Mineralöl in Lebensmitteln Aigner will Giftfarben verbieten

Experten reagieren besorgt: In Lebensmittelproben sind Spuren von Mineralöl entdeckt worden - noch ist unklar, ob für Konsumenten Gesundheitsgefahr besteht. Verbraucherministerin Ilse Aigner will dennoch vorsorglich giftige Farben von Verpackungen verbannen.

Verbraucherministerin Aigner: Nur unbedenkliche Farben auf Lebensmittelverpackungen
dapd

Verbraucherministerin Aigner: Nur unbedenkliche Farben auf Lebensmittelverpackungen


Berlin - Bei Lebensmittelanalysen im Auftrag des ARD-Fernsehmagazins "Plusminus" sind in jeder zweiten Probe Spuren von Mineralöl gefunden worden. So hätten Frühstücksflocken und Grieß Ölspuren bis zu 2,6 Milligramm je Kilogramm Nahrung enthalten, teilte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Montag in Hamburg mit. Insgesamt untersuchte das Kantonale Labor Zürich acht Proben. Das Öl stammt demnach aus den Druckfarben von Zeitungen, die zu Recycling-Verpackungen verarbeitet wurden. Es verwandele sich in Gas und gelange so in die Nahrung. Das Problem sei erst seit kurzem bekannt.

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will giftige Farben auf Verpackungen verbieten. Auf Joghurtbechern, Milchkartons und anderen Verpackungen soll es nach Aigners Plänen nur noch unbedenkliche Farben geben. Das Verbraucherministerium bestätigte am Montag einen Bericht des Berliner "Tagesspiegel".

Die FDP im Bundestag warnte vor einem Schnellschuss. Das Problem liege nicht nur in Druckerfarben, sondern eben auch an der Verpackung, weil im Recycling-Material Druckfarbenreste enthalten sein können. Nach Ministeriumsangaben gibt es zu diesem Problem bereits Beratungen mit der Wirtschaft.

Es gibt keine amtlichen Grenzwerte

Ob die vom Schweizer Labor gefundenen Mengen gesundheitsschädlich sind, ist nicht erforscht. Es gibt keine amtlichen Grenzwerte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) äußerte sich in Berlin besorgt und sprach sich dafür aus, die Belastung so weit wie möglich zu senken. Mineralöl könne Langzeitwirkungen haben, sich im Körper anreichern und Entzündungen in Herz und Leber auslösen.

In der Lebensmittelbranche wird das Problem ebenfalls ernst genommen. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) erklärte in Berlin, zur Minimierung des Risikos müsste dringend auf die Umstellung der Druckfarben an der Quelle eingewirkt werden, also beim Zeitungsdruck.

Der BLL habe seinen Mitgliedern empfohlen, im Verpackungsbereich nur mineralölfreie Druckfarben einzusetzen. Schon jetzt seien Maßnahmen eingeleitet, die in der nächsten Zukunft den Kontakt von Lebensmitteln zu Mineralöl deutlich senken sollten. Notwendig sei ein wirksames Gesamtkonzept in einer angemessenen Zeit.

