Bundesweiter Index Wo die Mieten am stärksten steigen

München und Stuttgart sind immer noch einsame Spitze - doch eine umfangreiche Auswertung zeigt: Am stärksten steigen die Bestandsmieten aktuell nicht im Süden, sondern im Norden und Osten der Republik.

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Für Stadtbewohner, die kein Wohneigentum besitzen, ist es eine beunruhigende Entwicklung: Die Mieten in deutschen Städten steigen zunehmend stärker - und zwar nicht nur bei neuen Verträgen. Auch die Bestandsmieten legen im Durchschnitt mit beschleunigter Dynamik zu. Die ortsüblichen Vergleichsmieten in Deutschland sind in diesem Jahr im Schnitt um 2,1 Prozent gewachsen, im Vorjahr waren es noch 1,8 Prozent. Das zeigt der Mietspiegelindex, den das Forschungsinstitut und Beratungsunternehmen F+B regelmäßig erstellt.

Der F+B-Mietspiegelindex wertet alle amtlichen Mietpreisübersichten in Deutschland aus. Das ist aussagekräftiger als die Betrachtung von Wohnungsanzeigen. Denn die Mietspiegel dokumentieren Niveau und Entwicklung jener Wohnkosten, die Mieter derzeit zahlen.

NORD = Berlin (westl. Bezirke), Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein

OST = Berlin (östl. Bezirke), Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

NRW = Nordrhein-Westfalen

MITTE = Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland

SÜD = Baden-Württemberg, Bayern

Um einen sinnvollen Vergleich anstellen zu können, definiert F+B eine Modellwohnung: Diese ist 65 Quadratmeter groß, liegt in mittlerer Wohnlage und besitzt eine mittlere Ausstattung mit ebensolchem Sanierungsgrad und Energieverbrauch. Für den Index hat F+B die Nettokaltmieten in 347 Städten und Gemeinden verglichen - also die Mietkosten ohne Betriebs-, Heiz- und Stromkosten.

Bei genauerer Betrachtung der Ergebnisse verläuft die Entwicklung in verschiedenen Regionen Deutschlands leicht unterschiedlich: Im Norden sind die Bestandsmieten um durchschnittlich 3,0 Prozent und damit am stärksten gestiegen, auch im Osten lag die Zunahme mit 2,3 Prozent über dem bundesdeutschen Schnitt. In beiden Regionen lag die Wachstumsrate auch über der des Vorjahrs.

In absoluten Beträgen, so das Ergebnis des Mietspiegelindex, zahlen deutsche Mieter im Schnitt 6,72 Euro pro Quadratmeter. Die Spannbreite ist allerdings groß - und hier bilden weiter Städte in Süddeutschland die Spitze. In München und Stuttgart liegen die Bestandsmieten mit 10,22 Euro beziehungsweise 9,92 Euro pro Quadratmeter mit Abstand am höchsten - damit ist Stuttgart in diesem Jahr sehr nahe an den Dauerspitzenreiter München herangerückt.

Bei der bayerischen Landeshauptstadt macht sich diesmal allerdings ein statistischer Effekt bemerkbar - Mitte des Jahres erschien dort ein neuer Mietspiegel mit veränderten Parametern für die Berechnung. Für die von F+B verwendete Modellwohnung lagen die Bestandsmieten dadurch um fast einen Euro pro Quadratmeter unter den Werten des Vorjahrs.

In Köln, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt am Main liegen die Bestandsmieten zwar deutlich unter diesem Niveau, aber immer noch klar über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Vor allem ostdeutsche Städte rangieren unter diesem Durchschnitt.

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Mietspiegel-Index: In diesen Städten ist Wohnen teuer

Die starken Mietsteigerungen gerade in den Metropolen seien auf deren Wirtschaftskraft zurückzuführen, sagt Bernd Leutner, Geschäftsführer von F+B: "Ein attraktives Arbeitsplatzangebot zieht weitere Wohnungsnachfrager an, der Wohnungsmarkt wird enger und das insgesamt steigende Mietniveau wirkt sich sukzessive auch im Bestand aufgrund von Mieterhöhungen im Rahmen bestehender Verträge und höheren Neuvermietungsmieten aus."

