Bestellerprinzip für Makler Hurra, es funktioniert!

Seit einem Jahr gilt: Wer einen Makler beauftragt, muss ihn bezahlen - in der Regel der Vermieter. Das Gesetz wirkt. Und wenn Wohnungsvermittler tricksen, können sich Mieter wehren.

Makler in einer Wohnung (Symbolbild)
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Makler in einer Wohnung (Symbolbild)

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Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Makler sind kreative Menschen. Zwar dürfen sie seit knapp einem Jahr von Wohnungssuchenden nicht mehr ohne weiteres eine Courtage für die Vermittlung einer Mietwohnung nehmen. Denn seit 1. Juni 2015 gilt: Wer eine Leistung beauftragt, bezahlt. Aber nicht jeder Makler hält sich daran - Beispiele zeigen den Ideenreichtum der Branche.

In den Wohnungsangeboten auf den gängigen Immobilienportalen für Hamburg, einem der am stärksten umkämpften Mietmärkte Deutschlands, tauchen seit einem Jahr immer neue Gebühren auf. Da gibt es die "einmalige Vertragsgebühr in Höhe von EUR 150,00", die "Meldebestätigungs- und Vertragsausfertigungsgebühr von 150,00 Euro", die "Schreibgebühr in Höhe von 148,50 Euro €inklusive Mehrwertsteuer" oder die "Bearbeitungsgebühr und Auslagenerstattung in Höhe von€€ 98,77 Euro".

Es sind kleine Summen im Vergleich mit der üblichen Maklercourtage in Höhe von zwei Monatskaltmieten plus Mehrwertsteuer, die Wohnungssuchende in Hamburg bisher zähneknirschend zahlten. Mietwohnungen ohne Makler zu finden war fast unmöglich, auch wenn die meisten Interessenten selbst die Angebote suchten, an Massenbesichtigungen teilnahmen und Selbstauskünfte bis zum Gehaltzettel vorlegten. Der Makler entschied darüber, wer einziehen durfte, und er verdiente - vor allem gemessen am Aufwand - gut.

"Das Gesetz ist ein Volltreffer"

Das ist vorbei, seit die Bundesregierung das Wohnungsvermittlungsgesetz neu geregelt hat, unter anderem mit dem Bestellerprinzip, wonach derjenige den Makler zahlt, der ihn beauftragt - in der Regel also der Vermieter. Mietervertreter geben sich geradezu begeistert: "Das Gesetz ist ein Volltreffer", lobt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Vor allem im Vergleich zur Mietpreisbremse, die zeitgleich verabschiedet wurde - und keinen Effekt hat - sei das Bestellerprinzip sinnvoll. "Es ist einfach, gut nachvollziehbar, es hat keine Ausnahmeregelungen und es kommt vollständig bei den Mietern an."

Auch die Vermieter als Auftraggeber haben etwas von dem Gesetz: "Jetzt können sie auf Augenhöhe mit den Maklern verhandeln", sagt Ropertz. Die Courtage habe sich seitdem eher in Richtung einer Monatskaltmiete eingependelt. Dem Immobilienverband Deutschland (IVD) zufolge, Interessenvertretung vieler Makler, sind die Umsätze auch deshalb um 20 Prozent zurückgegangen - deutlich weniger, als die Branche befürchtete. Zwar klagt der Verband vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz, aber "der Markt hat sich zurechtgeruckelt", sagt Sun Jensch, IVD-Bundesgeschäftsführerin.

Natürlich versuchten Makler, das Gesetz zu umgehen, aber das seien Ausnahmen, sagt Mietervertreter Ropertz, "vielleicht kann man auch sagen, es sind sehr viele Ausnahmen". Der IVD legt für seine Mitglieder die Hand ins Feuer: "Es halten sich alle an das Gesetz, solche Gebühren sind nicht zulässig", sagt Jensch.

Gibt es einen Schwarzmarkt für Wohnungen?

