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Lokführer-Protest: Bahnstreik richtet Verkehrschaos an

Die Lokführer legen den Bahnverkehr lahm: Bundesweit kommt es wegen des Arbeitskampfes zu Verspätungen und Zugausfällen, besonders die Großstädte sind betroffen. Die S-Bahnen fahren unregelmäßig, auch auf den Straßen kommt es zu Staus.

Hamburg - Im deutschen Bahnverkehr geht seit dem frühen Donnerstagmorgen fast nichts mehr. Vor allem in den Großstädten fahren nur wenige Züge, mehrere Hundert fielen schon aus. Reisende müssen Verspätungen einplanen. Auch nach dem Ende des Streiks dürfte es Stunden dauern, bis sich der Bahnverkehr normalisiert. Da viele Fahrgäste auf das Auto umsteigen, ist es auch auf den Straßen voller als gewöhnlich.

Besonders betroffen von den Arbeitsniederlegungen sind laut Bahn Knotenpunkte im Fernverkehr - also Frankfurt, Köln, Berlin und München. Im Osten Deutschlands fahren demnach nur noch wenige Züge. Reisende können sich bei der Bahn unter der kostenlosen Servicenummer (08000 - 99 66 33) oder im Internet über die Folgen des Streiks informieren.

Vom Streik besonders betroffen sind folgende Regionen:

- Die S-Bahnen in Hamburg fahren nur noch alle 20 Minuten. Etliche Züge auf den Strecken Lübeck nach Kiel und Flensburg, nach Neumünster und Neustadt fallen aus. Zwischen Hamburg und Kiel sowie Itzehoe kommt es zu erheblichen Verspätungen. Bei der Nord-Ostsee-Bahn fahren auf der Strecke von Hamburg nach Westerland alle Züge, auf den restliche Verbindungen fallen Züge aus, rund 50 Prozent fahren. Die Züge der Metronom Bahn werden zu fast hundert Prozent bestreikt.

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Bahnstreik: Bundesweit Zugausfälle und Verspätungen
- In Bayern liegt ein Schwerpunkt auf dem Großraum Nürnberg. Auf den Strecken nach Münchberg, Forchheim und Günzburg wird ein Ersatzverkehr eingesetzt. In München fährt die S-Bahn nur stündlich: "Wir haben aber einen Ersatzfahrplan organisiert, der zuverlässig gefahren wird und der im Internet abrufbar ist", sagte ein Bahn-Sprecher. In Franken gibt es Ausfälle auf den Strecken Pleinfeld - Gunzenhausen, Steinach (b. Rothenburg) - Neustadt/Aisch, Nürnberg Hbf - Neumarkt (Opf) und Coburg - Bad Rodach. Im Allgäu gibt es auf der Außerfernbahn Kempten - Reutte und auf der Strecke Füssen - Kaufbeuren Probleme. Weitere Beeinträchtigungen gibt es in Rosenheim, Ingolstadt, Regensburg und Passau. Auf der Strecke Ulm/Donauwörth nach Augsburg und München fällt der Fugger-Express teilweise aus.

- In Nordrhein-Westfalen fallen im Großraum Köln etliche S-Bahnen aus. Bei den Regionalbahnen ist besonders die Strecke von Mönchen-Gladbach nach Koblenz betroffen, teilte ein Bahn-Sprecher mit. Außerdem ist der Regionalverkehr zwischen Köln, Düsseldorf und Dortmund stark beeinträchtigt.

- In Berlin und Brandenburg stehen 90 Prozent der Züge still, bei der S-Bahn in Berlin sieht es ähnlich aus, teilte ein GDL-Sprecher mit.

- In Niedersachsen haben Züge von Hannover nach Wolfsburg, Braunschweig, Hildesheim oder Bremen Verspätung, einige fallen ganz aus. Die S-Bahnen in Hannover fahren überwiegend nicht.

- In Hessen ist vor allem der Großraum Frankfurt betroffen. Etliche S- und Regionalbahnen fahren nur noch eingeschränkt. Auf den Bahnhöfen in Frankfurt, Fulda, Darmstadt, Biblis oder Gießen warten zahlreiche Pendler auf ihren Anschluss.

- In Baden-Württemberg kommt es bei der Stuttgarter S-Bahn zu Ausfällen. Die Teck-Bahn von Kirchheim nach Oberlenningen ist bis Streikende komplett eingestellt, es gibt keinen Ersatzverkehr.

- In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kam es auf den meisten Pendlerstrecken zu Zugausfällen. Zwischen Halle, Leipzig, Chemnitz, Dresden oder Madgeburg fährt nur noch ein Busnotverkehr.

