Nährwertangaben: Verbraucherschutzministerin gibt Lebensmittel-Ampel keine Chance

Es sollte so einfach sein: Mit der Ampelkennzeichnung sollte der Fett- und Zuckergehalt bei Lebensmitteln mit rot, gelb und grün markiert werden. Doch bei der anstehenden Entscheidung in der EU zum Thema Nährwertangaben wird sich diese Regelung wohl nicht durchsetzen.

Frau im Supermarkt: Gerade Eltern wünschen sich einfache Hinweise Zur Großansicht
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Frau im Supermarkt: Gerade Eltern wünschen sich einfache Hinweise

Hamburg - Am Dienstag stimmt der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments über den Entwurf zur Nährwertkennzeichnung ab. Doch nach Einschätzung von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hat die sogenannte Lebensmittelampel dabei kaum noch eine Chance. Aigner sagte der "Bild am Sonntag": "Die EU-Kommission steht dem Modell kritisch gegenüber und wird es deshalb nicht vorschlagen. Bisher gibt es auch kein einziges Land in der EU, das die verpflichtende Einführung der Lebensmittelampel beantragt hat."

Mit der Ampelkennzeichnung sollten etwa Zucker- und Fettgehalt bei Lebensmitteln mit rot (hoch), gelb (mittel) und grün (niedrig) gekennzeichnet werden. Doch die Industrie lief gegen das Projekt Sturm.

Aigner verwies auf die Schwierigkeiten der simplen Farbeinteilung angesichts der zahlreichen Nährstoffe: "Auch die meisten Verbraucher wissen, dass eine so pauschale Farbeinteilung nicht funktioniert", sagte die CSU-Politikerin. "Danach müsste Bio-Apfelsaft aufgrund des Fruchtzuckers rot gekennzeichnet werden, Diät-Cola aber grün."

Dennoch soll sich die Nährstoffkennzeichnung nach Wunsch der Ministerin auf Lebensmitteln ändern. Vor den neuen Beratungen im zuständigen EU-Ausschuss sagte Aigner: "Bisher sind die Nährstoffangaben auf Verpackungen größtenteils freiwillig. Künftig wird die Kennzeichnung für alle Lebensmittel Pflicht." Dann müssten neben den Kalorien auch der Fettanteil, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker und Salz in absoluten Grammangaben angegeben werden.

Ob die Kalorienangabe auch pro Portion und in Relation zum täglichen Tagesbedarf aufgedruckt sein muss, werde noch verhandelt, erklärte Aigner. "Ich persönlich bin dafür. So kann der Käufer sein Kalorienkonto besser einschätzen."