Das hat Folgen. Denn die Mietspiegel, die F+B für den Vergleich heranzieht, sind elementar für die Mietpreisbremse. Laut Gesetz dürfen Mieten bei Neuverträgen in der Regel nur noch zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen, die wiederum im Mietspiegel abgebildet wird. Zwar ist die im Juni 2015 eingeführte Mietpreisbremse ohnehin oft wirkungslos und könnte demnächst vor dem Bundesverfassungsgericht landen - doch selbst wenn sie effektiv reformiert würde, könnte sie den Aufwärtstrend bei den Mieten nicht stoppen.



insgesamt 151 Beiträge
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Testweise 18.12.2017
1. Klingt arg niedrig
Wer findet denn in München eine Wohnung für 10€ pro qm2? Ich weiß, dass hier alte Bestandsmieten, die im Schnitt viel niedriger sind, mit eingerechnet werden aber diese Zahl gibt einen völlig falschen Eindruck von der Wohnungsnot in München, wo 20qm WG Zimmer schon 400-600€ kosten. Oder vielleicht ist mit mittlerer Lage hier Augsburger Umland gemeint... Ist noch Einzugsgebiet und man bekommt mit etwas Glück eine 65qm Wohnung für 650€ kalt.
Sapatus 18.12.2017
2. Die Mietpreisbrems ist sinnlos
Die Mietpreisbremse ist sinnlos, wer baut in München, wo ein Vermögen für ein Grundstück zu zahlen ist, denn noch günstige Mietwohnungen, wenn er seine Ausgaben nicht mehr reinbekommt? Konsequenz ist, dass nur noch Eigentumswohnungen für Reiche entstehen. Kommunale Träger sind da ein Tropfen auf dem heißen Stein, zumal die Wohnungen den sozial Schwachen zur Verfügung gesellt werden - was zwar richtig ist - Davon hat aber die Mittelschicht, die auch wo leben muss, wenig. Fakt ist, dass die komplett verhunzte Politik daran schuld ist: Das geht los beim Bund und der EU, die jeden Bau durch das Bauplanungsrecht verteuern und verzögern, bis hin zur Kommune, die durch zögerliche Ausweisung von neuen Bauflächen die Baulandknappheit befördert. Dazu kommen noch solchen Highlights wie die Weigerung in München, in die Höhe zu bauen. Ich kann immer noch nicht verstehen, was daran so toll ist, in verschachtelten Mietskasernen mit fünf Stockwerken zu leben, die unter maximaler Ausnutzung des Platzes eng aneinander gebaut wurden - man kann quasi dem Nachbarn gegenüber die Hand aus dem Fenster reichen -, anstatt in einem Hochhaus, das durch die notwendigen Abstandsflächen in eine Parklandschaft eingebettet ist und dennoch insgesamt mehr Wohnraum bietet. Die große Maße der arbeitenden Bevölkerung wird damit aus dem Großraum München verdrängt, damit der Traum vom "Dorf München" den Wohlhabenden erhalten bleibt. Freilich sind es dann diese Menschen, denen noch der Diesel verboten wird oder die sich durch das vollkommen überlastete Nahverkehrssystem drängen dürfen (in das viel zu wenig investiert wird!).
Anindo 18.12.2017
3. 8,43 Euro pro Quadratmeter in Köln?
Also mit Neu-Vermietungen hat das nichts zu tun und die Preise sind da nicht nur um knapp 2%, sondern knapp 10% gestiegen. Ich und meine ehemaligen Nachbarn wurden übrigens in Köln aus den Wohnungen mit Anwaltsschreiben & co. raus geekelt. Ein bisschen billig modernisiert und Mieten verdoppelt, natürlich auch dank der Ausnahmen für teilmöblierte Wohnungen.
suplesse 18.12.2017
4. Für 8,07 € den qm
bekommen sie in Frankfurt keine Wohnung am Markt mehr zu mieten. Es sei denn diese hat erhbebliche EInschränkungen, wie Gemeinschaftstoilette und Dusche auf dem Hausflur oder ganz und gar fehlende Einrichtungen, die heute zum Standard gehören. Oder die Wohnung ist so runtergewohnt, das notwendig Sanierungen in Eigenleistungen erfolgen müssen. Es mag noch Wohnungen geben die bereits vermietet sind, die so wenig kosten. Für 10 € bis 18 € pro qm bekommt man nach langer Suche etwas.
samsix 18.12.2017
5. Es gibt nur eine Lösung und die dauert
Der Mietpreisanstieg in unseren Ballungsräumen ist Durch die Nachfrage getrieben. Eine Mietpreisbremse kann dagegen nicht helfen, da damit nicht eine einzige neue Wohnung entsteht. Helfen kann hier nur der schnelle Ausweis neuer Baulandflächen und die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren.
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