Lockvogel-Strategie Lidl muss Angebote länger im Regal haben

Lidl ist mit besonders günstigen Waren auf Kundenfang gegangen - obwohl einige Filialen die Produkte gar nicht vorrätig hatten. Verbraucherschützer klagten dagegen und bekamen nun vom Bundesgerichtshof Recht.

Lidl-Logo: Sonderangebote waren schon bei der Ladenöffnung nicht mehr zu bekommen
Getty Images

Lidl-Logo: Sonderangebote waren schon bei der Ladenöffnung nicht mehr zu bekommen


Karlsruhe/Düsseldorf - Für Kunden ist es extrem ärgerlich: Man steht früh auf, will ein Sonderangebot gleich bei Ladenöffnung abstauben - und dann hat die Filiale das Schnäppchen überhaupt nicht vorrätig. Der Händler hat sein Ziel trotzdem erreicht: Der Kunde ist im Laden und wird voraussichtlich trotz der Enttäuschung etwas kaufen.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat nun ein Urteil verkündet, das Verbraucher besser vor solchen sogenannten Lockvogel-Angeboten schützen könnte. Wenn Geschäfte mit günstigen Angeboten locken, müssen sie die Waren mindestens einen Tag vorrätig haben. Supermärkte oder Kleidungsgeschäfte, die Sonderangebote zwar im Prospekt abdrucken, aber in ihren Filialen kaum oder gar nicht zum Kauf anbieten, drohen Strafen.

Im konkreten Fall hatte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen Lidl geklagt, weil sie Angebote des Discounters für ein reines Lockmittel hielt. Die Käufer hätten nicht ausreichend Gelegenheit gehabt, die Ware zu erwerben. Laut den Verbraucherschützern warb Lidl 2008 für eine irische Buttersorte und für Flachbildschirme. Die Werbung für die Butter galt demnach für die Gültigkeitsdauer des Prospekts. Für die Flachbildschirme gab es die Einschränkung, der Artikel könne bereits am ersten Tag des Angebots ausverkauft sein.

Im Wiederholungsfall drohen bis zu 250.000 Euro Strafe

Tatsächlich sei aber auch die Butter schon am ersten Tag des Sonderangebots in mehreren Filialen mittags vergriffen gewesen, monierten die Verbraucherschützer. Die Flachbildschirme seien in mehreren Geschäften sogar schon bei der Öffnung um 8 Uhr am Morgen nicht zu bekommen gewesen. Deshalb klagte die Verbraucherzentrale gegen den Discounter. In mehreren Instanzen gewann Lidl, auch die Berufung vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart.

Im Revisionsverfahren in Karlsruhe gaben die BGH-Richter aber in wichtigen Punkten der Verbraucherzentrale Recht. Laut dem Urteil auf Unterlassung darf Lidl nicht mehr für Lebensmittel werben, wenn diese Produkte nicht zumindest am ersten Geltungstag vorgehalten werden. Dies gilt, wenn Waren mit der Gültigkeitsdauer des Produkts beworben werden - wie die irische Butter.

Computerprodukte darf der Discounter nur bewerben, wenn die Waren am ersten Geltungstag bis 14 Uhr vorgehalten werden. Hält sich Lidl nicht daran, droht ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250.000 Euro.

cte/dapd



insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
McSteph 11.02.2011
1. schlimmes Urteil
Wenn Lidl die Waren jetzt "bis 14:00 Uhr des ersten Angebotstages" bereithalten muss ist doch dem Kunden, der bis 17:00 Uhr arbeiten muss und sich danach den günstigen Bildschirm (oder was auch immer) holen möchte, immer noch in den Hintern gekniffen. Ebenso ist es mit den Lebensmitteln.
Mocs, 11.02.2011
2. Bitte geben Sie keinen Beitrag für den Titel an!
Zitat von McStephWenn Lidl die Waren jetzt "bis 14:00 Uhr des ersten Angebotstages" bereithalten muss ist doch dem Kunden, der bis 17:00 Uhr arbeiten muss und sich danach den günstigen Bildschirm (oder was auch immer) holen möchte, immer noch in den Hintern gekniffen. Ebenso ist es mit den Lebensmitteln.
Ist er auch... Das einzige was hilft : Urlaub nehmen oder zwei bis drei Stunden von der Arbeit frei nehmen, um im Kwik-E-Mart schnell mal das Begehrte einzukaufen. Zustände wie in der DDR, toll !
milzwurst 11.02.2011
3. Lidl...
Es ist echt schwierig rechtsverbindlich zu regeln, wie lange ein beworbenes Produkt vorrätig sein muss - weil dies ganz einfach nicht planbar ist. Im Normfalfall haben ja auch die Händler ein großes Interesse, die beweorbenen Produkte möglichst oft abzusetzen. In dem Sinne ist das Urteil bedenklich. Was Lidl andererseits macht, ist eine riesige Sauerei. Dort sind die beworbenen Produkte oft selbst um 8 Uhr nicht (mehr? "Reserviert" durch die Mitarbeiter?) zu kaufen. Entweder liefern sie gar keine Produkte an die Filialen oder zu wenig - das Angebot verkommt tatsächlich zu einem reinen Lockvogelangebot. Und genau sowas gehört bestraft - meiner Meinung nach mit exorbitanten Bußgeldern bei einer so dreißten und wiederholten Art, wie es Lidl macht.
dirsch 11.02.2011
4. für ein Forum ohne Titel
Der Kunde, der auch Arbeitnehmer ist, ist immer angeschmiert. Er bezahlt Steuern, damit andere H4 bekommen könen (er selbst hoffentlich nie) und dann kaufen die H$-Empfänger ihm auch noch das günstige Zeug bei Aldi, lidl und Co weg.... Aber im ERnst: da sind alle Ketten gleich, da wird großartig was angekündigt und selbst, wenn man zufällig frei hat oder einen Bekanten hinschickt - direkt nach Ladenöffnung ist manches schon ausverkauft. Wenn in einer ländlichen Region (trotzdem Großstadtnähe) nur 3 Motorsägen je Markt geliefert werden, dann ist das kein Wunder. Und sich das Personal noch 1 oder 2 beiseite stellt.... ;-) Sollen Sie ruhig - aber das beweist nur, dass es nur Lockvögelangebote sein können
dirk.1966 11.02.2011
5. Butter und Flachbildschirme.
Konkret verhandelt wurde also die Bereithaltungszeitdauer für irische Butter und Flatscreens. Da stellt sich mir die Frage: Was sind das für Vögel, die frühmorgens zum Lidl gehen, um sich eine um ein paar Cent günstigere Butter sichern zu wollen? Und wer kauft einen Flatscreen ausgerechnet bei Lidl? Stiftung Warentest testet regelmäßig die Technik-Angebote von Discountern wie Aldi, Lidl & Co., und meistens schneiden diese Technik-Angebote (anders als Fast Moving Consumer Goods wie Waschmittel usw.) im Test grottig ab. Dazu kommt die ethische Komponente: Meinen Lebtag habe ich keinen Schritt in eine Filiale des Mitarbeiterschinders Lidl gesetzt, und ich werde dies auch für den Rest meines Lebens nicht tun.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.