Warteschleife Selbst schuld, wenn wir Ihre Pakete umleiten

Als Tom König umzieht, stellt er einen Nachsendeantrag. Das geht gehörig schief - weil die Deutsche Post und ihre Paketsparte DHL so tun, als hätten sie nichts miteinander zu schaffen.

DHL-Paketzusteller: "Wir leiten keine Pakete um. Das macht die Post."
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DHL-Paketzusteller: "Wir leiten keine Pakete um. Das macht die Post."

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Wir ziehen um. Damit unsere Post nicht verloren geht, stelle ich rechtzeitig einen Nachsendeantrag bei der Deutschen Post. Das lässt sich inzwischen bequem online erledigen, neben der neuen Adresse muss man lediglich angeben, ob nur Briefe umgeleitet werden sollen oder auch Pakete. Briefe sechs Monate lang abzweigen zu lassen, kostet 25 Euro, für nachgesendete Pakete werden 6,99 Euro fällig - pro Stück. Das erscheint mir etwas happig, weswegen ich auf die Pakete verzichte.

Als ich einige Tage später in meiner noch leeren Neuwohnung die Wände streiche, klingelt es an der Tür. Es ist der Paketbote. Er hat ein Päckchen für mich und möchte dafür 6,99 Euro.

"Nachsendegebühr", erklärt er.

"Aber ich habe das nicht in Auftrag gegeben", erwidere ich.

Er zuckt mit den Schultern. "Dann nehme ich's wieder mit."

"Nein, nein", sage ich. Ich gebe ihm das Geld und kriege mein Paket.

Am Computer schaue ich mir nach diesem Erlebnis die Bestätigungsmail zu meinem Nachsendeauftrag an. Aus ihr geht hervor, dass ich keine Paketumleitung geordert habe - seltsam. Vielleicht ein Irrläufer, denke ich mir und hake die Sache ab.

Am nächsten Tag landen drei Pakete an der neuen Adresse. Mindestens eines davon könnte wichtig sein, nur: welches? Zähneknirschend händige ich dem DHL-Boten die geforderten 20,97 Euro aus.

Mit Paketen haben wir nix zu tun

Ich rufe bei der Hotline der Deutschen Post an. Der Mann am anderen Ende heißt Müller. Und er versteht nicht, wie das passieren konnte. Herr Müller hat meinen Nachsendeauftrag vorliegen und bestätigt mir, dass dieser keine Pakete beinhaltet.

"Okay", sage ich. "Kann ja vorkommen. Können Sie mir das zu viel gezahlte Geld zurücküberweisen?"

"Es tut mir leid, dazu bin ich nicht befugt."

"Aber Sie können meine Beschwerde doch sicher aufnehmen und weiterleiten."

"Leider nein, Herr König. Da müssen Sie sich an DHL wenden."

Aber DHL, argumentiere ich, komme ja wohl kaum von selbst auf die Idee, meine Pakete abzugreifen und an eine andere Adresse weiterzuleiten. Diesen Floh müsse denen ja wohl die Deutsche Post ins Ohr gesetzt haben.

Gerne hätte ich von Herrn Müller dazu eine Antwort gehört. Aber der Fall stresst ihn offensichtlich dermaßen, dass er einfach auflegt.

Jetzt lasse ich meine Pakete an die neue Adresse schicken

Ich probiere es stattdessen bei der Hotline von DHL, übrigens eine hundertprozentige Post-Tochter. Sogar der Vorstandschef ist derselbe. Ich gebe der Dame am anderen Ende, sie heißt Frau Müller, meine Nachsendeauftragsnummer.

"Sorry, aber das ist eine Nummer von der Deutschen Post. Damit können wir nichts anfangen."

"Aber Sie haben mein Paket doch umgeleitet."

"Wir leiten keine Pakete um. Das macht die Post."

Ich bestehe darauf, dennoch eine Beschwerde wegen der zu viel gezahlten 27,96 Euro aufzugeben.

"Ich gebe es gerne weiter. Aber wir bekommen die Informationen von der Post. Vielleicht wäre es am sinnvollsten, wenn Sie erst mal keine Pakete bestellen, bis der Fall geklärt ist."

Vielleicht. Inzwischen lasse ich meine Pakete direkt an die neue Adresse schicken. Das immerhin funktioniert.

