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Tödliche Bakterien: Lidl muss Millionenstrafe wegen Listerien-Käse zahlen

Ein Gericht hat gegen den Discounter Lidl ein Bußgeld von 1,5 Millionen Euro verhängt. Es wirft dem Unternehmen vor, 2010 den Verkauf von mit Bakterien belastetem Käse nicht rechtzeitig gestoppt zu haben. Ein Mensch starb.

Lidl-Logo an einer Filiale: Teurer Lebensmittelskandal Zur Großansicht
dapd

Lidl-Logo an einer Filiale: Teurer Lebensmittelskandal

Heilbronn/Neckarsulm - Ein Skandal um bakterienverseuchten Käse kommt den Discounter Lidl teuer zu stehen. Das Unternehmen muss Geldbußen von insgesamt 1,5 Millionen Euro zahlen. Das Amtsgericht Heilbronn verhängte die Strafe wegen Verstößen gegen das Lebensmittelrecht, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Auch gegen vier Lidl-Mitarbeiter wurden Bußgeldbescheide erlassen.

Lidl hatte am 23. Januar 2010 Harzer Käse der österreichischen Firma Prolactal zurückgerufen, weil dieser mit Listerien belastet war. Diese Bakterien können bei Menschen schwere Infektionen auslösen. "Beim Verzehr des Käses waren 2010 im Bundesgebiet vier Konsumenten an Listeriose erkrankt und eine Person an den Folgen der Lebensmittelvergiftung gestorben", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Sie wirft Lidl und den betroffenen Mitarbeitern vor, sie seien ihren Informations-, Warn- und Rückrufpflichten nicht nachgekommen. "Spätestens Ende 2009 hätten sie einen Lieferstopp veranlassen müssen", erklärte die Staatsanwaltschaft. Eine darüber hinausgehende strafrechtliche Verantwortlichkeit für die Erkrankung oder den Tod von Geschädigten lasse sich aber nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen. "Aufgrund der langen Inkubationszeit für den Ausbruch einer Listeriose von bis zu 70 Tagen kann nämlich nicht ausgeschlossen werden, dass selbst bei einer ordnungsgemäßen Erfüllung der Mitteilungs- und Rückrufpflichten ab Ende 2009 ein vorheriger Erwerb und Verzehr bereits im Handel befindlicher listerienbelasteter Käseprodukte nicht hätte verhindert werden können", hieß es.

Bei der Bestimmung der Strafhöhe sei berücksichtigt worden, dass die Hauptverantwortung für die Beachtung der einzelnen Sorgfaltspflichten bei der österreichischen Herstellerfirma gelegen habe, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

"Lidl Deutschland nimmt die Entscheidung des Gerichts an und bedauert, dass die Ergebnisse der vor drei Jahren routinemäßig durchgeführten Untersuchungen des Produkts damals nicht richtig bewertet worden sind", teilte das Unternehmen mit. Der betreffende Käse sei seit Januar 2010 nicht mehr im Verkauf. Auch die Zusammenarbeit mit dem Hersteller Prolactal sei beendet worden.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte angesichts des Listerien-Skandals 2010 Strafanzeige gegen Lidl, die Firma Prolactal und die zuständigen Behörden erstattet.

Listerien werden normalerweise durch Pasteurisierung vernichtet. Eine Listeriose kann bei Kranken, Geschwächten, Schwangeren oder Neugeborenen lebensbedrohlich werden.

