Ethik beim Klamottenkauf Hauptsache viel, Hauptsache billig

Links blinken, rechts abbiegen: Viele Jugendliche beklagen die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Obwohl vielen klar ist, dass ihre Klamotten selten ethisch einwandfrei sind, kaufen sie einer Studie zufolge unverdrossen Massenware.

Designerinnen der Modekette Zara: Konsequenzen ziehen die Wenigsten
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Designerinnen der Modekette Zara: Konsequenzen ziehen die Wenigsten


Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren sind erstaunlich gut über die Probleme bei der Herstellung von Textilien informiert. Ihr Konsumverhalten ändert das jedoch nicht, wie eine neue Studie der Umweltorganisation Greenpeace zeigt. So haben mit 96 Prozent der Befragten nahezu alle davon gehört, dass Arbeiter in der Modeindustrie oft unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. Dass Bekleidung mit Chemikalien behandelt wird, ist 83 Prozent bekannt. Und immerhin 74 Prozent haben von negativen Auswirkungen auf die Umwelt gehört. Das berichtet das Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 14/2015
Ein Pilot, 149 Opfer

Konsequenzen ziehen daraus allerdings die Wenigsten: Nur 13 Prozent der Befragten, also knapp jeder Achte, gab an, beim Kauf auf die Herstellungsbedingungen oder Textilsiegel zu achten. "Gerade junge Konsumenten haben zwar eine Vorstellung davon, wie Kleidung hergestellt wird und welches Elend im Namen der Mode angerichtet wird", sagt Kirsten Brodde, Textilexpertin bei Greenpeace. "Allerdings blenden sie das aus, wenn es um den konkreten Kauf eines Kleidungsstücks geht." Ein Grund für dieses Verhalten könnte laut der Studie sein, dass Alternativen, nämlich Secondhand-Nutzung, Recycling oder der Kauf von sogenannter Eco-Fashion immer noch mit Vorurteilen behaftet ist.

Im Schnitt kauft jeder Deutsche fünf neue Kleidungsstücke im Monat, Jugendliche eher mehr. Die Hälfte aller Jugendlichen gibt bis zu 40 Euro, die Älteren vermehrt sogar über 50 Euro im Monat für Kleidung aus.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
digade 29.03.2015
1. 5 Klamotten
im Monat! Die kaufe ich in ca. einem Jahr. Was mache ich falsch?
twaddi 29.03.2015
2.
Richtig zynisch kann man denken , dass es leichter ist, als Vegetarier die armen Tiere vor Massentierhaltung bewahren zu wollen, als sich um die Kinder in Sweatshops zu sorgen. Information ist das eine, Empathie das andere.
robin-masters 29.03.2015
3. Prinzipiell
Das ist kein Problem von Jugendlichen und auch kein Problem was nur Kleidung betrifft. Die ganze Menschheit weiß das Sie Ihre eigene Lebensgrundlage zerstört und das schon seit Jahrhunderten. Passiert ist bisher nichts.... bekanntlich kommt erst das Fressen und dann die Moral. Fragen Sie mal die ganzen SUV-Fahrer (oder alle anderen überzüchteten Vehikel), Die Leute die min. alle 2 Jahre ein neues Smartphone kaufen, die 3x im Jahr in den Urlaub fahren und dann möglichst Fernreisen. Oder den Mitarbeiter in der Öl- , Chemieindustrie (etc.) der gutes Geld verdient. (Wessen Brot ich ess dessen Lied ich sing) Außer Bücher, Parolen und Konzerte und natürlich Artikel in der Presse - wie dieser hier -. Ist nichts passiert. Wobei auch niemand Alternativen zeigt. Wenn es eine geben würde müssten sich alle dran halten - und spätestens seit dem Sozialismus weiß man ja wie gut das funktioniert.
hansbriegel 29.03.2015
4. 100 % Aufschlag auf den Einkaufspreis
Leider wieder kein Wort darüber, dass auf Einkaufspreise im Textilhandel 100 % draufgeschlagen wird. Der Käufer ist natürlich schuldig. Wenn die Discounter 70 % für sich kassieren, statt 100 %,wären 30 % für bessere Bedingungen bei der Produktion und im Verkauf vorhanden.
Topf Gun 29.03.2015
5. Ja
Ja, es ist auch zu schön, die ganze Malaise auf den jugendlichen Verbrauchern abzuladen. Da gibt es Leute, die zuerst reagieren sollten. Nennt sich Politiker oder so...... Sind doch die Intelligenteren, oder nicht ?
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