Lernen von Howard Schultz Ganz genau genommen 

Starbucks stand am Abgrund: Zu schnell gewachsen, zu austauschbar. 2008 kehrte Howard Schultz als Vorstandschef zurück zu jener Kaffeehauskette, die er selbst einst groß gemacht hatte. Er brachte das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs - dank einer Überdosis Perfektionismus.

Starbucks-Chef Howard Schultz: eine Leidenschaft für Kaffee - und für Details
Corbis

Starbucks-Chef Howard Schultz: eine Leidenschaft für Kaffee - und für Details


Er schuf die berühmteste Kaffeehauskette der Welt. Und er hätte sie beinahe wieder verloren. Der von vielen Kunden geliebte Starbucks-Charme ging Stück für Stück verloren, nachdem sich Unternehmenschef Howard Schultz im Jahr 2000 in den Aufsichtsrat zurückgezogen hatte.

Das neue Management schien nur noch an Größe und Wachstum interessiert zu sein und vergaß darüber, den Kunden und die Werte des Unternehmens in den Mittelpunkt zu stellen. "Starbucks hatte fast seine Seele verloren," sagte Schultz später einmal. Im Jahr 2008 übernahm Howard Schultz selbst wieder das Ruder als Vorstandschef und meisterte in den darauffolgenden drei Jahren einen spektakulären Turnaround. Am Ende stand stand der Einstieg von Starbucks in das Geschäft mit Lebensmitteln und - bis dato unvorstellbar - Instantkaffee.

Von Howard Schultz, Jahrgang 1953, kann man vieles lernen, vor allem aber etwas über die Bedeutung von Details. Schultz wuchs in einer Sozialwohnung im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf. Dank eines Stipendiums konnte er an der Northern Michigan University studieren und fing nach seinem Abschluss zunächst als Vertreter bei Xerox an. Im Jahr 1982 kam er als Leiter des Bereichs Verkauf und Marketing zu Starbucks, einem damals noch kleinen Handelsunternehmen. Bis 1981 hatte Starbucks gerade einmal drei Filialen eröffnet, in denen Kaffee, Tee und Gewürze verkauft wurden.

Eine Entdeckung in Italien

Bei einer Italienreise waren Schultz in Mailand die vielen Espressobars aufgefallen. Deren Beliebtheit faszinierte ihn. Er erkannte er das Potential der italienischen Kaffeehauskultur und wollte sie in seinem Heimatland etablieren. Mit dem "Il Giornale" eröffnete Schultz im Jahr 1985 sein eigenes Lokal, in dem er Kaffee- und Espressogetränke anbot - hergestellt aus Starbucks-Kaffeebohnen. Die Erfolgsgeschichte begann, als Schultz gemeinsam mit lokalen Investoren für vier Millionen Dollar seinen alten Arbeitgeber Starbucks kaufte und das Unternehmen konsequent auf Expansionskurs führte. Heute hat Starbucks mehr als 17.000 Läden mit rund 140.000 Mitarbeitern weltweit. Und sicher noch wichtiger: Schultz ist eine unternehmerische Inspiration für Menschen auf der ganzen Welt.

Es gibt bei Starbucks viele bemerkenswerte Aspekte, aber einer sticht besonders hervor: Der Anspruch, jede fach- und branchenspezifische Einzelheit sowie jeden Aspekt der Unternehmensführung immer weiter zu perfektionieren. Das reicht von der Auswahl und Röstung der Kaffeebohnen über die Filialausstattung und die Mitarbeiterschulung bis hin zu Fairtrade- und Corporate-Social-Responsibility-Programmen. Im Kern geht es dabei immer um eine Frage der Einstellung: Den Willen, wirklich in jedem Bereich das Optimum erreichen zu wollen.

Ein Prinzip, das Starbucks auch bei jenem Produkt verfolgte, das landläufig eher mit Billigplörre als mit Hochgenuss verbunden wird: löslichem Kaffee. Über 20 Jahre ist es her, dass ein gewisser Don Valencia eine Starbucks-Filiale betrat und ein von ihm entwickeltes Rezept für löslichen Kaffee zum Kauf anbot. Starbucks machte den Tüftler zum Chef seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung und ließ Valencia daran arbeiten, den "Code einer Instant-Version von Starbucks" zu knacken, wie es Schultz formuliert. Valencia sollte das Ergebnis seiner Forschungen nicht mehr erleben, er starb 2007. Erst 2009 kam sein löslicher Kaffee unter dem Namen Starbucks Via in die amerikanischen Supermärkte.

Natürlich hätte Starbucks schon viel früher sein Markenlogo auf einen normalen löslichen Kafffee kleben können - aber das hätte eben der Firmenphilosophie widersprochen: Via kam erst auf den Markt, nachdem die Entwickler alles getan hatten, um den Instant-Kaffee so nah wie möglich an den Geschmack von normalem Starbucks-Kaffee heran zu führen.

