Nachhaltige Geldanlage Grün ist die Hoffnung

Gute Rendite und gutes Gewissen: Immer mehr Deutsche lassen sich von vermeintlich ökologischen Geldanlagen locken - und vertrauen ihr Geld zum Teil auch dubiosen Firmen an, die enorme Renditen mit Wind, Kakaobohnen oder Wäldern versprechen.

Werbung der Green Planet Group: Erfundener Ökostandard?
Green Planet

Werbung der Green Planet Group: Erfundener Ökostandard?

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Hamburg - Es ist schwierig, bei solchen Zahlen nicht in Versuchung zu geraten: Acht Prozent Zinsen garantiert, Rückzahlung nach drei Jahren und mit dem eingesetzten Kapital werden Windkraftanlagen errichtet. Oder das: Auf einem Hektar Land in Panama werden zur Hälfte Kakao- und Teakbäume gepflanzt. Die werden gehegt, später geerntet und bringen eine durchschnittliche Jahresrendite von "13 Prozent plus X".

Mit gutem Gewissen Geld verdienen ohne Risiko - kein Wunder, dass die Geschäfte mit diesen als "nachhaltig" beworbenen Geldanlagen blendend laufen. So gut, dass Beobachter schon Ähnlichkeiten zum Neuen Markt sehen, in dem Ende der neunziger Jahre viele ihr Geld wahllos in Internetunternehmen investierten, ohne sich das Geschäftsmodell genau anzusehen.

Max Deml versucht, etwas Ordnung in den Markt zu bringen. In Wien gibt er mit "Öko-Invest" den ersten deutschsprachigen Börsenbrief für nachhaltige Geldanlagen heraus. Seit Deml vor mehr als zwanzig Jahren begonnen hat, ist der Markt regelrecht explodiert. Am Anfang waren es eine Handvoll Firmen und Projekte, die als "grün" bezeichnet werden konnten, "jetzt bekomme ich bis zu 400 Prospekte und Businesspläne im Jahr zugeschickt", sagt er.

Höchstens vier Prozent der Deutschen investieren nachhaltig

"Nur zwei bis vier Prozent der Deutschen haben ihr Geld nachhaltig angelegt", schätzt der Bayer, "obwohl 70 Prozent sagen, sie würden es gerne tun." Für Deml gilt eine Anlage erst dann als nachhaltig wirksam, wenn das Geld direkt für die Finanzierung umweltfreundlicher Technologien, Dienstleistungen oder Produkte eingesetzt wird - eine Definition, die Aktien in der Regel ausschließt, denn beim Aktienkauf über die Börse "bezahlt man den vorherigen Besitzer", sagt Deml, die Firma habe davon nichts.

Allerdings heißt das noch nicht, dass so eine Anlage auch für den Verbraucher nachhaltig ist. Die norddeutsche Firma Prokon erfüllt Demls Kriterium: Die Firma baut Windkraftanlagen, betreibt Windparks mit dem Geld der Anleger, denen Prokon acht Prozent Rendite pro Jahr garantiert. Das Geld wird vor allem aus der Einspeisevergütung für Windstrom erwirtschaftet - ob das aber ausreicht, den mittlerweile mehr als 50.000 Anlegern die Ausschüttung auf die eingesammelten 920 Millionen Euro dauerhaft zu garantieren, ist umstritten. Prokon selbst erklärt die guten Erträge unter anderem damit, dass das Unternehmen kaum Bankdarlehen bedienen muss, zusätzliche Gewinne mit Biomasse erwirtschaftet und generell mit der "hervorragenden Leistungsfähigkeit" der Projekte.

Die Gefahr für die Prokon-Anleger: Sie erwerben nur sogenannte Genussscheine und damit einen jährlichen Zinsanspruch - im Falle einer Insolvenz aber verlieren sie unter Umständen das gesamte eingesetzte Kapital. Anders als Besitzer von Aktien oder Anleihen werden sie im Pleitefall als Letzte bedient - und ein Stimmrecht, also Einfluss auf das Unternehmen, haben sie auch nicht.

