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Urteil zu Netzgebühren: Strom und Gas werden in Deutschland teurer

Den Strom- und Gaskunden in Deutschland stehen höhere Rechnungen bevor. Nach einem Gerichtsurteil können die Betreiber künftig mehr Geld für die Nutzung ihrer Strom- und Gasleitungen verlangen. Für die Verbraucher heißt das: steigende Preise.

Strommasten in Duisburg: Wertvolle Netze, höhere Preise Zur Großansicht
DPA

Strommasten in Duisburg: Wertvolle Netze, höhere Preise

Düsseldorf - Es ist ein Sieg der Netzbetreiber gegen die Energieversorger - verloren haben allerdings auch die Verbraucher. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat in einem Urteil die von der Bundesnetzagentur festgelegten Entgelte für die Nutzung der Strom- und Gasnetze in Deutschland aufgehoben. Zur Begründung hieß es, die Bundesnetzagentur habe den Wert der Netze fehlerhaft berechnet. Der Anlagenwert sei zum Nachteil der Netzbetreiber zu niedrig kalkuliert worden.

Die Netzbetreiber, die gegen die Bundesnetzagentur geklagt haben, können jetzt ihre Nachforderungen über die kommenden fünf Jahre als höhere Netznutzungsentgelte den Energieerzeugern in Rechnung stellen. Weil die Netzkosten in den Endverbraucherpreis einfließen, heißt das für deutsche Verbraucher: Sie werden für Strom und Gas mehr zahlen müssen.

Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof möglich

Wie hoch die Zusatzkosten sein werden, ist noch unklar. Die Forderungen der immerhin fast 300 Gas- und Stromnetzbetreiber sind extrem komplex, die Schätzungen bewegen sich zwischen einer dreistelligen Millionensumme bis zu einem Milliardenbetrag. Beim Strom macht das Netzentgelt etwa ein Viertel des Strompreises aus. Noch ist das Urteil allerdings nicht rechtskräftig, das Düsseldorfer Oberlandesgericht ließ die Beschwerde gegen die Entscheidung beim Bundesgerichtshof zu.

Immer mehr Bürger in Deutschland tun sich schwer, die steigenden Kosten zu verkraften. Laut Verbraucherschützern haben zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung Probleme, Strom und Heizung zu bezahlen. Besonders betroffen seien Geringverdiener, Hartz-IV-Empfänger und Rentner.

Das Urteil des Oberlandesgerichts kommt in einer Zeit, in der die Betreiber den Ausbau ihrer Netze voranbringen müssen, um die Voraussetzungen für den Atomausstieg zu erfüllen. Um die Energiewende umsetzen zu können, rechnet die Branche damit, dass bis zu 3800 Kilometer Stromtrassen neu gebaut, weitere 4000 Kilometer modernisiert werden müssen. Die Kosten für den Netzausbau veranschlagt die Branche mit mehr als 30 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren und hofft auf staatliche Subventionen. In jedem Fall werden dafür allerdings auch die Stromverbraucher zahlen.

nck/cte/dpa/dapd

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1. Lol
spon-facebook-1570997127 06.06.2012
Warum teurer? Ist doch schon teuer.
2. So langsam langt es...
MapleLeaf 06.06.2012
Alles wird in horrenden Schritten teurer. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal dem Gedanken ein Aussteiger zu werden so nahe stehen würde. So macht das keinen Spaß mehr...
3.
elwu 06.06.2012
Das heißt es für die Verbraucher IMMER. Ob durch EEG oder dieses Urteil oder sonstwas verursacht, billiger wird es für die Verbraucher nie. Das EEG schafft es ja sogar, die Preise für die Verbraucher steigen zu lassen, weil der Strom an der Börse durch ein Überangebot an Solarstrom BILLIGER wird. Weil entsprechend mehr Subventionen an die Solaranlagenbetreiber fließen.
4. Ach
felisconcolor 06.06.2012
Zitat von sysopDPADen Strom- und Gaskunden in Deutschland stehen höhere Rechnungen bevor. Nach einem Gerichtsurteil können die Betreiber künftig mehr Geld für die Nutzung ihrer Strom- und Gasleitungen verlangen. Für die Verbraucher heißt das: steigende Preise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,837315,00.html
was anderes hätte mich jetzt auch gewundert. EEG der Kunde zahlts neues Netz der Kundes zahlts generelle Durchleitung der Kunde zahlts nochmal und zahlt und zahlt und zahlt und was kommt bei rüber am Wochenende schon wieder 3 Stromausfälle gehabt draussen regnet es das kann ja heiter werden
5. Relativ
Positives Denken 06.06.2012
"Teurer" ist relativ. 10 Euro im Monat? Oder 20? Oder gar nur 5? Das scheint mir doch alles noch sehr in der Schwebe zu hängen.
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Was kostet der Atomausstieg?
Zu den Kosten des Atomausstiegs kursieren verschiedene Zahlen. Die wichtigsten Werte im Überblick:
Privatwirtschaftliche Investitionen
Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu

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