Nach einigen Wochen erhalte ich einen Brief von DHL: "Gemäß den uns vorliegenden Informationen liegt unter der von Ihnen genannten Anschrift keine (sic!) Nachsendeauftrag vor." Das zu viel gezahlte Geld könne man jedoch nicht erstatten. Denn der "Beförderungsvertrag wurde zwischen dem Absender und DHL abgeschlossen. Danach kann Ansprüche aus diesem Vertrag … grundsätzlich nur der Absender geltend machen."

DHL rät mir, mich "mit dem Versender zwecks Klärung und Regulierung in Verbindung zu setzen". Das scheint mir ein genialer Tipp zu sein. Wenn ich Amazon erkläre, dass sie meine Pakete zwar an die korrekte Adresse geschickt haben, nun aber irgendwie daran schuld sind, dass ich 27,96 Euro extra berappen musste, überweisen die bestimmt schneller, als ich "Jeff Bezos" sagen kann.

Die Deutsche Post hat sich auch nach mehreren Wochen noch nicht gemeldet. Erst, als ich die Pressestelle einschalte, verspricht man mir, das Geld werde erstattet, gegen Vorlage der Sendungsnummern. Dass es sich dabei um DHL-Codes handelt, scheint plötzlich kein Problem mehr zu sein.

Hatten auch Sie ein besonderes Serviceerlebnis? Dann schreiben Sie an warteschleife@spiegel.de.



insgesamt 131 Beiträge
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Seite 1
mcmercy 20.08.2014
1.
Ja die ehemaligen Staatsunternehmen. Das selbe Spiel wie vor Jahren mit Telekom und T-Online, da wusste auch der eine nichts vom anderen, aber Geld wollten Sie trotzdem kassieren.
Checkker 20.08.2014
2. Selber
Schuld, wenn man die Gebühren gleich bezahlt. Einfach die Pakete zurückgehen lassen. Das geht dann ganz fix mit der Nachsendung, sogar kostenlos. Mir selber so passiert. Nach zwei Paketen kam ein Schreiben von DHL, wohin sie mir meine Pakete nachschicken dürfen. Kostenlos. Aber wer natürlich sofort irgendwelche Gebühren zahlt, der läuft seinem Geld nach. Das ist doch überall so.
MissMorgan 20.08.2014
3. DHL und DHL Express sind auch zwei verschiedene Firmen
Seit zwei Wochen warte ich auf ein Paket. Angeblich hat DHL Express dreimal versucht, es mir zuzustellen. An einem Tag, Freitags. Am Samstag war weder die englische Trackingnummer (mehr hatte ich trotz mehrmaligen Nachfragens des Servicecenters nicht zu bieten), noch war ich mit meiner Adresse zu finden. Der Versender hatte die Nachricht erhalten, die Zustelladresse sei nicht korrekt. Am Montag erhielt ich eine eMail. Ein zweiter Zustellversuch unter einer anderen Adresse wurde versucht. Angeblich wieder dreimal und es gab auch wieder keine Benachrichtigung. Meine DHL Dame kam inzwischen mehrfach mit normal verschickten Paketen und konnte mir leider nicht helfen, weil DHL Express halt wieder eine andere Baustelle ist. Leider hat der Versender keine andere Möglichkeit… Es bleibt spannend.
heavenstown 20.08.2014
4. Wertbrief verloren gegangen...
Ich kämpfe seit Wochen mit der Deutschen Post über die Erstattung des Wertes eines Wertbriefes der auf dem Weg nach Frankreich verloren ging...,etwas mach ich das Spiel noch mit, mein Blutdruck steigt aber schon... Man warf mir unterschwellig schon Betrug vor dass da ja jeder kommen könnte und behaupten im Brief seien N-Euro Wert drinnen gewesen. Als wenn es eine Geschäftsidee ist leere Wertbriefe zu versenden und darauf hoffen dass die verloren gehen und dann den Wert einfordern... Wozu bezahle ich dann das höhere Porto für den erhöhten Wert?
dig 20.08.2014
5. ja, was denn nun?
Der Paketbote hat ein Päckchen, händigt aber ein Paket aus" Aus dem Text: "Es ist der Paketbote. Er hat ein Päckchen für mich und möchte dafür 6,99 Euro." ... "Ich gebe ihm das Geld und kriege mein Paket."
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