Teures Wohnen Münchner sollen ihre Stadt zurückkaufen

München gilt als Deutschlands teuerste Großstadt. Oberbürgermeister Reiter will das Problem nun über einen Bürgerfonds lindern. Auch die Bundesregierung plant nach SPIEGEL-Informationen Maßnahmen gegen steigende Mieten.

Münchner Innenstadt
imago/Sven Simon

Münchner Innenstadt


Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will mit neuen Instrumenten gegen hohe Miet- und Immobilienpreise in seiner Stadt vorgehen. So plädiert Reiter dafür, einen Bürgerfonds einzurichten, über den sich Anleger an Wohnungen beteiligen können, welche jedoch nicht zu Höchstpreisen vermietet werden sollen.

Zuletzt hat die Stadt München verstärkt ihr Vorkaufsrecht ausgeübt, wodurch beispielsweise im vergangenen Jahr 366 Wohnungen in öffentlichen Besitz gelangten. "Wir können aber nicht alles kaufen, vielmehr sollten sich die Münchner ihre Stadt zurückkaufen", sagte Reiter dem SPIEGEL.

Als Vorbild sieht der Kommunalpolitiker das Modell der Wohnungsgenossenschaften, die auch die Verwaltung der kollektiv finanzierten Wohnungen übernehmen könnten. Die Erhaltungssatzung, welche den Vorkauf ermöglicht, will Reiter auf das gesamte Münchner Stadtgebiet ausdehnen.

München gilt als teuerste Großstadt Deutschlands. Sowohl die Miet- als auch die Kaufpreise sind dort in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen und liegen auf sehr hohem Niveau. Laut einer Mietspiegelauswertung für 2018 zahlte man dort für eine 65 Quadratmeter große Wohnung in mittlerer Lage und mit mittlerer Ausstattung 10,45 Euro pro Quadratmeter.

Bundesregierung will Mietspiegel neu berechnen

Der Mietspiegel einer Stadt soll die sogenannten ortsüblichen Vergleichsmieten abbilden, die zum Beispiel für die Anwendung der Mietpreisbremse herangezogen werden. Um diese Vergleichsmieten zu errechnen, werden Wohnungen nach Lage, Größe, Baujahr und Ausstattung bewertet.

Die Berechnung ist allerdings umstritten, weil bisher nur neue Verträge oder Mieterhöhungen aus den vergangenen vier Jahren einbezogen werden. Die Bundesregierung will das nach SPIEGEL-Informationen nun ändern - und stattdessen die vergangenen sechs Jahre heranziehen. Darauf haben sich Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Justizministerin Katarina Barley (SPD) geeinigt.

Mit der Änderung soll der Anstieg der Mieten vor allem in Ballungsgebieten begrenzt werden, weil die Miete bestehender Verträge nur bis zu dieser Obergrenze erhöht werden darf.

Der Mieterbund hatte gefordert, die Mieten der vergangenen zehn Jahre zur Berechnung des Mietspiegels heranzuziehen. Vor allem in der Union hatte es Widerstand gegen eine neue Berechnung gegeben.

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fri/ran



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
mrbrown1 15.03.2019
1. interesanter ansatz
die stadt will kein geld mehr ausgeben da es kein gewinnbringedes geschäft ist und nun fragt sie die bürger/anleger um ihr geld damit sie billigen wohnraum schaffen und der anleger ein minusgeschäft macht.... muss man nicht verstehen....
dickidoro 15.03.2019
2. Mietniveau in münchen
Wien macht es vor, wie man die Wohnungsmieten menschenfreundlich regulieren kann. Aber das System der Wohnungsbaugenossenschaften sind ebenfalls ein gutes Instrument. Und dann natürlich auch Wohnungsneubau nach dem Vorbild in NL; die Baukosten sind signifikant niedriger als in D und demzufolge sind auch die Mieten viel günstiger.
M.W. aus A. 15.03.2019
3. Zu was ähnliches gib es in Belgien schon Jahrzehnte
In Belgien können mindestens drei Personen eine Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht (VoG) gründen. Mit dem eingesammelten Geld werden dann meistens kleine Einfamilienhäuser gebaut, seltener Mehrfamilienhäuser. Die Häuser sind solide gebaut mit einer normalen Ausstattung. Nachteil dieser Häuser ist, daß sie wie ein Ei dem anderen gleichen, wenigstens im Grundriß. Diese Häuser werden dann vermietet, in der Regel an nicht so kapitalstarke Familien mit Kindern. Da die VoG keine Gewinne erzielen darf, wird das Geld in den Unterhalt der Häuser gesteckt, bzw. in den Bau weiterer Häuser. So entstehen zum Teil Siedlungen. Die Gemeinden / Städte können sich auch an einer VoG beteiligen. Die Mieten liegen im unteren bis mittlerem Bereich. Diese Siedlungen sind meistens durch die gleichen Häusertypen zu erkennen, aber auch daran, daß sie immer top gepflegt sind. Ferner bieten einzelne VoGs eine Art Mietkauf an: durch Zahlung einer höheren Miete kann das Haus im Laufe von in der Regel 30 Jahren erworben werden. Zinsen werden hier nur minimal berechnet und in den dreißig Jahren wird das Haus wie ein Mietobjekt gepflegt.
Grünspahn 15.03.2019
4.
München hat letztes Jahr gem. dem Artikel 366 Wohnungen per Vorkaufsrecht erworben. Wie viel Wohnungen würden letztes Jahr in München verkauft? Warum sollen Bürger sich am Kauf einer Wohnung beteiligen, das Mietrisiko und Erhaltungsaufwendungen tragen und dann noch eine geringe Mieteinnahme erzielen? Bei einer Wohnungsbaugenossenschaft bekomme ich irgendwann eine Wohnung. In die über den Bürgerfonds finanzierte Wohnung wird der Anteilseigner nicht bevorzugt einziehen können. Für mich erschließt sich der Vorteil des Ganzen nicht.
om108 15.03.2019
5. Der Unverfrorenheit der Immobilienbesitzer
und -gesellschaften, sich hemmungslos an dem Grundnbedürfnis Wohnraum zu bereichern, müssen dringend kreative und bezahlbare Konzepte entgegengesetzt werden. Sonst heißt es irgendwann: Erst wenn der Mieter seinen letzten Euro für die Miete ausgegeben hat, wird er erkennen, dass ihm nichts mehr zum Leben bleibt.
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