Libyen-Krise: Benzinpreis schnellt auf 1,57 Euro
Der Benzinpreis an Deutschlands Tankstellen steigt und steigt: In Großstädten müssen Autofahrer bereits 1,57 Euro pro Liter Super zahlen. Schuld ist die Krise in Libyen - aber auch das anstehende Wochenende.
Hamburg - Ein kurzer Tipp zu Anfang: Wer an diesem Freitag aufs Tanken verzichten kann, sollte es tun. Denn egal ob Benzin oder Diesel: Die Preise für Kraftstoffe sind kurz vor dem Wochenende rasant gestiegen. In Städten wie Hamburg, München, Frankfurt am Main oder dem Ruhrgebiet lag der Spritpreis an Markentankstellen bereits bei 1,57 Euro pro Liter Super. Für Diesel mussten Autofahrer 1,45 Euro pro Liter zahlen. Super war damit vier Cent teurer als am Donnerstagabend, Diesel zwei Cent.
Seit Ausbruch der Krise und der Unterbrechung der Ölförderung in Libyen steigen die Preise für Kraftstoffe stetig an. Libyen ist einer der größten Erdölproduzenten der Welt und hat mit 5,7 Milliarden Tonnen die größten Reserven in Afrika. Libysches Öl gilt als sehr hochwertig, viel davon wird nach Europa exportiert. Das Land ist der fünftwichtigste Lieferant von Rohöl für Deutschland.
Der ADAC weist jedoch darauf hin, dass die Preise auch immer kurz vor Feiertagen oder Wochenenden anzögen. Erhebungen des Automobilclubs haben ergeben, dass der Durchschnittspreis für Benzin und Diesel in der Woche meist mehrere Cent niedriger ist als am Freitag. Ab Samstagabend fallen die Preise meist deutlich, montags erreichen sie ihren Tiefststand, um am Dienstag wieder kräftig anzuziehen. Spritsparer tanken also zu Wochenbeginn.
Heizölkosten steigen, Verbraucher kaufen trotzdem
Auch der Heizölpreis stieg mitten in der Februar-Kältewelle weiter. Leichtes Heizöl verteuerte sich auf mehr als 83 Cent pro Liter - der höchste Stand seit Herbst 2008. Trotz der hohen Kosten kaufen die Kunden, berichtete der Hamburger Fachdienst EID. "Viele fürchten, dass Öl angesichts der arabischen Krise noch teurer werden könnte", sagte Chefredakteur Rainer Wiek.
Der Rohölpreis gab dagegen deutlich nach und lag am Freitag bei 112 Dollar pro Barrel (159 Liter) der für Europa wichtigsten Ölsorte Brent in London. Am Donnerstag wurden zeitweise 119 Dollar notiert. An der New Yorker Rohstoffbörse lag der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) bei 98 Dollar, nach 103 Dollar am Donnerstag.
Die Internationale Energie-Agentur IEA in Paris hatte zuvor erklärt, dass die Öl-Produktionsausfälle in Libyen kleiner seien als bisher angenommen. Die IEA sprach von 0,5 bis 0,75 Millionen Barrel pro Tag. Die Ölproduktion in Libyen wurde nach der Flucht zahlreicher Ölarbeiter gestoppt. Nach Angaben des italienischen Eni-Konzerns vom Donnerstag fehlen auf dem Weltmarkt 1,2 Millionen Barrel pro Tag aus Libyen.
Die Bank Barclays Capital rechnet mit einem scharfen Einbruch der Ölpreise, wenn sich die Situation in Libyen stabilisiert. "Der Angstfaktor im Markt ist hoch", erklärte die Bank.
yes/dapd
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