Giftfreie Kleidung Greenpeace lobt H&M, Primark und Zara

Greenpeace kämpft seit Jahren gegen Umweltverschmutzung durch Textilkonzerne. Jetzt kommt die Organisation zu einem überraschenden Ergebnis: Viele Modefirmen produzieren giftfrei, nur die Luxusmarken schneiden schlecht ab.

H&M-Filiale in Tokio: Greenpeace-Lob für den Trendsetter bei giftfreier Produktion
REUTERS

H&M-Filiale in Tokio: Greenpeace-Lob für den Trendsetter bei giftfreier Produktion

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Hamburg - Mit Lob geht Greenpeace äußerst sparsam um, normalerweise äußert die Umweltschutzorganisation beißende Kritik. Ein Lieblingsgegner ist die Modebranche: Jedes Jahr veröffentlicht Greenpeace Daten von Kleidung, die mit umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Schadstoffen belastet ist. So weit, so erwartbar.

Jedes Jahr fordert die Organisation von den Modekonzernen, sich zu einer sauberen Textilproduktion zu verpflichten. Dieses Jahr ist allerdings einiges anders: "Die meisten Firmen stehen zu ihrem Wort und beginnen, Mode zu produzieren, die die Umwelt verkraften kann", sagt Kirsten Brodde, Textilexpertin von Greenpeace.

Trendsetter in der sauberen Herstellung sind demnach Marken wie Zara, Esprit, H&M oder die Billigkette Primark. Auch Burberry, C&A oder Levi's bekommen ein dickes Lob von Greenpeace. Zur Spitzengruppe gehören auch Sportartikelhersteller wie Puma und Adidas sowie sieben weitere Modefirmen. Die haben laut Greenpeace besonders schädliche Chemikalien bereits aus ihrer Produktion verbannt. Zudem seien sie "Vorreiter im Kampf gegen Wasserverschmutzung", heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung im Rahmen der Greenpeace-"Detox"-Kampagne.

Mit der "Detox"-Initiative setzt sich Greenpeace seit 2011 dafür ein, dass gefährliche Chemikalien aus der Textilherstellung komplett verschwinden. 29 Hersteller haben sich bereits selbst dazu verpflichtet, giftige Substanzen bis 2020 aus der Produktion zu verbannen. In der aktuellen Veröffentlichung hat Greenpeace die untersuchten Firmen in einer Art Nachhaltigkeitsranking in die Kategorien "Trendsetter", "Greenwasher" und "Schlusslichter" eingeteilt.

Sonderlob für H&M und Zara

Haben Firmen besonders gefährliche Schadstoffe aus ihrer Produktion bereits entfernt und Abwasserdaten veröffentlicht, dann werden sie als "Trendsetter" geführt, was bei 16 Firmen der Fall ist. So verbannte H&M als erste Firma schon vor zwei Jahren die krebserregenden und hormonell wirksamen PFC, die Kleidung gegen Schmutz und Wasser imprägnieren. Die Modekette Zara hat die Abwasserdaten von mehr als hundert Fabriken offengelegt, mehr als jede andere Firma.

Kritik für Nike, Li Ning und Luxusmarken

Problematisch sind laut Greenpeace weiterhin Nike und der chinesische Sportartikelkonzern Li-Ning. Beide Unternehmen belasten ihre Kleidung "weiterhin mit umwelt- und gesundheitsgefährdenden Schadstoffen", obwohl sie eine entsprechende Selbstverpflichtung abgegeben haben, dies nicht mehr zu tun.

Auf der Kampagnenwebsite sollen Verbraucher nachvollziehen können, welche Modefirmen ihre Lieferketten offenlegen und was sie dafür tun, um mit wenigen oder ganz ohne gefährliche Chemikalien auszukommen. Dort erklärt Greenpeace auch detailliert, welche Chemikaliengruppen eliminiert werden sollen.

Absolute Schlusslichter sind der Untersuchung zufolge übrigens weltbekannte Luxusfirmen wie Hermès, Louis Vuitton, Versace oder Armani, die Greenpeace nach bewährter Art kritisiert: "Die angeblichen Edelmarken scheren sich nicht um giftfreie Produktion", sagt Brodde, dabei müsse es gerade bei den hohen Preisen dafür einen Spielraum geben. Alle erwähnten Firmen äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht zu der von Greenpeace geäußerten Kritik.

Allerdings: Keine der Luxusfirmen hat jemals eine "Detox"-Verpflichtung abgegeben.

Zusammengefasst: Viele Modefirmen halten laut Greenpeace ihre Selbstverpflichtung zu giftfreier Produktion früher ein als geplant. Die globalen Luxusmarken tun allerdings noch wenig bis nichts.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
tuess 19.03.2015
1.
"Allerdings: Keine der Luxusfirmen hat jemals eine "Detox"-Verpflichtung abgegeben." Da bekommt man den Eindruck es ginge nicht um Umweltschutz sondern um simple Ehrlichkeit. Warum sollte man da auch Kritik üben? Immerhin haben sie nie vorgegeben Gutes zu tun, dann ist es doch auch völlig in Ordnung wenn sie die Welt zerstören. Ein sehr enttäuschender Satz zum Abschluss des Artikels.
Artgarfunkel 19.03.2015
2. Vorbildlich!
Da hat sich die angeblich so verheerende "Geiz-ist-geil"-Mentalität der Verbraucher gelohnt, wie man sieht. Auch günstig produziert kann gut sein. So helfen die Billiganbieter, die Umwelt in den Herstellerländern und bei uns zu schützen, retten Menschenleben an den Produktionsstandorten und zeigen soziale Verantwortung. Das muss eine schlimme Nachricht für alle Bessermenschen sein, die den Konzernen "moderne Sklaverei" und andere Ungeheuerlichkeiten an den Kopf werfen.
HaPee 19.03.2015
3. Silberstreif am Horizont und kuriose Folge
Die von den Arbeitssklaven in den Produktionsländern vergifteten Klamotten treffen hier wenigstens nicht mehr die eher Bedürftigen. Sondern genau jene, die sich hier mit den Statussymbolen des Goldenen Kalbes die Krone der Selbstbespiegelung aufsetzen. Das hat doch wenigstens mal Gesicht.
dernordenrockt 19.03.2015
4. Wunder gibt es immer wieder...
aber hier wurde vielleicht nur Schutzgeld gezahlt:Wir erinnern uns an den Fall Lidl: Bei Lidl waren von jetzt auf gleich Obst und Gemüse rückstandsfrei, als Lidl das Greenpeace-Magazin in großen Mengen einkaufte und ins Altpapier entsorgte. Ein Schelm, wer Schlimmes dabei denkt....
Skeptika 19.03.2015
5. Das ist ja ganz phantastisch,
jetzt müssen diese Firmen nur noch zu menschenwürdigen Produktionsbedingungen gezwungen werden - da sieht es nämlich gerade bei den hier so hochgelobten Billiganbietern wahrlich finster aus!
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