Pleite von Lehman Brothers: Erste Opfer erhalten Entschädigungsschecks
Mehr als dreieinhalb Jahre nach der folgenschweren Pleite der US-Bank Lehman Brothers haben die ersten deutschen Gläubiger Schecks mit Entschädigungszahlungen erhalten. Das Problem: Die meisten von ihnen dürfen das Geld nicht behalten.
Hamburg - Für die 50.000 deutschen Lehman-Opfer ist es zumindest ein kleines Trostpflaster: Die ersten von ihnen haben am Montag Post von der pleitegegangenen US-Investmentbank erhalten. Inhalt des Briefs: ein Scheck mit der Entschädigungszahlung.
Die Briefe enthielten keine detaillierte Berechnung, sagte der Frankfurter Rechtsanwalt Matthias Schröder SPIEGEL ONLINE. Es werde lediglich mitgeteilt, dass 17 Prozent der festgestellten Forderungen gezahlt würden.
Schröder vertritt rund hundert deutsche Lehman-Opfer, die vor der Pleite über ihre deutschen Hausbanken sogenannte Zertifikate oder Inhaberschuldverschreibungen erworben hatten. Der erste Mandant habe seinen Brief am Montag erhalten. Der Anleger aus Frankfurt am Main hatte vor fünf Jahren 21 Lehman-Zertifikate für 21.000 Euro erworben. Davon soll er laut Schröder nun 2889 Euro zurückbekommen, knapp 14 Prozent des Nominalbetrags. Wie die Differenz zu denen im Brief erwähnten 17 Prozent zustande kommt, ist laut Schröder noch unklar. "Da gibt es noch Erklärungsbedarf."
Sein Mandant aus Frankfurt darf das Geld allerdings nicht behalten. Er muss dies Summe erst mal an die Bank abtreten, die ihm das Papier verkauft hatte und mit der er im Rechtsstreit liegt. Viele der Geschädigten haben Teilentschädigungen ihre Banken angenommen und müssen das Geld von Lehman nun ebenfalls abgeben. So hatte etwa die Frankfurter Sparkasse ihren rund 5000 Kunden mit Lehman-Papieren 50 Prozent des angelegten Betrags erstattet.
Die Lehman-Pleite hatte im September 2008 die Finanzmärkte erschüttert. Ihre Folgen sind noch heute in der Staatsschuldenkrise zu spüren. Im März 2012 hatte Lehman offiziell sein Insolvenzverfahren beendet. Ein neues Management kümmert sich nun um die Entschädigung der Gläubiger. Vor zwei Wochen hatte die Bank angekündigt, mit den Entschädigungszahlungen zu beginnen. Im ersten Schritt soll es dabei um 22,5 Milliarden Dollar gehen.
Insgesamt will Lehman 65 Milliarden Dollar auszahlen - das ist etwa ein Fünftel der anerkannten Schadenssumme, der Rest ist futsch. Es kann aber noch Jahre dauern, bis alle Gläubiger das ihnen zustehenden Geld erhalten. Noch laufen zahlreiche Gerichtsverfahren, oder das Vermögen steckt in langfristigen Investments fest.
stk/dpa-AFX
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- Dienstag, 24.04.2012 – 14:34 Uhr
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19. September: Die US-Regierung kündigt ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für die Finanzbranche an.
25. September: Die größte US-Sparkasse Washington Mutual bricht zusammen, wird von der Großbank aufgefangen.
29. September: Die Krise erreicht endgültig Deutschland. Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) muss ein 35 Milliarden Euro schweres Rettungspaket geschnürt werden.
8. Oktober: Sechs große Notenbanken senken gemeinsam die Leitzinsen. Die Panik an den Börsen können sie nur kurz eindämmen.
13. Oktober: Die Bundesregierung stellt ein gigantisches Banken-Rettungspaket im Volumen von 500 Milliarden Euro vor. Frankreich präsentiert einen 360 Milliarden Euro schweren Hilfsplan. Andere EU-Länder schnüren ebenfalls Notpakete.
21. Oktober: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schlägt die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien vor. Berlin lehnt dies ab.
23. Oktober: Die Krise schwappt in die Realwirtschaft, als erstes trifft es die Autobranche. Die US-Hersteller kämpfen ums nackte Überleben. Auch der Ertrag von Mercedes-Benz bricht im dritten Quartal ein.
29. Oktober: Die US-Notenbank Fed senkt den Leitzins angesichts düsterer Konjunkturerwartungen um 0,5 Prozentpunkte auf einen Prozent.
5. November: Die Bundesregierung beschließt ein rund 12 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket. Sie hofft, Investitionen von 50 Milliarden Euro anstoßen und eine Million Jobs sichern zu können.
6. November: Die EZB senkt erneut drastisch die Leitzinsen auf 3,25 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch alle Industriestaaten in die Rezession rutschen werden.
9. November: China kündigt ein fast 600 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket für die beiden kommenden Jahre an.
13. November: Deutschland ist offiziell in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in zwei Quartalen in Folge.
14. November: Der Autobauer Opel bittet die Bundesregierung um Bürgschaften von gut einer Milliarde Euro. Der Anfang eines zähen Kampfs ums Überleben.
19. November: Die Finanzkrise erreicht die Chemiebranche. Der Branchenführer BASF drosselt die Produktion um 20 bis 25 Prozent.
25. November: Die US-Notenbank kündigt ein 800 Milliarden Dollar schweres Programm zum Aufkauf toxischer Wertpapiere an. Das gewaltige Volumen ist ein Alarmsignal.
26. November: Die EU-Kommision schlägt ein 200 Milliarden Euro umfassendes Konjunkturpaket vor.
28. November: Die Dimension der Krise der BayernLB wird deutlich. Sie braucht Unterstützung von insgesamt 30 Milliarden Euro. Die Bank will 5600 Stellen streichen und das Auslandsgeschäft kappen.
8. Dezember: Die Krise sorgt für einen Paukenschlag in der Medienbranche. Der US-Zeitungskonzern Tribune, zu dem unter anderem die "Los Angeles Times" und die "Chicago Tribune" gehören, beantragt ein Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz.
16. Dezember: Die US-Notenbank Fed senkt den Leitzins praktisch auf null Prozent und will die Notenpresse anwerfen, um die Rezession abzuwenden.
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