Unsichere Anlagen in Tropenwälder

Besonders beworben werden derzeit Anlagen in Bäume, Plantagen und Holz. Öko-Invest-Chef Deml hält diese Projekte für hochproblematisch. Das Modell: Anleger investieren in Produkte mit phantasievollen Namen wie BaumSparVertrag, CacaoInvest oder SmarTeak. Die Anbieter pflanzen dafür Bäume auf Plantagen, zum Beispiel in Brasilien, Panama, Costa Rica oder Vietnam. Nach 20 bis 25 Jahren verkaufen sie dann das Tropenholz. Renditeprognose: Bis zu 25 Prozent pro Jahr. Allerdings: "75 Prozent der Anbieter gibt es nach 20 Jahren nicht mehr", sagt Deml, nicht unbedingt weil sie in betrügerischer Absicht handelten, sondern weil sie der Probleme nicht Herr würden.

So können Wälder von Schädlingen befallen werden, abbrennen oder wegen schlechten Wetters einfach nicht gut wachsen. Wenn die Firmen dann pleitegehen, sehen die Anleger ihr Geld nie wieder. "Selbst manche seriöse Anbieter, die schon zwanzig Jahre am Markt sind, haben lange Krisen durchgestanden", sagt Deml.

Anbau nach Vorgaben eines erfundenen Siegels

Die Gesellschaften werben offensiv für ihre Anlagen: In U-Bahnen, im Fernsehen und auch auf Internetseiten wie SPIEGEL ONLINE. Ein Beispiel unter vielen ist die Green Planet Group, die mit einer "lukrativen Rendite von ca. 13 Prozent p.a." für den Erwerb von Teakholzbäumen in Costa Rica wirbt.

Schaut man genau hin, werden die Renditeversprechen relativiert, zusätzliche Kosten aufgelistet, die die Anleger tragen müssen. Zudem wird bei der Renditeprognose meist von den bestmöglichen Annahmen ausgegangen. Im Kleingedruckten löst sich sogar ein Teil der Ökoversprechen auf: Der nachhaltige Anbau erfolge nach den strengen Richtlinien des FFSCR (Forest Farming Stewardship Costa Rica) heißt es in den AGB - laut Unternehmen "ein Zusammenschluss costa-ricanischer Forstwirte", deren Richtlinien denen des international anerkannten FSC Siegels sehr ähnlich seien. Eine Adresse oder einen Ansprechpartner hat die Institution allerdings nicht.

Sieben Fragen an die Nachhaltigkeit

Die Unstimmigkeiten bei Green Planet sind nur ein Beispiel für die vielen Fragen, die interessierte Käufer an nachhaltige Produkte stellen sollten, sagt Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg. Gerade die Investitionen in Forstprodukte seien unberechenbar: "Ein Problem ist die extrem lange Laufzeit. Keiner kann vorhersehen, was in 25 Jahren passiert." Neben dem Risiko, dass der Anbieter pleitegeht, drohen Brände oder Schädlinge - wenn die Bäume überhaupt gepflanzt werden.

Zu Klug kommen immer mehr Verbraucher, die glaubten, in die gute Sache investiert zu haben, und jetzt feststellen mussten, dass sie ihr Geld jahrzehntelang nicht mehr wiedersehen werden - wenn überhaupt. Klug hat für jeden Anleger sieben einfache Ratschläge:

  • Die Vertragsbedingungen sorgfältig lesen, auch das Kleingedruckte.
  • Nicht in Firmen oder Produkte investieren, die ganz neu auf dem Markt sind.
  • Finger weg von Anlagen, die aggressiv beworben werden oder von Firmen, deren Vertriebsmitarbeiter anrufen und Druck machen ("Wenn Sie diese guten Bedingungen wollen, müssen Sie heute noch abschließen").
  • Skeptisch sein und sehr viele Fragen stellen.
  • Bei Investitionen beispielsweise in Forstprodukte damit rechnen, dass das Geld 25 Jahre lang festliegt.
  • Unsichere Investments wie Tropenholz- und Windenergieanlagen nur als Beimischung im eigenen Portfolio halten, nicht mehr als zehn Prozent.
  • Mit dem Totalverlust des Anlagekapitals rechnen.

