Diskriminierung von Minderheiten beim Mieten Kleiner, teurer, schlechte Lage

Auf keinem Mietmarkt werden Minderheiten so sehr benachteiligt, wie auf dem deutschen. Das zeigen Forschungsergebnisse aus 40 Jahren. Doch das Ausmaß der Diskriminierung geht zurück.

Wohnungsbesichtigung (Archiv)
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Wohnungsbesichtigung (Archiv)


Peter Rieger und Manfred Schenk haben es leichter als Serkan Öztürk und Mustafa Pamuk - zumindest bei der Wohnungssuche. Denn auf dem deutschen Mietmarkt helfen deutsche Namen, um überhaupt zu Besichtigungen eingeladen zu werden. Allerdings nimmt diese Diskriminierung ab. Das zeigt eine Metastudie, in der Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Konstanz 71 Studien aus den vergangenen 40 Jahren auswerteten.

Die Forscher machten auch eigene Experimente in München und anderen deutschen Städten. Hier testeten sie 24 deutsche und 24 türkische Männernamen in Email-Bewerbungen auf Inserate. Dabei fanden sie keine Diskriminierungshochburgen.

"Ethnische Minderheiten haben mit deutlichen Nachteilen am Mietwohnungsmarkt zu kämpfen, wie Studien zeigen: Sie leben in durchschnittlich kleineren Wohnungen, bezahlen höhere Preise pro Quadratmeter und wohnen zu größerer Wahrscheinlichkeit in schlechteren Gegenden", sagt der Konstanzer Soziologe Thomas Hinz. In vielen der analysierten Experimente wurden unterschiedlich klingende Namen verwendet, um die verschiedene ethnische Herkunft von Bewerbern zu simulieren.

Allerdings wird die Diskriminierung den Forschern nach allgemein zu hoch eingeschätzt. "Das liegt auch daran, dass Studien, die eine starke Diskriminierung belegen, eher publiziert werden", sagt die Soziologin Katrin Auspurg.

Seit 1970 geht die Diskriminierung gegen Minderheiten - beispielsweise aufgrund fremd klingender Namen - bei der Wohnungssuche deutlich zurück. Ein besonders starker Rückgang liege insgesamt seit 2008 vor, in Europa sogar bereits seit 1990 und somit vor der Einführung von Anti-Diskriminierungsgesetzen. Dieser Rückgang gelte auch für geografische Regionen, die eine starke Einwanderung erleben, sowie für Orte, die von Terrorismus bedroht sind.

Laut der Studie werden Minderheiten in allen westlichen Ländern etwa gleich stark bei der Wohnungssuche benachteiligt. Die höchste Rate an Diskriminierung weist dabei Deutschland auf, die niedrigste Kanada. Länderübergreifend werden laut der Studie Personen mit arabischem und muslimischem Hintergrund am stärksten diskriminiert.

Bewerbungsschreiben können helfen

Die Zusammenfassung der 71 Einzelstudien zeigt auch, dass Bewerber ihrer Benachteiligung entgegenwirken können. So würden Personen, die in ihrem Bewerbungsschreiben für eine Mietwohnung viele Informationen über sich selbst angeben, bis zu einem Drittel seltener diskriminiert, sagt Hinz. Ein gut vorbereitetes Anschreiben könne daher ein wirkungsvolles Mittel sein, um Diskriminierung zu vermeiden.

In einem groß angelegten Experiment kamen schon im vergangenen Jahr Datenjournalisten des SPIEGEL und des Bayerischen Rundfunks zu Ergebnissen, die zeigen, dass Bewerber mit ausländischen Namen es auf dem deutschen Mietmarkt schwerer haben.

Mit 20.000 Wohnungsanfragen testeten sie die Chancen fiktiver Bewerber mit deutschen und nicht-deutschen Profilen, zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen zu werden. Arabische Männer werden auch ihren Ergebnissen zufolge besonders benachteiligt. Anders als die nun veröffentlichten Ergebnisse zeigte ihr Experiment außerdem, dass besonders in München die Chancen unterschiedlich groß waren. Für Bewerber mit arabisch klingendem Namen waren sie nur halb so groß wie für Interessenten mit deutschem Namen.

ire/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
thomas0815-1 19.07.2018
1. Was für ein Armutszeugnis
Für diese, unsere Bundesrepublik! Wir haben das Jahr 2018 und wir müssen uns immer noch mit solchen Themen beschäftigten. Aber wir sind ja moralisches sowas von besser als der Rest der Welt!
andere Hobbys 19.07.2018
2. Risiko lässt sich jeder Bezahlen.
Je geringer das Risiko bei Ausfällen oder Schäden ist, um so geringer ist die Miete. Das ist eine einfache Abwägung. Und Vermieter sollten selbst entscheiden können, wen sie zu zu welcher Miete einziehen lassen. Hier werden wieder Opfer hochstilisiert. Wir haben in D. 20 Mio mit MiHiGru und kaum einer wohnt auf der Strasse. Aber Hauptsache es finden sich wieder ein paar arme diskriminierte....
t_mcmillan 19.07.2018
3.
Das hat mit Fremdheit und Vertrautheit zu tun und ist vielleicht bedauerlich, aber völlig normal und aus Sicht der Vermieter auch vernünftig. Ich denke, es geht auch den diversen ethnischen Minderheiten so, dass sie Menschen ihrer eigenen Gruppe leichter einschätzen können als diejenigen einer anderen Gruppe. Man weiß einfach eher, womit man zu rechnen hat. Da Vermieterei ohnehin eine höchst unsichere Sache ist, ist es naheliegend, zusätzliche Unsicherheiten zu vermeiden. Deswegen hilft es auch, viel über sich zu schreiben. Man macht sich bekannt und vertraut. Und deswegen nimmt die Diskriminierung langfristig betrachtet auch ab. Man kennt sich inzwischen doch ganz gut. Und diejenigen aus der dritten oder gar vierten Generation sind eh nicht "fremd", weder in der einen noch in der anderen Richtung.
pom_muc 19.07.2018
4.
https://www.welt.de/vermischtes/article179537038/Bielefeld-Mann-legt-Feuer-in-Wohnung-33-jaehrige-Frau-schwer-verletzt.html Warum soll man sich ein statistisch höheres Risiko ins Haus holen als notwendig?
Europa! 19.07.2018
5. Es gibt sie noch, die interessanten Informationen
Die Diskriminierung wird als zu hoch eingeschätzt. "Das liegt auch daran, dass Studien, die eine starke Diskriminierung belegen, eher publiziert werden", sagt die Soziologin Katrin Auspurg. Und hier noch eine Frage: Kann es sein, dass die Zahl der privaten Vermieter, die persönlich mit ihren Mietern zu tun haben, einfach geringer wird? Werden nicht immer mehr Wohnungen von großen Immobilienfirmen vermietet? Oder von Hausbesitzern, die derselben Minderheit angehören?
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