Bundesweiter Index Mieten in ganz Deutschland gestiegen

Mieten wird zum Luxus in Deutschlands Großstädten. Eine umfangreiche Auswertung zeigt: Auch die Bestandsmieten legen zu. Besonders teuer sind München und Stuttgart.

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Wer in einer Großstadt eine Wohnung sucht, weiß: Günstige Mieten gibt es nicht mehr. Die im Juni 2015 eingeführte Mietpreisbremse ist weitgehend wirkungslos und weil neu vermietete Wohnungen immer teurer werden, steigt auch der Referenzwert - die Bestandsmieten. Im Schnitt kletterten die ortsüblichen Vergleichsmieten in Deutschland im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent. Das zeigt der Mietspiegelindex, den das Forschungsinstitut und Beratungsunternehmen F+B regelmäßig erstellt.

Der F+B-Mietspiegelindex ist die einzige Auswertung aller amtlichen Mietpreisübersichten in Deutschland und ist deshalb aussagekräftiger als die Betrachtung von Wohnungsanzeigen. Sie spiegeln das Niveau und die Entwicklung jener Wohnkosten wider, die Mieter hierzulande derzeit zahlen.

Um die Werte vergleichen zu können, zieht F+B die Nettokaltmieten, also die Kosten ohne Betriebs-, Heiz- und Stromkosten einer 65-Quadratmeter-Wohnung heran, mit mittlerer Ausstattung in mittlerer Wohnlage. Für den aktuellen Index hat das Unternehmen die Mieten in 345 Städten und Gemeinden in Deutschland analysiert. Durchschnittlich, so das Ergebnis, zahlen deutsche Mieter 6,54 Euro pro Quadratmeter.

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Mietspiegel: In diesen Städten ist Wohnen am teuersten

Bei den Großstädten zeigen sich wenig Überraschungen: Auch bei den Bestandsmieten liegt München mit durchschnittlich 11,18 Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete ganz vorne, gefolgt von Stuttgart mit 9,76 Euro. Düsseldorf (8,26 Euro) folgt auf dem 9. Platz, Köln (8,24 Euro) auf Rang 11, Hamburg (8,07 Euro) auf Rang 15 und Frankfurt am Main (7,94 Euro) auf dem 18. Platz. In den Top 20 liegen allerdings auch einige kleinere Städte im weiteren Umland der Metropolen und auch Studentenstädte wie Tübingen (Platz 4) oder Freiburg im Breisgau auf Platz 20.

Berlin immer noch vergleichsweise günstig

Die Münchner liegen mit ihren Mieten um 71 Prozent über dem Durchschnitt, Stuttgarter zahlen 49 Prozent mehr als der aktuelle Bundesdurchschnitt. Düsseldorf, Köln und Hamburg liegen um 26 bis 23 Prozent darüber. Der Grund dafür sei die Wirtschaftskraft der Metropolen, sagt Bernd Leutner, Geschäftsführer von F+B: "Ein attraktives Arbeitsplatzangebot zieht weitere Wohnungsnachfrager an, der Wohnungsmarkt wird enger und das insgesamt steigende Mietniveau wirkt sich sukzessive auch im Bestand aufgrund von Mieterhöhungen im Rahmen bestehender Verträge und höheren Neuvermietungsmieten aus."

Vergleichsweise günstig ist immer noch Berlin - allerdings ist die Stadt bei den Mieten noch geteilt. Im Westen der Bundeshauptstadt zahlen die Mieter im Schnitt 6,46 Euro pro Quadratmeter, im Osten 5,85 Euro - günstiger sind die Mieten nur in ostdeutschen Großstädten wie Schwerin (5,72 Euro) oder Dresden (5,64 Euro).

Die Mietspiegel, die F+B für den Vergleich heranzieht, liegen auch der Mietpreisbremse zugrunde. Das Gesetz sieht vor, dass Mieten bei neuen Verträgen in der Regel nur noch zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürfen - und die wird in den Mietspiegeln abgebildet.

