 2001 bis 2011 bei gleichem Sparergebnis künftig deutlich weniger Rente garantieren. Die Briefe an die Kunden sind schon fertig .

Die Verzinsung solcher Verträge in der Rentenphase soll nur noch 1,75 Prozent statt vorher bis zu 2,75 Prozent betragen. Wer also beabsichtigt hatte, aus der Fondspolice eine monatliche Rente zu machen, bekommt ab März 2017 bei der Allianz jeden Monat bis zu 14 Prozent weniger Geld garantiert, bei der Zurich sogar bis zu 25 Prozent weniger. Von solch möglichen Einschnitten ist beim Verkauf der Versicherungen oft kaum gesprochen worden. Die Allianz behauptet nun, die Verzinsung in der Rentenzeit sei nur avisiert, aber nicht versprochen worden. Kunden, die sich auch so an ihre Gespräche erinnern, können mir gerne schreiben.

Auch Kunden anderer Versicherer fragen sich Anfang 2017 wieder einmal, ob sie nicht kündigen sollten. Das aber wäre ein Fehler: Es gibt bessere Wege, aus einer Lebensversicherung herauszukommen, wenn man es denn will.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Oft lieber widersprechen: Viele Versicherungsunternehmen haben in den vergangenen Jahrzehnten Fehler beim Verkauf ihrer Policen gemacht - insbesondere in den Jahren von 1994 bis 2007. Sie hatten ihre Kunden nicht richtig belehrt über deren 14-tägiges beziehungsweise 30-tägiges Recht zum Widerspruch und Rückzug vom Vertrag. Diese Fehler eröffnen nach einer Reihe von Urteilen des Bundesgerichtshofes einem Großteil der Kunden die Chance, die Verträge auf ewig rückabzuwickeln, solange die Versicherer nicht nachträglich richtig belehren.

Die Konzerne dürfen im Fall der Rückabwicklung zwar erbrachte Versicherungsleistungen abziehen, müssen aber das damals eingezahlte Geld sehr ordentlich verzinsen. In vielen Fällen kommt deshalb durch einen nachträglichen Widerspruch deutlich mehr Geld herein, als die Verträge aktuell vorsehen. Die Verbraucherzentrale Hamburg und eine Reihe von Anwaltskanzleien bieten inzwischen Rechner an, mit denen man abschätzen kann, wie groß der finanzielle Vorteil sein könnte.

Die Fondspolicen der Allianz und der Zurich aus dem Zeitraum 2001 bis 2011 gelten allerdings als rechtlich eher sauber. Es ist also schwer, diesen Verträgen zu widersprechen.

Viele können ihre Verträge rückabwickeln

Für viele Kunden anderer Lebensversicherer kann sich ein Widerspruch alter Verträge dagegen lohnen. Vorher sollten sie aber zwei Fragen klären:

Erstens: Ist das wirtschaftlich wirklich vernünftig?
Zweitens: Wie einfach ist das wirklich, wie hoch ist das rechtliche Risiko?

Hier meine wirtschaftlichen Grundregeln:

  • Klassischen alten Verträgen - also solche ohne Fonds - sollte man weder widersprechen noch sie kündigen. Neue Verträge dieser Art sollte man gar erst nicht abschließen. Dahinter steht die Ökonomie der Verträge. Zu den alten Verträgen gehört oft eine hohe garantierte Verzinsung von bis zu vier Prozent auf das schon angesparte Kapital. Der Garantiezins gilt zwar nicht auf alles, was ich einzahle, aber doch immerhin für das, was schon auf meinem Vertrag als Guthaben eingezahlt ist. Verträge, die bis 2004 begonnen wurden, sind zudem in der Auszahlung steuerfrei. Wenn der Vertrag aus dem Jahr 1999 noch einige Jahre läuft, kassiere ich dort auf mein Erspartes Jahr für Jahr vier Prozent Zinsen.
  • Auch fondsgestützte alte Verträge aus den Jahren bis 2004 sollte man eher nicht widerrufen - wegen der Steuervorteile. Künftige Fondsrenditen sind dort noch steuerfrei. Von neueren Verträgen kann man womöglich zurücktreten und abkassieren. Wenn man sie weiterführt, sollte man die Auszahlung als Rente nur wählen, sofern man das Geld aus dem Vertrag im Ruhestand wirklich monatlich braucht. Ansonsten ist eine Einmalauszahlung des Kapitals sinnvoller. Die aktuellen Kürzungspläne von Allianz und Zurich stärken dieses Argument eher noch.
  • Lebens- und Rentenversicherungen, in denen eine Berufsunfähigkeitsversicherung eingeschlossen ist, sollte man ebenfalls vorsichtig behandeln. Vielleicht kann man den Schutz der Berufsunfähigkeitsversicherung im Alter noch gut gebrauchen.

All diese Verträge kann man mit den Rechnern allerdings mal auf Risiko und Chance prüfen. So weit zur Vorsicht.

Nachschlag statt Abschlag

Es gibt aber Millionen von Verträgen, bei denen braucht man nicht mehr vorsichtig zu sein - die Rechnung ist dort ganz einfach: Das sind nämlich die Verträge, die Versicherte bereits gekündigt haben. Juristisch haben auch diese Kunden noch das Recht, ihren bereits gekündigten Vertrag nachträglich zu widerrufen. So kurios das klingt.