ase/APD

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Forum - Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?
insgesamt 741 Beiträge
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1.
Hartmut Dresia 10.10.2009
Zitat von sysopDie Liste der Zusatzstoffe auf Nahrungsmittelverpackungen ist oft lang und geheimnisvoll. Nicht jeder Verbraucher kann verstehen, was eigentlich alles in den Lebensmitteln ist, die er im Supermarkt kauft. Notwendiges Fachvokabular oder raffinierte Verschleierungstechnik? Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?
Müsste die Frage nicht auch lauten: Wie kritisch und wie informationsbereit ist der Verbraucher? Häufig ist es doch schlichte Bequemlichkeit, einfach nur im Supermarkt zuzugreifen, statt auch einmal nach anderen Beschaffungsmöglichkeiten und wirklichen Qualitätsprodukten Ausschau zu halten, denn die gibt es auch: 20 Prozent Wachstum für ein Olivenöl der Spitzenklasse (http://www.plantor.de/2009/20-prozent-umsatzwachstum-fuer-ein-olivenoel-der-spitzenklasse/)
2. Ich werde unzerstörbar ;-)
Mocs 10.10.2009
Mein täglich Mittagessen seit Jahren : Schon die Aufschrift "Oriental Style Instant Noodles - Chicken Flavour" klingt überaus exotisch und vielversprechend. Die Zutaten lassen einem erst recht das Wasser im Munde zusammenlaufen : Nudeln: Weizenmehl 70%, Palmöl, Stärke, Salz, Säureregulatoren (E452), E500 und E501, Verdickungsmittel (E412). Suppenmischung: Palmöl, Salz, Gemüse, Geschmacksverstärker (E621, E631, E627), Zucker, Gewürze, Säuerungsmittel (E296) und Huhnaroma (0,09%) Kann man ein Gericht delikater komponieren oder eleganter zusammenstellen ? Ich denke : nein! Da sind zwar ein paar "E"-s drin - aber es schmeckt fantastisch und meine Gesundheit hat sich nicht verändert. Preisgünstiges Essen lässt sich ohne Zusatzstoffe doch fast gar nicht mehr herstellen, da braucht man nicht in Panik zu verfallen.
3.
rabenkrähe 10.10.2009
Zitat von Hartmut DresiaMüsste die Frage nicht auch lauten: Wie kritisch und wie informationsbereit ist der Verbraucher? Häufig ist es doch schlichte Bequemlichkeit, einfach nur im Supermarkt zuzugreifen, statt auch einmal nach anderen Beschaffungsmöglichkeiten und wirklichen Qualitätsprodukten Ausschau zu halten, denn die gibt es auch: 20 Prozent Wachstum für ein Olivenöl der Spitzenklasse (http://www.plantor.de/2009/20-prozent-umsatzwachstum-fuer-ein-olivenoel-der-spitzenklasse/)
...... Natürlich sind letztlich die Konsuemnten schuld, aber haben sie eine andere Wahl? Die Preise werden immer mehr gedrückt, mit Folgen, denn Löhne und Leistungen rund um die Arbeit müssen dementsprechend "verschlankt" werden. Also kann sich ein Großteil der Konsumenten gar nicht mehr erlauben, zu vergleichen und zu hinterfragen, sie müssen das Billiggestanzte aus der Massenproduktion nehmen. Was die Industrie auch weiß, ob Sahne-Käseecken, in denen sich nicht ein Milligramm Sahne befindet oder Erdbeerjoghurt, der bar jedes Fruchtauszugs ist, es wird alles versprochen und nichts gehalten. rabenkrähe
4.
Krassopateras 11.10.2009
Zitat von MocsDa sind zwar ein paar "E"-s drin - aber es schmeckt fantastisch und meine Gesundheit hat sich nicht verändert. Preisgünstiges Essen lässt sich ohne Zusatzstoffe doch fast gar nicht mehr herstellen, da braucht man nicht in Panik zu verfallen.
Vielleicht darf es auch ein wenig E 605 sein?
5. Alles nur Nachfrage bzw. ein Hinweis auf allgemeine Verblödung
nemansisab 11.10.2009
Zitat von sysopDie Liste der Zusatzstoffe auf Nahrungsmittelverpackungen ist oft lang und geheimnisvoll. Nicht jeder Verbraucher kann verstehen, was eigentlich alles in den Lebensmitteln ist, die er im Supermarkt kauft. Notwendiges Fachvokabular oder raffinierte Verschleierungstechnik? Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?
Warum kauft der Verbraucher diesen Mist? Wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil und wer das, was er liest auch noch versteht, ist ein Held.... Wenn ich sehe, war die Leute so auf das Einkaufsband legen, wird mir schlecht. Werden die mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen, Fertiggerichte zu verzehren? Nein, sie sind faul und wissen zum Teil nicht mehr, wie man ordentlich kocht. So einfach ist das.
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GDA versus Ampel: So unterschiedlich sind die Ergebnisse

Nährwertkennzeichnung
Zwischen Industrie, Politik, Gesundheitsexperten und Verbraucherschützern wird seit langem erbittert über die Nährwertkennzeichnung gestritten: Gesundheitsexperten und Verbraucherorganisationen fordern eine farbliche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe nach einem Ampelsystem. Mit den Farben grün (niedrig), gelb (mittel) und rot (hoch) soll dem Verbraucher einfach und schnell signalisiert werden, was er isst. Die Lebensmittelindustrie lehnt dieses System jedoch ab - weil es bestimmte Lebensmittel diskriminiere. Sie hat sich stattdessen auf das sogenannte GDA-System (Guideline daily amount) verständigt, das den Nährwert bezogen auf Portionsgrößen angibt. Die aber sind laut Kritikern so willkürlich gewählt, dass sie den Vergleich schwierig machen. Außerdem geht das GDA-System von unrealistischen Portionsgrößen aus: So empfehlen sie etwa eine halbe Tiefkühlpizza oder eine winzige Handvoll von 25 Gramm bei Erdnüssen. Im Juni 2010 hat das EU-Parlament die Einführung einer europaweiten Ampelkennzeichnung abgelehnt.