Der Firma zufolge gibt es Mietspiegel in der Regel erst in Städten und Gemeinden ab 10.000 Einwohnern. Von den insgesamt 1559 Orten in Deutschland in dieser Größe hat nur jeder dritte eine entsprechende Liste. In den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern verfügen 89 Prozent über ein entsprechendes Instrument. Einzig die Stadt Bremen muss derzeit noch ohne Mietspiegel auskommen.

Die Top 20 Städte mit dem höchsten Niveau ortsüblicher Vergleichsmieten 2016

Rang Ort Index
1 München 171
2 Stuttgart 149
3 Leinfelden-Echterdingen 149
4 Tübingen 142
5 Germering 133
6 Dachau 130
7 Ditzingen 128
8 Ludwigsburg 128
9 Düsseldorf 126
10 Wiesbaden 126
11 Köln 126
12 Leonberg 125
13 Fellbach 125
14 Remseck am Neckar 124
15 Hamburg 123
16 Darmstadt 122
17 Erding 122
18 Frankfurt am Main 121
19 Bietigheim-Bissingen 120
20 Freiburg im Breisgau 120

Gesamtindex Dtld. = 100; F+B-Mietspiegelindex 2016

insgesamt 155 Beiträge
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Seite 1
mettwurstlolli 02.02.2017
1. Reisserischer Artiekl
Als wenn Mietsteigerungen um sagenhafte 1,8% diese Überschrift wert wären. Und Mieten zwischen 8 und 11 Euro sind jetzt wirklich keinen Aufreger wert. Zumal in Deutschland die Zahl der pro Kopf verbrauchten Quadratmeter Wohnraum seit Jahrzehnten kontinuierlich steigt. Die Leute wohnen also auf immer größerer Fläche - das spricht nicht dafür, dass die Mieten zu hoch sind. ERst recht, weil man mit 11 Euro Miete in den Großstädten keinen Neubau refinanzieren kann.
zeisig 02.02.2017
2. Bevor jetzt wieder das große Gejammere losgeht.....
Die Preise für Wohnungskauf und Wohnungsmiete richten sich wie alles Andere auf der Welt nach Angebot und Nachfrage. Will und kann man sich diese hohen Mieten in den bevorzugten Lagen nicht leisten, dann muß man sich eben umorientieren, entsprechend dem Angebot. Ich verstehe nicht, was daran so schwer zu verstehen ist.
trader_07 02.02.2017
3.
11,18 Euro Durchschnitt in München? Das soll ein Scherz sein, oder? Wenn man bei immobilienscout nach einer 65qm-Wohnung in München sucht (wie im Artikel angegeben), werden einem in den meisten Fällen Mieten zwischen 1100 und 1500 Euro präsentiert.
unzensierbar 02.02.2017
4. Mietpreisbremse als Mietpreisbremse?
Wie wäre es denn wenn man mal die Mietpreisbremse zu einer echten Mietpreisbremse macht? Das heißt, sämtliche Mietpreise erstmal runtersetzen und den Preis gesetzlich regulieren, sodass er nur mit steigendem Durchschnittseinkommen angehoben werden kann.
stoffi 02.02.2017
5.
Zitat von mettwurstlolliAls wenn Mietsteigerungen um sagenhafte 1,8% diese Überschrift wert wären. Und Mieten zwischen 8 und 11 Euro sind jetzt wirklich keinen Aufreger wert. Zumal in Deutschland die Zahl der pro Kopf verbrauchten Quadratmeter Wohnraum seit Jahrzehnten kontinuierlich steigt. Die Leute wohnen also auf immer größerer Fläche - das spricht nicht dafür, dass die Mieten zu hoch sind. ERst recht, weil man mit 11 Euro Miete in den Großstädten keinen Neubau refinanzieren kann.
Doch, das sind sie. Wenn man für eine 50 Quadratmeter grosse Wohnung mit der Ausstattung des Erstbezugs von 1953 schon 400 Euro bezahlt, die einzige Neuerung vor 30Jahren Alufenster und eine Heizung sind, dann ist das schon zu bemängeln, wenn der Mietspiegel sagt, da können doch noch 19 Euro drauf, auch wenn das nicht dem Prozentsatz entspricht, den sie angesprochen haben.
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