mmq/dapd

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Was mich intressieren würde,
ronald1952 15.01.2013
Zitat von sysopdapdEin Gericht hat gegen den Discounter Lidl ein Bußgeld über 1,5 Millionen Euro verhängt. Es wirft dem Unternehmen vor, 2010 den Verkauf von mit Bakterien belastetem Käse nicht rechtzeitig gestoppt zu haben. Ein Mensch starb. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/listerien-skandal-lidl-muss-bussgeld-zahlen-a-877717.html
wer bekommt dieses Geld? Die geschädigten? Warscheinlich nicht, denn in unserem Verkorksten Rechtssystem bekommen ein Geschädigter nur Brotkrumen, falls er überhaupt was bekommt. Und ist noch eine Versicherung Involviert, zieht sich das ganze über viele Jahre hin und am ende gehen viele einfach leer aus. Also, wer steckt sich die Kohle ein? schönen Tag noch,
2. Hauptsache ein Faß aufgemacht
shark65 15.01.2013
Zitat von ronald1952wer bekommt dieses Geld? Die geschädigten? Warscheinlich nicht, denn in unserem Verkorksten Rechtssystem bekommen ein Geschädigter nur Brotkrumen, falls er überhaupt was bekommt. Und ist noch eine Versicherung Involviert, zieht sich das ganze über viele Jahre hin und am ende gehen viele einfach leer aus. Also, wer steckt sich die Kohle ein? schönen Tag noch,
anstatt, wenn man schon im I-Net ist, einfach den allmächtigen Google zu fragen. Aber allgemein bekannt ist, das Strafgelder gemeinnützigen Organisationen zukommen. Zivile Forderungen werden in einem abgetrennten Zivilprozess beurteilt.
3.
DarthTK 15.01.2013
Zitat von ronald1952wer bekommt dieses Geld? Die geschädigten? Warscheinlich nicht, denn in unserem Verkorksten Rechtssystem bekommen ein Geschädigter nur Brotkrumen, falls er überhaupt was bekommt. Und ist noch eine Versicherung Involviert, zieht sich das ganze über viele Jahre hin und am ende gehen viele einfach leer aus. Also, wer steckt sich die Kohle ein? schönen Tag noch,
Dafür gibt es das Zivilrecht, welches völlig unabhängig vom Straf- bzw. Ordnungswidrigkeitenrecht läuft.
4.
vogel0815 15.01.2013
Zitat von sysopdapdEin Gericht hat gegen den Discounter Lidl ein Bußgeld über 1,5 Millionen Euro verhängt. Es wirft dem Unternehmen vor, 2010 den Verkauf von mit Bakterien belastetem Käse nicht rechtzeitig gestoppt zu haben. Ein Mensch starb. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/listerien-skandal-lidl-muss-bussgeld-zahlen-a-877717.html
Lachhaft. Lidls Kostenrechner tippen bereits eifrig im Taschenrechner, ob sichs gelohnt hat. In den USA fiele die Strafe wohl eher auf 1,5 MRD US-$ aus.
5.
diedeutschesteuerzahlerin 15.01.2013
Das ich nicht lache, aber mir ist leider gerade mein Gesicht eingefroren bei Ihrer Antwort. Mit welchem Recht gehen horrende Summen an unbeteiligte - wenngleich auch gemeinnützige - Organisationen und die geschädigten werden mit "Brotkrumen" abgespeist?
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Die Discounter in Deutschland
Aldi
Die unangefochtene Nummer eins der Lebensmittel-Discounter in Deutschland, Aldi , ist ebenso erfolgreich wie verschwiegen. Branchenexperten schätzen, dass Aldi 2011 weltweit rund 57 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat. Der Gewinn wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Insgesamt betreibt der Marktführer in Deutschland etwa 4300 Filialen.
Lidl
Auch der zweitplatzierte Lidl lässt sich nicht gerne in die Zahlen schauen. Für 2011 wird der weltweite Umsatz auf 50,4 Milliarden Euro geschätzt. Das Flaggschiff der Schwarz-Gruppe betreibt bundesweit rund 3100 Filialen. Lidl verkauft - anders als Aldi - auch viele Markenartikel.
Netto
Nach dem Zusammenschluss mit Plus ist Netto der drittgrößte Discounter Deutschlands. Die Edeka-Tochter hat in Deutschland rund 4000 Filialen. Der Umsatz lag 2011 bei etwa 13,7 Milliarden Euro.
Penny
Der Discounter Penny des Rewe-Konzerns erwirtschaftete 2011 mit seinen bundesweit 2400 Filialen rund zwölf Milliarden Euro Umsatz. Rewe hatte sich 2007 mit Edeka eine Bieterschlacht um den Discounter Plus geliefert, unterlag jedoch.
Norma
Der Discounter hat in Deutschland rund 1300 Filialen und erwirtschaftet einen Umsatz von schätzungsweise 2,7 Milliarden Euro. Der Schwerpunkt des Filialnetzes liegt in Süddeutschland, aber auch in Frankreich, Tschechien und Österreich gibt es Norma-Märkte.


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