Künftige Zinsgewinne und künftiger Schutz sind nach der Kündigung nicht mehr zu erwarten. Sind die Verträge aber damals fehlerhaft verkauft worden, können Kunden nun vom Versicherer einen Nachschlag einfordern. Da sind schnell einige Tausend Euro drin.

Kramen Sie also die Unterlagen zu Ihrem alten Lebens- und Rentenversicherungsvertrag wieder heraus. Nutzen Sie die kostenlosen Rechner der Verbraucherzentrale oder der Anwaltskanzleien. Ergibt sich - wie sehr oft - ein zusätzlicher Ertrag von einigen Tausend Euro, beauftragen Sie die Verbraucherzentrale oder Ihren Anwalt, Ihre rechtliche Situation zu prüfen. Ist auch hier das Ergebnis positiv, fordern Sie den Versicherer per Musterschreiben zur Nachzahlung auf und setzen die Nachzahlung notfalls mit anwaltlicher Hilfe durch.

Keine Angst vorm Streit. Verbraucherzentralen und Kanzleien freuen sich bei guten Erfolgsaussichten auf die Auseinandersetzung mit den Versicherern. Und auch der Ombudsmann der Versicherungswirtschaft hilft weiter. Er hat in zahlreichen Fällen bereits entschieden, dass Verträge rückabgewickelt werden können.



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Seite 1
der_seher59 07.01.2017
1. und dann nehmen wir das Geld
und bringen es schön brav zur Bank. Wie, da gibt es noch weniger ? Und meine Familie bekäme kein Geld, wenn ich morgen den Löffel abgebe ? Das ist aber jetzt doof. Na gut, kaufen wir halt Aktien . Wie, da besteht auch ein Verlustrisiko ? Warum gibt es noch kein Gesetz in Deutschland, daß den Doofen und Faulen eine ordentliche Rendite beschwert, ohne den A...sch zu bewegen oder das Hirn zu benutzen. Menno.....
bbär 07.01.2017
2. Dieser Beitrag ist völlig ohne Aussagekraft und kann weg!
Zitat von der_seher59und bringen es schön brav zur Bank. Wie, da gibt es noch weniger ? Und meine Familie bekäme kein Geld, wenn ich morgen den Löffel abgebe ? Das ist aber jetzt doof. Na gut, kaufen wir halt Aktien . Wie, da besteht auch ein Verlustrisiko ? Warum gibt es noch kein Gesetz in Deutschland, daß den Doofen und Faulen eine ordentliche Rendite beschwert, ohne den A...sch zu bewegen oder das Hirn zu benutzen. Menno.....
Gibt es irgendwas, was Sie uns mitteilen wollen? Oder hatten Sie nur gerade etwas Zeit?
franke2010 07.01.2017
3. was soll diese Anmerkung?
Zitat von der_seher59und bringen es schön brav zur Bank. Wie, da gibt es noch weniger ? Und meine Familie bekäme kein Geld, wenn ich morgen den Löffel abgebe ? Das ist aber jetzt doof. Na gut, kaufen wir halt Aktien . Wie, da besteht auch ein Verlustrisiko ? Warum gibt es noch kein Gesetz in Deutschland, daß den Doofen und Faulen eine ordentliche Rendite beschwert, ohne den A...sch zu bewegen oder das Hirn zu benutzen. Menno.....
Hallo Seher was soll deine Anmerkung? Ich verstehe nicht was du meinst bzw. was du als schlussfolgerung sagen möchtest. das es auf erspartes kein Geld mehr gibt ist allen bekannt. somit ist dieser artikel hilfreich über seine versicherungen nachzudenken. was dies aber mit den Faulen und Doofen bzw. mit dem A..sch zu tun hat leuchtet mir nicht ganz ein. Sorry!
franke2010 07.01.2017
4. was soll diese Anmerkung?
Hallo Seher was soll deine Anmerkung? Ich verstehe nicht was du meinst bzw. was du als schlussfolgerung sagen möchtest. das es auf erspartes kein Geld mehr gibt ist allen bekannt. somit ist dieser artikel hilfreich über seine versicherungen nachzudenken. was dies aber mit den Faulen und Doofen bzw. mit dem A..sch zu tun hat leuchtet mir nicht ganz ein. Sorry!
der_weisse_wal 07.01.2017
5.
Zitat von der_seher59und bringen es schön brav zur Bank. Wie, da gibt es noch weniger ? Und meine Familie bekäme kein Geld, wenn ich morgen den Löffel abgebe ? Das ist aber jetzt doof. Na gut, kaufen wir halt Aktien . Wie, da besteht auch ein Verlustrisiko ? Warum gibt es noch kein Gesetz in Deutschland, daß den Doofen und Faulen eine ordentliche Rendite beschwert, ohne den A...sch zu bewegen oder das Hirn zu benutzen. Menno.....
Es gibt Tabletten, die gegen diese Stimmungsschwankungen helfen. Haben Sie außer Beleidigungen auch substanzielle Tipps für die Doofen und Faulen, was die Rentenvorsorge betrifft?
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