Preiserhöhung bis zu 70 Prozent Verbraucherzentrale sucht "Mogelpackung des Jahres"

Weniger Inhalt, dafür verhältnismäßig mehr Verpackung: Die Verbraucherzentrale Hamburg lässt auch in diesem Jahr wieder per Online-Abstimmung die dreisteste Mogelpackung küren und hat fünf Kandidaten nominiert.

VZHH

Verbraucher können wieder über die "Mogelpackung des Jahres" abstimmen. Fünf Produkte mit versteckten Preiserhöhungen sind für den Negativpreis nominiert.

Die Verbraucherzentrale Hamburg führt die Online-Abstimmung durch, deren Ergebnis am 21. Januar veröffentlicht werden soll. Nominiert wurden Chipsletten von Lorenz, Smarties von Nestlé, Mini Babybel von Bel, eine Truthahnsalami des Discounters Lidl sowie ein Fruchtaufstrich der Firma Grafschafter.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bekam eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 2000 Hinweise auf Mogelpackungen. Aus diesen wurden fünf Kandidaten ausgewählt, bei denen die Hersteller "versteckte Preiserhöhungen besonders dreist und raffiniert durchgesetzt haben", teilte die Verbraucherzentrale mit. Hier geht es zur Abstimmung.

Chipsletten bis zu 70 Prozent teurer

So seien die neuen Chipsletten bis zu 70 Prozent teurer, weil die Füllmenge bei gleichem Preis von 170 auf 100 Gramm schrumpfte. Zugleich sei die Menge an Verpackungsmaterial im Vergleich zum Inhalt um rund 25 Prozent gestiegen. Bei den Smarties fehlten in der Riesenrolle 20 Gramm Schokolinsen, der Preis blieb aber gleich. Die Firma Bel packt eine Käsekugel weniger in ihr Babybel-Netz.

Die Truthahnsalami Light von Dulano enthalte den Verbraucherschützern zufolge nicht weniger Fett als die normale Variante, obwohl die Verpackung das suggeriere. Trotzdem sei sie wegen eines geringeren Inhalts 33 Prozent teurer. Der Apfelaufstrich namens Obstwiese von Grafschafter wird neuerdings in einem kleineren Glas und unter anderem Namen verkauft - bei gleichem Preis.

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"Mogelpackung des Jahres": Wer hat die Preise am dreistesten erhöht?

Die Hersteller verweisen den Verbraucherschützern zufolge unter anderem auf eine nötige Vereinheitlichung von Produkten in verschiedenen Ländern, auf höhere Produktionskosten durch das Siegel "ohne Gentechnik" und auf Wünsche der Verbraucher nach kleineren Gläsern. Mit dieser Umstellung seien höhere Produktionskosten verbunden.

Die Verbraucherzentrale kritisierte jedoch, dass es keine zusätzlichen Hinweise auf geringere Füllmengen auf den Etiketten gebe. Die Hersteller versuchten im Gegenteil, "ihre Tricksereien clever zu kaschieren". Auf der Internetseite umfrage.vzhh.de kann über die "Mogelpackung des Jahres 2018" abgestimmt werden.

brt/AFP

insgesamt 93 Beiträge
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wasistlosnix 03.01.2019
1. Es fehlt der Diesel
Bestellt ein umweltfreundliches Auto mit niedrigem Verbrauch, bekommen eine Dreckschleuder mit hohem Verbrauch.
richey_edwards 03.01.2019
2. Hersteller können es nicht recht machen
Produzieren sie billig mit Gentechnik kommt Kritik, produzieren sie teuer ohne Gentechnik kommt auch Kritik. Verkaufen sie grosse Mengen z.B. Schokolade billig heisst es zu viel, wir verfetten. Verkaufen sie teurer heisst es wir wollen mehr für's Geld. Wie man's macht, es gibt immer was zu meckern. Industriefeindlichkeit ist so einfach.
fkfkalle3 03.01.2019
3. Strafsteuer und Boykott ?
Danke für die Info, die Produkte sind für mich Geschichte, - die Macht der Konsumenten. Ansonsten müssen unangemessene Verpackungen einer Sanktion unterliegen. Es ist nicht einzusehen, dass in Folge des sicher notwendigen Schutzes der Umwelt, gewisse Verpackungsingenieure denselbigen permanent umgehen, also sanktionieren. Gründe für die Preisanhebung wird es geben, zum Beispiel eine sehr schlechte Ernte in Folge der ungewohnt heissen Witterung, Angebot und Nachfrage. Als Kunde sehe ich das Problem durchaus. Das bedeuetet nicht, dass ich mich veralbern lasse, also keine Geschäftsbeziehung.
dasfred 03.01.2019
4. Ich komme auch mit 78,5g Packungen besser klar
Diese ewigen hundert Gramm Packungen fordern den Geist beim umrechnen einfach nicht richtig. Natürlich gibt es noch den Grundpreis am Regal, für den ich zum Einkauf immer meine Lesebrille mitnehme. Beim Grundpreis ist der Unterschied zwischen Marke und NoName besonders auffällig und wer sich darauf konzentriert, dem fallen auch dieses versteckten Preiserhöhungen schneller auf. Mir geht es schon lang auf den Keks, dass es abgepackte Wurst nur noch in Mini oder als Familiengebinde im Regal gibt. Entweder zu teuer oder zu viel, um in normaler Zeit verbraucht zu werden. Bleiben nur selbst gemachte Pizza, Auflauf oder Eintöpfe um die Reste zu verwerten.
andree_nalin 03.01.2019
5. Diese Auswüchse sind sicherlich auch eine
Folge des dramatischen Preiskampfes im Bereich des Lebensmittelhandels, aber sicherlich kein Freibrief für Verbrauchertäuschung. So wie die Preisauszeichnungspflicht mit dem Bezug auf 1 kg oder 1l z.B. müssten Angaben her über die effektive Preiserhöhung eines Produktes innerhalb von ein oder zwei Jahren. Sonst wird der Verbraucher nie eine Chance haben, Mogelpackungen im Regal zu lassen. Gegen die Lebensmittelampel hatte sich seinerzeit Landwirtschaftsminister Seehofer mit den fadenscheinigsten Argumenten gewehrt und im Sinne der Lebensmittelindustrie gegen den Verbraucher gehandelt. Genauso dürfte der Versuch scheitern, durch Preistransparenz, Mogelpackungen den Garaus zu machen.
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