Beide halten es für unwahrscheinlich, dass die Mehrheit der Makler betrügt. Denn wer gegen das Gesetz verstößt, kann mit dem Verlust der Lizenz bestraft werden. Zudem können die Mieter jeden Euro zu Unrecht gezahlter Gebühren zurückfordern; und das noch drei Jahre später. Unehrliche Makler sitzen also gleichsam auf einer Zeitbombe. Ropertz rät allen Mietern, die seit dem 1. Juni 2015 für die Vermittlung ihrer Wohnung eine Gebühr gezahlt haben, zum Mieterverein oder einem Anwalt zu gehen.

Ist also alles in Butter? Oberflächlich sieht es so aus. Allerdings gibt eine Untersuchung in Hamburg Rätsel auf: Jedes Jahr überprüft eine Schulklasse des Gymnasiums Ohmoor die Mietpreisentwicklung in der Hansestadt. Dafür werten die Schüler die Angebote der großen Internetportale für Mietwohnungen aus. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Zahl der Angebote um gut ein Drittel zurückgegangen.

Die Immobilienwirtschaft macht dafür die Eigentümer verantwortlich, die sich die Maklergebühr sparen und ihre Wohnungen selbst vermitteln. Es kursieren aber auch andere Gerüchte: Offenbar habe sich ein Schwarzmarkt entwickelt, auf dem die Wohnungen jetzt unter der Hand vergeben werden - vermutlich gegen gutes Geld.


Zusammenfassung: Das vor einem Jahr für Makler eingeführte Bestellerprinzip funktioniert nach Ansicht von Mietervertretern und der Immobilienwirtschaft gut. Zwar erfinden einige Makler unzulässige Gebühren, Mieter können die aber binnen drei Jahren zurückfordern.

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insgesamt 241 Beiträge
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see_baer 26.05.2016
1. Die große Frage:
Würde ich noch einmal in den Mietwohnungsbau investieren? eher nicht!
termitenbaer 26.05.2016
2. Besichtigungsgebühr...
...mein(t)en aber manche Makler dennoch verlangen zu dürfen. War dann aber wohl nicht so. Die bekommen den Hals wohl nie voll genug: https://mieterverein-stuttgart.de/de/news/landgericht-erklaert-besichtigungsgebuehren-bei-der-wohnungsvermittlung-fuer-unzulaessig.html
hanfiey 26.05.2016
3. Schwarzmarkt
Einen Schwarzmarkt gab es früher schon, da bekam die Wohnung oft wer dem Makler den dickeren Umschlag in Aussicht stellte und das selbst bei Sozialwohnungen. Das hier mal gegen gesteuert wird wurde höchste Zeit. 30 Jahre haben die Damen und Herren viel zu leicht zu viel bekommen mit einer Ware die so knapp ist und war das man ruhig von Monopol reden kann
UnNamedGER 26.05.2016
4.
Komisch, mir erzählte ein Makler vor kurzem dass es aussichtsreicher wäre eine Wohnung über ein Wohnungs Portal im Internet anzubieten als über einen Makler und dieses Gesetz eher dazu geführt hätte dass Wohnungen im Bekanntenkreis vermittelt würden als dass sie auf dem freien Markt zu kriegen seien wie es das Ziel war.
MissMorgan 26.05.2016
5. und genau das läuft
Ich habe Makler gekannt, die vom Vermieter die Courtage kassierten und vom Mieter auch noch ein hohes Bargeld. Ich habe Hausverwaltungen gekannt, die vom Makler 50% der Courtage haben wollten. Ich habe Interessenten gehabt, die trotz Termin und Erinnerung nicht gekommen sind. Gestern: Von zehn Interessenten (über knapp drei Stunden) kamen die ersten und die letzten, eine sagte ab. Sieben kamen nicht, obwohl sie dringend die Wohnung brauchen und bitte, bitte einen Termin haben wollen. Klar, beim nächsten Mal mache ich auch einen oder zwei Termine und jage sie dann durch. Ich kenne auch Interessenten, die dreimal ins Objekt gehen um was auszumessen, weil der Makler ja sein Geld sonst zu einfach verdient. Es gibt auch Mieter, die versierte Makler mit Lebenserfahrung nicht über ihre Zahlungsunfähigkeit oder -unwilligkeit hinwegtäuschen können. Wenn das Leben doch so einfach wäre - die armen, unschuldigen Mieter und die bösen Makler.
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