Höllisch kreativ Britischer Lord spart Steuern mit Satan

Lord Jeffrey Archer war Bestsellerautor, Parlamentarier - nun gebührt ihm der Sonderpreis für kreatives Steuersparen: Um seine Abgaben zu drücken, schloss er einen faustischen Pakt mit einem Museum.

Lord Jeffrey Archer: Steuern sparen mit Satan
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Lord Jeffrey Archer: Steuern sparen mit Satan


Der Teufel steckt ja bekanntlich oft im Detail, so war es auch bei der Steuererklärung von Lord Jeffrey Archer. Um seine Abgabenlast zu reduzieren, spendete er laut "Financial Times" ("FT") einem Museum ausgerechnet eine Satansstatue.

Die 80 Zentimeter große Bronzestatue zeigt eine melancholisch dreinschauende geflügelte Gestalt. Modelliert wurde sie dem Bericht zufolge in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts von dem Künstler Jean-Jacques Feuchère.

Archer, Bestsellerautor, Ex-Parlamentarier und Multimillionär, hat sie dem Ashmolean Museum in Oxford vermacht. Der Lord nutzte dazu das sogenannte Cultural Gifts Scheme, ein seit 2013 gültiges Gesetz, dass es lebenden Mäzenen erlaubt, dem Staat Kunstwerke zu vermachen - und ihre eigene Einkommensteuer oder Kapitalertragsteuer um bis zu 30 Prozent des Werts des Kunstwerks zu reduzieren. Archer habe auf diese Weise gut 48.000 Pfund gespart, schreibt die "FT". Das Museum bedankte sich für die edle Spende.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Name Jeffrey Archer mit infernalen Themen in Verbindung gebracht wird. Im Jahr 2000 war der Lord wegen Meineids zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Im Knast schrieb er drei Bücher: "Fegefeuer", "Hölle" und "Himmel". Die Namen entlehnte er Dantes "Göttlicher Komödie".

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insgesamt 27 Beiträge
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gedoens 07.02.2016
1. Hä?
Wenn ich richtig verstanden habe, hat er 48000 Pfund Steuern gespart indem er etwas im Wert von 160000 Pfund verschenkt hat. Ein Cleverle. Was ist das für eine Null-Meldung?
RainerCologne 07.02.2016
2.
@1: Dann wird das Geschäft über den Einkauf gemacht. Für 10k einkaufen, 20 Jahre in den Keller stellen, für 160k bewerten lassen.
pterodactylus 07.02.2016
3. Ich kann jetzt nicht nachvollziehen, warum das ein Steuerschlupfloch sein soll
Zum einen ist das schlecht wiederholbar. Zum anderen macht man damit keinen Gewinn. Im Gegenteil, der Staat hat ein Kunstwerk mit "Bezahlung" von 30% seines Wertes erstanden. Ich frag mich, wer da das bessere Geschäft gemacht hat. Zuguter Letzt sind gemeinnützige Spenden auch hier von der Steuer absetzbar.
multilateral 07.02.2016
4.
@gedoens Möglicherweise handelt es sich bei den 160k Pfund um einen Schätzwert. In der Kunst kann es durchaus sein, dass von manchen Gutachtern einer Sache ein Schätzwert im sechsstelligen Bereich zugesprochen wird, es sich aber kein Käufer findet - schon gar nicht zu dem Preis. Für 15-25% kann man sie vielleicht loswerden, insbesondere kurzfristig. Dann kommen allerdings noch zahlreiche Gebühren (Aktionsgebühr usw.) sowie Steuern dazu. Da kann es schon interessant sein, die 30% Alternative in Form einer Steuerersparnis einzustreichen, die man darüber hinaus tatsächlich vollständig ohne Abzüge bekommt.
spiegelleser987 07.02.2016
5.
Wenn es so Gesetz ist, ist es keine Trickserei. Was ist es denn für ein Museum? Ist es ein staatliches, hat der Staat 160.000 Pfund gespart, weil er das Kunstobjekt nicht bezahlen musste. Wenn über Steuern geredet wird, sollte man vollkommen andere Dinge der angeblichen Steuerbetrüger mal erwähnen. Wer hier in DE sein privates Auto verkauft und damit Geld einnimmt, muss keine Steuern bezahlen. Wer hier jedoch seine privaten alten Geräte, wie z.B. Waschmaschinen, auseinander nimmt und das Kupfer vom Motor zusammen mit den alten verzinkten Regenwasserrohren seines privaten Hauses zu einer Recyclingfirma bringt (damit es wieder nachhaltig verwendet wird), gilt plötzlich als Steuerbetrüger, weil er Geld dafür bekommen hat. Er muss dann Strafe und Zinsen zahlen. Sollen wir nun Kupfer in die Mülltonne werfen, um nicht als Steuerbetrüger bezeichnet zu werden?
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