GDL-Chef droht mit Fortsetzung des Streiks

Der Streik begann um 4 Uhr und soll bis 10 Uhr dauern. Gewerkschaftschef Claus Weselsky sagte, viele Fahrgäste seien frustriert, es gebe aber auch Unterstützung für die Forderung nach einem einheitlichen Tarifvertrag und höheren Gehältern. Weselsky schließt weitere Streiks nicht aus: "Es ist alles offen."

Nach Weselkys Angaben waren am Morgen rund 800 Lokführer im Streik. "Wir sind uns über die Wirkung bewusst", sagte er. Die GDL wolle die Möglichkeiten "nicht bis zum Ende ausschöpfen". Nun sei aber die Arbeitgeberseite am Drücker und müsse ein "verhandlungsfähiges Angebot" auf den Tisch legen.

Die GDL will mit dem Streik einheitliche Tarifbedingungen durchsetzen - für etwa 20.000 Lokführer der Deutschen Bahn und weitere rund 6000 bei der DB-Konkurrenz. Die Bahn kritisierte die Aktionen scharf.

Schon seit Mittwochabend wird der Güterverkehr durch den Streik behindert. Laut GDL beteiligten sich 500 Lokführer, mehr als 600 Züge kämen gar nicht oder nur stark verspätet an ihr Ziel.

Für Bahn-Vorstand Ulrich Weber ist die GDL schuld an der verfahrenen Lage: "Das hat sich die GDL zuzuschreiben, dass über diesen Weg die Materie noch komplizierter wird", sagte Weber im ZDF-"Morgenmagazin". Demnach scheiterten die Verhandlungen mit den privaten Bahnunternehmen bisher am Verhalten der GDL. Weber verlangte von der Gewerkschaft, "dass sie sich auf Sache einlässt, dass sie an den Verhandlungstisch zurückkehrt".

Personalvorstand Weber kritisierte auch die Informationspolitik der GDL zu den Streiks. "Die Vorbereitungen leiden darunter, dass die GDL uns immer recht spät über ihre Absichten informiert."

