Allianz-Berechnung Mini-Zinsen kosten deutsche Sparer im Schnitt 67 Euro im Jahr

Die mickrigen Zinsen kommen Deutschlands Sparer teuer zu stehen. Laut Allianz summierte sich der Verlust 2013 auf 67,60 Euro pro Kopf im Vergleich zur Zeit vor der Finanzkrise. Dieses Jahr fällt das Minus wohl noch größer aus.

Euro-Münzen: Die EZB senkte mehrfach den Leitzins
REUTERS

Euro-Münzen: Die EZB senkte mehrfach den Leitzins


Frankfurt am Main - Ob Tagesgeld, Festgeld oder Sparbrief - bei bewährten Anlageformen bekommen deutsche Verbraucher derzeit nur Mini-Zinsen. Der Finanzkonzern Allianz hat berechnet, wie sich die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den Konten der Sparer niederschlagen. Demnach summieren sich die Verluste insgesamt auf mehrere Milliarden Euro.

Die Allianz hat die Zinssätze 2013 mit den Durchschnittszinsen der Jahre 2003 bis 2008 verglichen und dann die durch die gelockerte Geldpolitik "entgangenen" Zinsen auf der Einlagenseite den Zinsgewinnen bei Krediten gegenüberstellt. Das Ergebnis: Die Menschen in Deutschland verloren 2013 unter dem Strich pro Kopf 67,60 Euro. In den Zahlen ist allerdings der Inflationseffekt nicht berücksichtigt. Derzeit liegen die Sparzinsen meist unter der Inflationsrate und Sparer verlieren real Geld. Andererseits ist die Teuerungsrate sehr niedrig, was Verbraucher entlastet.

"Der Zinsverlust hat sich von 34,20 Euro im Vorjahr fast verdoppelt, weil die Einlagenzinsen stark gesunken sind, vor allem die Baudarlehen aber kaum noch nachgaben", sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen. "Das zeigt, dass die deutschen Haushalte ihren Beitrag für die extrem lockere Geldpolitik der EZB zur Unterstützung der schwächeren Länder zahlen müssen."

Laut Zahlen des ersten Quartals dürfte der Pro-Kopf-Verlust 2014 sogar auf 71,60 Euro ansteigen. Verstärkt wird der Effekt laut Allianz dadurch, dass immer mehr Geld in kurzfristige Einlagen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten gesteckt werde.

Früheren Berechnungen der Allianz zufolge haben die Menschen in anderen Euroländern von den Mini-Zinsen profitiert. Dort sanken die Zinsen auf laufende Kredite, was wiederum die Mini-Rendite auf Spareinlagen kompensierte. Der Effekt war in Ländern wie Italien und Spanien besonders groß, denn dort sind Kreditverträge mit variablen Zinsen üblich. Das heißt, niedrige Leitzinsen wirken sich stärker auf laufende Kreditverträge aus.

Die EZB hatte Anfang Juni den Leitzins in der Eurozone auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und den Banken erstmals einen Strafzins aufgezwungen, um die Kreditnachfrage anzukurbeln. Da die Kreditinstitute ihrerseits die Einlagenzinsen wohl rasch kappen dürften, wird Sparen für die Kunden immer unattraktiver.

mmq/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 130 Beiträge
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Seite 1
Humboldt 23.07.2014
1. Tja
Zitat von sysopREUTERSDie mickrigen Zinsen kommen Deutschlands Sparer teuer zu stehen. Laut Allianz summierte sich der Verlust 2013 auf 67,60 Euro pro Kopf im Vergleich zur Zeit vor der Finanzkrise. Dieses Jahr fällt das Minus wohl noch größer aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/mini-zinsen-kosten-sparer-in-deutschland-laut-allianz-milliarden-a-982463.html
Das tut mir natürlich wahnsinnig leid für die 20 % Betroffenen in der Bundesrepublik. 80 % sind von Minizinsen nicht wirklich schlimm betroffen, selbst bei privaten Lebens- und Rentenversicherungen. Die haben nämlich nix!
spmc-135322777912941 23.07.2014
2. Es lohnt sich also doch arm zu sein ....
ich verliere wesentlich mehr Geld. Da muss der Bund einspringen, so geht das doch nicht.
rkinfo 23.07.2014
3. Aktien ...
Zitat von sysopREUTERSDie mickrigen Zinsen kommen Deutschlands Sparer teuer zu stehen. Laut Allianz summierte sich der Verlust 2013 auf 67,60 Euro pro Kopf im Vergleich zur Zeit vor der Finanzkrise. Dieses Jahr fällt das Minus wohl noch größer aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/mini-zinsen-kosten-sparer-in-deutschland-laut-allianz-milliarden-a-982463.html
Die Ära von sicheren Zinseinnahmen wird sich dem Ende nähern besonders wenn gewollt die Inflation ansteigen sollte. Dazu kommt dass viele Menschen viel Geld haben während der Bedarf an Kredit incl. Staat stagniert bis rückläufig sich entwickelt. Nur Geldanlagen in Bereiche die mitwachsen bei Inflation macht dann noch Sinn. Dabei ist aber Flexibilität bzgl. Rendite angesagt und besonders der Aspekt 'Alterssicherung' zu überdenken. Vorteil der Lage ist aber dass sich der Staat nicht weiter verschuldet und Altschulden per Inflation sich für ihn ermäßigen im Laufe der Jahre . Heute nahezu zahlungsunfähige Kommunen wären dann in 15-25 Jahren wieder begrenzt handlungsfähig - notwendig und wichtiger als Sparerzinsen.
thrifter 23.07.2014
4. Unheimlich...
...werden mir langsam die Warnungen unserer 'Elite' vor der niedrigen Inflation. Ich sehe nur, daß ich bei gleichbleibendem Einkommen und gleichbleibenden Preisen mir nächstes Jahr genauso viel (bzw. genauso wenig) leisten kann wie dieses Jahr. Könnte es vielleicht doch daran liegen, das die niedrige Inflation das Wunschtempo der Einkommensumverteilung von unten nach oben ungebührlich verringert?
makuzei 23.07.2014
5.
Zitat von sysopREUTERSDie mickrigen Zinsen kommen Deutschlands Sparer teuer zu stehen. Laut Allianz summierte sich der Verlust 2013 auf 67,60 Euro pro Kopf im Vergleich zur Zeit vor der Finanzkrise. Dieses Jahr fällt das Minus wohl noch größer aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/mini-zinsen-kosten-sparer-in-deutschland-laut-allianz-milliarden-a-982463.html
Wer bspw 300.000 angespart hat für seine Altersversorgung verliert nicht 70 Euro - sondern um 15.000 pro Jahr- komisch,wie wenig die Medien sich um solche Fälle kümmern.- 30 Euro in Spanien sind ein Thema-aber 15.000 € in Deutschland nicht. Die ganze Alterversorgung weggetrümmert - und die Medien reden von 67 € -richtig schmerzlich gegenüber 15.000
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