wit/dpa

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Seite 1
nichtWeich 01.11.2010
1. ....
Zitat von sysopExperten*reagieren besorgt: In Lebensmittelproben sind Spuren von Mineralöl entdeckt worden - noch ist unklar, ob für die Konsumenten Gesundheitsgefahr besteht. Verbraucherministerin Ilse Aigner will giftige Farben*von Verpackungen verbannen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,726597,00.html
Es gibt keine Grenzwerte und eine Schädigung der Gesundheit ist auch nicht nachgewiesen......aber erstmal alles als giftig bezeichnen? Ist das Lebensmittel untersucht werden, aber zunächst alles verteufeln ist eher frech.....lassen Sie doch bitte erstmal entsprechende Untersuchungen laufen und dann können wir alle meckern.
hansulrich47 01.11.2010
2. Die übliche Panikmache
Schon wieder haben "Experten" etwas gefunden. Leider leben solche Experten von Theater, vom übertreiben, nicht von der Realität. Die Frage, ob Mineralöl "Gift" ist kann nach Paracelsus beantwortet werden: Jedes Ding ist Gift, es kommt auf die Dosis an. Spuren von irgendwas findet man überall, man muß nur suchen. Mineralöl enthält Paraffine. Die haben ihren Namen von parum affinis, reagiert wenig oder nicht. Vor so 'ner Chemikalie hat nur Angst, wer vor allem Angst hat. Ich empfehle nicht mehr zu tanken, weder Diesel noch Benzin, Fleckentferner und andere Reinigungsmittel zu vermeiden. Der Jounalist hat mal wieder toll recherchiert, die Mineralöle werden "gasförmig" und sammeln sich im Lebensmittel. Na ja. Richtig wäre, sie haben einen geringen Dampfdruck, sie diffundieren und lösen sich als gut fettlösliche Substanzen im Fett der Lebensmittel. Wie sagt Bodo Bach: Ich hätte gern mal ein Problem.
MiB303 02.11.2010
3. .
Also Mineralöl gehört definitiv nicht ins Essen. Oder kochen sie zu Hause mit 10w30 Öl statt mit Rapsöl ? Wenn es nicht gesundheitsschädlich ist, wieso darf man es dann nicht wegschütten, sondern muss es teuer entsorgen ?
mat_1972 02.11.2010
4. ...
Zitat von nichtWeichEs gibt keine Grenzwerte und eine Schädigung der Gesundheit ist auch nicht nachgewiesen......aber erstmal alles als giftig bezeichnen? Ist das Lebensmittel untersucht werden, aber zunächst alles verteufeln ist eher frech.....lassen Sie doch bitte erstmal entsprechende Untersuchungen laufen und dann können wir alle meckern.
Genau.... Erstmal alles rinn in de Kopp, ´s wird scho´ schmegge. Mögliche Gefahren zu verharmlosen ist genauso kontraproduktiv wie auf "keine Grenzwerte" zu verweisen. Dies lässt nur auf ein gefährliches Mass an Obrigkeitshörigkeit schliessen.
avollmer 02.11.2010
5. Problematik
Wenn ich die beim googlen und in Wikipedia gefundenen Informationen über Mineralöl im Körper richtig deute, dann beruht das Problem auf dem fehlenden Abbau vieler Mineralölbestandteile im Körper, schlicht gesagt, es lagert sich ein. Genauso wie es sich im Fettanteil der Lebensmittel anreichert, reichert es sich auch im Körperfett an und wird nicht ausgeschieden. Eine ständige sehr geringe Kontamination kann deshalb auch bedenkliche Werte erreichen. Wahrscheinlich wird es richtig problematisch, wenn sehr fette Personen, die über viele Jahre Mineralöl in ihrem Körperfett eingelagert haben stark abnehmen und es zu eine Aufkonzentration im verbleibenden Fettgewebe kommt. Auch dieser Vorgang zeigt wieder, dass bei Lebensmitteln und industriellen Nahrungsmitteln besondere Vorsicht geboten ist und Risikovorsorge professionell betrieben werden muss. FMEA und andere QS-Methoden müssen auch für den Bereich der menschlichen Ernährung verpflichtend werden. Giftfarben bedürfen keines Verbots, sondern nur einer Aufhebung der Ausnahmegenehmigung. Toxische und krebserregende chemische Verbindungen sind grundsätzlich verboten. Es gibt nur eine Ausnahme- und Grenzwertliste. Diese sollte Frau Aigner hinterfragen und zur Disposition stellen. Und wenn dann manche Fertigungsverfahren und Produkte nicht mehr machbar sind, dann sind sie eben nicht mehr machbar. Das Mindeste wäre es auf Produkten, die Spuren derartiger Schadstoffe enthalten, den Anteil an der maximalen Jahresdosis anzugeben. Beispielsweise bei einem Seefisch oder Pilzen, ein deutlicher Warnhinweis "Q 0,12" wenn es ein Achtel der Jahresdosis Quecksilber enthält oder "R 0,33" wenn ein Drittel der unbedenklichen Jahresmenge Radioaktivität enthalten ist. Verzichten kann man auf derartige Hinweise nur, wenn ein Zehntel der Tagesdosis unterschritten wird. In allen Fällen in denen mehr enthalten ist, kann es theoretisch zu gefährlichen Kumulationseffekten kommen und der Verbraucher muss über diese Gefahr informiert werden. Dann kann er selbst entscheiden ob er ein Risiko eingeht oder nicht.
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