cte/tat/dpa/AFP/dapd

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Forum - Warnstreiks bei der Bahn - überzieht die Lokführergewerkschaft?
insgesamt 2574 Beiträge
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1.
capu65, 28.02.2011
Zitat von sysopZugausfälle, Wartezeiten an den Bahnhöfen - und das bei eisigen Temperaturen. Die Streikmaßnahmen der Lokführer haben bereits für Turbulenzen gesorgt. Überzieht die Lokführergewerkschaft ihren Kampf?
Wann berichtet der SPIEGEL endlich objektiv über die Gründe des Arbeitskampfes? Im Moment orientiert sich der SPIEGEL bedauerlicherweise an seinem dieswöchigen Titelblatt.
2. Arbeitnehmer-Vertreter?
Rums, 28.02.2011
Zitat von sysopZugausfälle, Wartezeiten an den Bahnhöfen - und das bei eisigen Temperaturen. Die Streikmaßnahmen der Lokführer haben bereits für Turbulenzen gesorgt. Überzieht die Lokführergewerkschaft ihren Kampf?
FinanzNachrichten.de v.28.2.11: *"DGB-Chef: Lokführergewerkschaft nicht solidarisch* Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hat sich kritisch zu den Warnstreiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) geäußert. Was die Lokführer in dem Tarifkonflikt "im Vergleich zu den anderen Gruppen zusätzlich herausholen, ist für den Rest der Bahn-Beschäftigten verloren..." Man muß es sich nur einmal auf der Zunge zergehen lassen: Der DGB-Chef fällt kampfbereiten Gewerkschaftern in den Rücken!!! Herr Brüderle von der FDP ist wohl bereits eine besserer Arbeitnehmer-Vertreter als viele Gewerkschaftsbosse. Traurig, traurig. -
3. Nein...
masch 03.03.2011
Zitat von sysopZugausfälle, Wartezeiten an den Bahnhöfen - und das bei eisigen Temperaturen. Die Streikmaßnahmen der Lokführer haben bereits für Turbulenzen gesorgt. Überzieht die Lokführergewerkschaft ihren Kampf?
...die Streiks für gleiche Bezahlung sind gerecht und müssen unterstützt werden. Ich habe eine BC 100 und beschwere mich wegen der Uneinsichtigkeit der Bahnunternehmen und nicht bei den arbeitenden Menschen. Die sollen Lokführer gleich gut bezahlen, denn die machen auch einen guten und wichtigen Job!
4.
Kirschelein 03.03.2011
Zitat von masch...die Streiks für gleiche Bezahlung sind gerecht und müssen unterstützt werden. Ich habe eine BC 100 und beschwere mich wegen der Uneinsichtigkeit der Bahnunternehmen und nicht bei den arbeitenden Menschen. Die sollen Lokführer gleich gut bezahlen, denn die machen auch einen guten und wichtigen Job!
Es bestreitet doch keiner, dass Lokführer keinen guten Job machen! Es geht darum, dass die Arbeit im Nahverkehr und im Fernverkehr unterschiedlich ist. Der eine kann jeden Tag zur Familie nach Hause, der andere ist wochenlang unterwegs, muss in Hotels oder sonst wo übernachten und hat damit andere Arbeitsvoraussetzungen. Da ist es doch fair, dass der, der seltener daheim ist und weniger Freizeit hat mehr Geld hat als der, der daheim sein kann.
5. Ja
jackweil 03.03.2011
Zitat von sysopZugausfälle, Wartezeiten an den Bahnhöfen - und das bei eisigen Temperaturen. Die Streikmaßnahmen der Lokführer haben bereits für Turbulenzen gesorgt. Überzieht die Lokführergewerkschaft ihren Kampf?
ganz eindeutig.
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Der Tarifstreit in der Bahnbranche
Die Beteiligten des Tarifstreits
Die Lokführergewerkschaft GDL sitzt mehreren Vertretern der Arbeitgeberseite gegenüber. Zu den Verhandlungspartnern gehören die Deutsche Bahn, sechs Privatbahnen des Personennahverkehrs (Abellio, Arriva, BeNEX, Hessische Landesbahn, Keolis und Veolia Verkehr) und sechs Güterverkehrsunternehmen.
Die Kernforderung der GDL
Die zentrale Forderung der GDL ist ein Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer in Deutschland, unabhängig davon, ob sie bei der Deutschen Bahn (DB) oder bei Privatbahnen arbeiten. Diese Vereinbarung soll für Lokführer im Fern, Nah- und Güterverkehr gelten. Dabei fordert die GDL ein einheitliches Einkommen auf dem Niveau des Marktführers DB plus fünf Prozent. Die teils bis zu 30 Prozent niedrigeren Entgelte bei Privatbahnen sollen stufenweise angeglichen werden.
Warum sich die Privatbahnen wehren
Die privaten Betreiber fürchten höhere Kosten durch Löhne, die auf DB-Standard liegen. Mittelständische Unternehmen könnten sich die Entgelte des Marktführers nicht leisten, sagen die Privatbahnen. Ihr Credo: Für unterschiedliche Tätigkeiten sollen unterschiedliche Entgelte gezahlt werden. Denn die privaten Anbieter sind im Regionalverkehr aktiv. Sie argumentieren etwa, dass Lokführer im Güterverkehr im Gegensatz zu ihren Kollegen im Nahverkehr oft Nachtfahrten haben. Die GDL argumentiert, solche Unterschiede könnten durch Zulagen ausgeglichen werden.
Die Rolle der Konkurrenzgewerkschaft EVG
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) als Konkurrenz zur GDL hat bereits einen Branchentarifvertrag mit der Deutschen Bahn und den sechs großen Privatbahnen abgeschlossen, allerdings nur für den Nahverkehr. Die GDL lehnt einen Anschluss an diesen Vertrag aber ab und kritisiert, dass sich die EVG gegen die Arbeitgeber nicht richtig habe durchsetzen können.
Die Stellung der GDL
Neben der GDL gibt es in der Bahnbranche auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die GDL vertritt nach eigenen Angaben drei Viertel aller Lokführer. Darum sieht sich die Gewerkschaft allein berechtigt, Tarifverträge für Lokführer abzuschließen. Bei der DB hat die GDL das alleinige Mandat, für die Lokführer des Unternehmens zu verhandeln. Bei den Privatbahnen dagegen beansprucht auch die EVG für sich, die Lokführer zu vertreten.
Warum die GDL die Deutsche Bahn bestreikt
Mit dem Streik trifft die GDL die Deutsche Bahn am härtesten - obwohl der Konzern bei den Gehältern der Branchenprimus ist und somit die Forderung der Gewerkschaft schon weitgehend erfüllt. Doch weil Streiks beim Marktführer Bahn von der Öffentlichkeit am meisten wahrgenommen werden, trifft es auch den DB-Konzern.
Weitere Forderungen der GDL
Neben einem Flächentarifvertrag besteht die GDL auf einer Reihe spezieller Regelungen für Lokführer, zum Beispiel auf einem erweiterten Kündigungsschutz bei Arbeitsunfähigkeit nach Unfällen.
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