Die Verbraucherzentrale Bremen will verunsicherten Anlegern jetzt helfen: Im Spätherbst startet sie eine Transparenzinitiative für "klimafreundliche Geldanlagen". Die Verbraucherschützer wollen möglichst objektive Kriterien entwickeln und am Ende mit einer Art Marktübersicht den Anlegern bei der Auswahl helfen.

Wirklich sicher geprüfte Geldanlagen wird es laut Max Deml aber nie geben. Zu schwierig sei es, die Nachhaltigkeit zu durchleuchten - und zu punktuell die Bewertung. "Sie müssten die Unternehmen alle drei Monate untersuchen, sonst hat das keinen Sinn." Es bleibe dem ökologisch orientierten Anleger nicht erspart, sich gründlich mit seiner Entscheidung zu befassen - und sich an die alte Anlegerweisheit zu erinnern: Höhere Rendite bedeutet immer auch höheres Risiko.



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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
tobiash 28.08.2012
1. Schneeballsystem
Und vor allem mal einen Blick in die Bilanzen werfen. Wenn die Anlagemodell nur dann funktionieren, wenn laufend frisches Geld eingeworben wird, um die Zinsen aus den Anleihen zahlen zu können, dann gilt: Finger weg!
abu_kicher 28.08.2012
2. Mist.
Jetzt hab ich grad letzte Woche fast mein ganzes Kapital in eine Bauschule in Atacama investiert. Was nun?
papayu 28.08.2012
3. Ohne Werbung
wuerden nur wenige "Blaetter" ueberleben!! Wenn ich mein Geld, was ich nicht uebrig habe, lasse ich doch lieber einen Berater von der Commerzbank kommen, der mir dann 10%Rendite bei einer 30.jaehrigen Laufzeit verspricht. Da weiss man, was man hat!Doch nicht ein paar Baeume im Tarzanland. Ach so, ich bin 73 Jahre. Gell!! Soll ich oder soll ich nicht, werte Commerzbank?
zodiacmindwarp 28.08.2012
4. Etwas Geduld....
Zitat von sysopGreen PlanetGute Rendite und gutes Gewissen: Immer mehr Deutsche lassen sich von vermeintlich ökologischen Geldanlagen locken - und vertrauen ihr Geld zum Teil auch dubiosen Firmen an, die enorme Renditen mit Wind, Kakaobohnen oder Wäldern versprechen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,849984,00.html
und ein langes Leben sind natürlich eine zwingende Voraussetzung um die angelegten Gelder mit guuuutem Gewissen nach Ende der Triebzeit von z.B Teakholzplantagen (etwa 80-100 Jahre ) zu verzehren. mkg Zodiacmindwarp
keksguru 28.08.2012
5. optional
da war eine schweizer Firma... die hielten sich für ganz schlau und glaubten ich bezahl für 110 Teakbaumsetzlinge, von denen 70 "ausgeforstet" werden, sprich woanders eingepflanzt und an jemanden anderes verkauft. Nach 16 Jahren wäre es dann soweit, aber was die Firma auch nicht sagte: die Bewirtschaftung findet in Dollar statt, was wiederum ein vollkommeun unüberschaubares Währungsrisiko birgt. 1980 war ein US$ ca 2,30 US$ wert, 1990 bis 2000 schwankte er zwischen 70 und 80 Cent, 2009 war ein $ unter 65 Cent, 2012 wieder bei 75-80 Cent. Versichert gegen Verlust oder Katastrophen war da nichts, aber angeblich brennt Teak ja nicht :-) Dafür wächst es a) in einer Bananenrepublik namens Panama, b) in einem Land mit überbordender Bürokratie: Brasilien c) in einem Land ohne Meinungsfreiheit und Menschenrechte: Vietnam.
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