Nicht beliebt, aber wirksam

Dass Produkte und Dienstleistungen zur absoluten Zufriedenheit der Kunden funktionieren sollen, ist der zentrale Anspruch aller gut geführten Unternehmen. Dieser Perfektionismus bringt natürlich mit sich, dass man im Grunde genommen mit nichts endgültig zufrieden sein darf. Genauer gesagt: man darf sich nicht scheuen, jedes noch so perfekt anmutende Detail immer wieder in Frage zu stellen, um vielleicht eine noch bessere Lösung zu finden. Das ist mühsam und macht Sie als Führungskraft nicht gerade beliebt - aber es macht Sie wirksam. Ein so großes Ziel wie den Aufbau der weltweit berühmtesten Kaffeehauskette erreicht man nicht dadurch, dass man sich bemüht, die Popularitätsskala bei allen Mitarbeitern anzuführen.

Achten Sie bei Ihrem nächsten Cappuccino bei Starbucks doch einmal auf die vielen gut gelösten Details. Schauen Sie auf die Funktionalität der Filialeinrichtung, auf Werbung, Verpackung und die Texte rund um das Produkt. Es wird Ihnen eine Vielzahl an Details auffallen, in denen kluges, professionelles Arbeiten zum Ausdruck kommt.

Sie müssen gar keinen großen Konzern wie Starbucks führen, um mit kleinen (und großen) Veränderungen die Produkte Ihres Unternehmens zu verbessern - das geht überall! Im Zwei-Mann-Unternehmen genauso wie im Konzern mit 140.000 Mitarbeitern. Und die Freude, wenn am Ende etwas besser funktioniert als zuvor, erleben wir alle doch immer wieder gerne.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Stäffelesrutscher 26.02.2012
1.
Wenn sich der Perfektionismus jetzt auch noch auf die Respektierung von Recht und Ordnung erstrecken würde - also Arbeitszeitgesetz, Teilzeit- und Befristungsgesetz, Betriebsverfassungsgesetz, Grundgesetz ... Starbucks schikaniert Mitarbeiter - Einen Grund für die Kündigung gibt es immer - Karriere - sueddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/karriere/starbucks-missachtet-rechte-von-mitarbeitern-falsche-sockenfarbe-abmahnung-1.1036783-2)
james-100, 26.02.2012
2.
Zitat von StäffelesrutscherWenn sich der Perfektionismus jetzt auch noch auf die Respektierung von Recht und Ordnung erstrecken würde - also Arbeitszeitgesetz, Teilzeit- und Befristungsgesetz, Betriebsverfassungsgesetz, Grundgesetz ... Starbucks schikaniert Mitarbeiter - Einen Grund für die Kündigung gibt es immer - Karriere - sueddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/karriere/starbucks-missachtet-rechte-von-mitarbeitern-falsche-sockenfarbe-abmahnung-1.1036783-2)
Sie werden von etlichen Foristen nur eins zu lesen bekommen. Hauptsache Arbeit. Rechte von Normalbürgern bzw AN sind vernachlässigbar.
Steve Holmes 26.02.2012
3.
Zitat von StäffelesrutscherWenn sich der Perfektionismus jetzt auch noch auf die Respektierung von Recht und Ordnung erstrecken würde - also Arbeitszeitgesetz, Teilzeit- und Befristungsgesetz, Betriebsverfassungsgesetz, Grundgesetz ... Starbucks schikaniert Mitarbeiter - Einen Grund für die Kündigung gibt es immer - Karriere - sueddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/karriere/starbucks-missachtet-rechte-von-mitarbeitern-falsche-sockenfarbe-abmahnung-1.1036783-2)
Da haben sie aber eine alten Artikel von 2010 ausgegraben. An dem Lamento der Gewerkschaften kann wohl nicht viel dran sein. Ansonsten hätte es bis jetzt entsprechende Urteile gegeben.
Stäffelesrutscher 26.02.2012
4.
Zitat von Steve HolmesDa haben sie aber eine alten Artikel von 2010 ausgegraben. An dem Lamento der Gewerkschaften kann wohl nicht viel dran sein. Ansonsten hätte es bis jetzt entsprechende Urteile gegeben.
Aha, der Herr Holmes mal wieder. Könnten Sie freundlicherweise auch dazusagen, wie lange es hierzulande bis zu entsprechenden Urteilen dauert? Und sollen Ihnen Gewerkschafter mal aufzählen, wie viele Beschäftigte weggemobbt und rausgekauft werden, bevor ein Konzern eine höchstrichterliche Niederlage in einem Präzedenzfall riskiert? Da wird ja bis wenige Minuten vor Beginn einer Verhandlung beim BAG noch mit dem Geldscheinbündel gewedelt, wenn man bloß seinen Antrag zurückzieht und einen Vergleich unterschreibt.
Steve Holmes 27.02.2012
5.
Zitat von StäffelesrutscherAha, der Herr Holmes mal wieder. Könnten Sie freundlicherweise auch dazusagen, wie lange es hierzulande bis zu entsprechenden Urteilen dauert? Und sollen Ihnen Gewerkschafter mal aufzählen, wie viele Beschäftigte weggemobbt und rausgekauft werden, bevor ein Konzern eine höchstrichterliche Niederlage in einem Präzedenzfall riskiert? Da wird ja bis wenige Minuten vor Beginn einer Verhandlung beim BAG noch mit dem Geldscheinbündel gewedelt, wenn man bloß seinen Antrag zurückzieht und einen Vergleich unterschreibt.
Wenn sich die Streitenden außergerichtlich einigen ist ja allen gedient und es gibt keine Probleme mehr.
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