Berlin - Die Studie, die die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang April vorstellte, sorgte für Aufsehen: Die Kernaussage war, kurz gefasst, die Deutschen haben die kleinsten Vermögen in der gesamten Euro-Zone. Zwar sind die Ergebnisse umstritten, diese Aussage aber setzte sich fest. Die Bundeskanzlerin weist diese Interpretation in der "Bild"-Zeitung zurück: "Rein statistisch sind Länder wie Spanien, Zypern oder Griechenland pro Haushalt reicher als wir", sagte Angela Merkel. "Aber Vorsicht: Die Statistik ist verzerrt."
Die Deutschen sind nach Ansicht Merkels reicher als die EZB vermutet. So nutzten in den südlichen Euro-Staaten viel mehr Menschen Häuser und Wohnungen als Altersvorsorge. "In Deutschland dagegen gibt es starke gesetzliche und betriebliche Rentensysteme. Die hohen Rentenansprüche der Deutschen aber sind in dieser Vermögensstatistik nicht enthalten, ebenso wenig Immobilien oder Vermögen, das Deutsche im Ausland haben", sagte Merkel. "Deshalb sehen die Durchschnittsvermögen der Deutschen kleiner aus als sie sind."
Der EZB-Studie zufolge besitzen Deutsche im Mittel ein Vermögen von 51.400 Euro, Österreicher von 76.400 Euro. Im gerade erst vor der Staatspleite geretteten Zypern haben die Menschen demnach im Mittel ein Vermögen von 266.900 Euro, in Italien von 173.500 Euro und in Spanien von 182.700 Euro.
Merkel forderte die Euro-Staaten dazu auf, wettbewerbsfähiger zu werden. "Ich will einen leistungsstarken Kontinent, der seinen Bürgern auch in Zukunft Wohlstand bieten kann", sagte sie der Zeitung. "Europa soll führend sein in der Welt, das sind wir in vielen Bereichen heute nicht", so die Bundeskanzlerin. Auf die Frage, ob die deutsche Reformpolitik das Vorbild für Europa sei, sagte Merkel: "Ich sehe Deutschland als ein Land, an dem man gut sehen kann, dass Reformen wirken."
Gleichzeitig würdigte die Kanzlerin die Reformanstrengungen in Südeuropa. "Alle südeuropäischen Länder haben mehr oder weniger die Reformen eingeleitet, die nötig sind, damit sie wieder auf einen soliden Weg kommen." Sie wisse, dass viele Menschen unter schmerzhaften Einschnitten zu leiden hätten. "Aber im Kern gilt: Jedes Land kann auf Dauer nur von dem leben, was es erwirtschaftet. Jedes Land braucht eine wettbewerbsfähige Wirtschaft, braucht eine industrielle Basis, groß oder klein. Wohlstand auf Pump geht nicht mehr, das muss allen klar sein."
nck/dpa/Reuters
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