Neue Kündigungsfristen So sparen Sie bei Strom und Gas

Die Regierung stärkt Energieverbraucher: Kunden sollen ihrem Strom- und Gaslieferanten ab dem Frühjahr binnen zwei Wochen kündigen können. Bis zu 200 Euro pro Jahr lassen sich durch den Wechsel sparen. Wie profitieren Sie? Was müssen Sie beachten? Ein Überblick.

Strommast nahe Regensburg: Künftig schneller zum günstigeren Anbieter
dpa

Strommast nahe Regensburg: Künftig schneller zum günstigeren Anbieter


Berlin - Es ist eine gute Nachricht für deutsche Verbraucher: Sie sollen künftig schneller ihren Strom- und Gasanbieter wechseln können. Die Bundesregierung hat am Mittwoch ein entsprechendes Verfahren angestrengt, das die Rechte der Verbraucher stärken soll.

  • Die Kündigungsfrist wird demnach von vier auf zwei Wochen gekürzt.
  • Ein Wechsel des Lieferanten muss künftig in maximal drei Wochen umgesetzt werden.
  • Die Versorgung des Kunden durch einen neuen Anbieter muss nicht mehr zum 1. des nächsten Monats erfolgen. Sie kann künftig an jedem beliebigen Werktag beginnen.

Wenn der Bundesrat zustimmt, kann die Neuregelung bereits Ende März oder Anfang April in Kraft treten. Die Regierung will den Wettbewerb bei Anbietern fördern und der Preistreiberei bei Strom und Gas Einhalt gebieten.

Was bringt der Wechsel? Wie funktioniert er? Und was taugt der Vorstoß wirklich? Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Lohnt sich der Wechsel?

Definitiv. Die deutschen Haushaltskunden könnten nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) derzeit unter durchschnittlich 102 Strom- und 37 Gasanbietern auswählen. Nach Angaben von Vergleichsportalen lassen sich je nach Verbrauch zum Teil mehr als 200 Euro pro Jahr sparen.


Wie funktioniert der Wechsel?

"Der Wechsel des Energieversorgers ist völlig unbürokratisch möglich", sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Die Kündigung des alten Vertrages übernehme im Regelfall der neue Lieferant. "Es genügt, wenn ihm der Name des alten Anbieters, Zählernummer, die alte Kundennummer sowie der letzte Jahresverbrauch mitgeteilt wird." Vorsicht ist bei Billigangeboten mit Vorauskasse geboten - das hat das Beispiel des insolventen Stromanbieters Teldafax gezeigt.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

Wer profitiert besonders?

"Gerade für Verbraucher, die umziehen, ist die Regelung sehr vorteilhaft", sagt Ralph Kampwirth, Sprecher des mit 542.000 Kunden größten deutschen Ökostromanbieters Lichtblick. "Denn wenn sie den Umzug nicht rechtzeitig ihrem bisherigen Versorger melden, dann fallen sie erst einmal automatisch in die teure Grundversorgung zurück." Jetzt könnten Bürger schneller wieder aus den teuren Grundversorgungstarifen etwa der Stadtwerke heraus. Für Grundversorger sei es bisher ein gewinnträchtiges Geschäftsmodell gewesen, das jährlich Hunderttausende Umzügler automatisch zu ihren Kunden werden.


Was sind die Schwachpunkte der neuen Regelung?

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der für Hunderte Stadtwerke spricht, sieht die Regelung kritisch. "Die Kündigungsfrist dürfe man nicht losgelöst von Lieferantenwechseln betrachten", sagt ihr Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. Zwischen beiden gibt es eine Lücke von einer Woche. Die Kunden könnten nach ihrer Kündigung kurz in die Ersatzversorgung des örtlichen Grundversorgers landen - die oft teurer ist als andere Tarife.


Wie sieht es mit der Wechselbereitschaft der Deutschen aus?

Erstaunlicherweise sind viele Bürger beim Strom- und Gasbezug eher Traditionalisten. Sie wechseln nicht sehr häufig. "Nach Angaben der Bundesnetzagentur verharren noch immer fast 44 Prozent der Bürger im unnötig teuren Grundversorgungstarif ihres örtlichen integrierten Stromversorgers", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands neuer Energieanbieter (BNE), Robert Busch. Die Zahl der Wechselwilligen steigt allerdings langsam. Hatten 2007 nur knapp drei Prozent der Kunden ihrem Versorger gekündigt, waren es 2011 nach Angaben des Vergleichsportals Verivox schon 6,5 Prozent.

ssu/dpa



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
herr_kowalski 15.02.2012
1. Vorsicht bei Vergleichsportalen.
Zitat von sysopdpaDie Regierung stärkt Energie-Verbraucher: Kunden können ihrem Strom- und Gas-Lieferanten ab dem Frühjahr binnen zwei Wochen kündigen. Bis zu 200 Euro pro Jahr lassen sich durch den Wechsel sparen. Wie profitieren Sie? Was müssen Sie beachten? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,815509,00.html
Die arbeiten zum Teil unredlich 1. können sie nicht neutral sein weil sie von realisierten Empfehlungen Provisonen erhalten. 2. werden als Lockvögel Anbieter ganz oben in den Portalen geführt, deren Angebote dann tatsächlich nicht (mehr) existieren. Innerhalb Sekunden. Habe da mit Verivox ganz merkwürdige Erfahrungen gemacht. Teldafax und Flexstrom.
Pizza No.7 15.02.2012
2. TelDaFax
Zitat von sysopdpaDie Regierung stärkt Energie-Verbraucher: Kunden können ihrem Strom- und Gas-Lieferanten ab dem Frühjahr binnen zwei Wochen kündigen. Bis zu 200 Euro pro Jahr lassen sich durch den Wechsel sparen. Wie profitieren Sie? Was müssen Sie beachten? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,815509,00.html
Ja, ja... und dann wechseln sie zu solchen Vereinen wie TelDaFax. Vielen Dank. Was habe ich gelacht, als ich davon gelesen habe! Da bleibe ich doch lieber bei meinen örtlichen Stadtwerken. Diese ganzen Sparaktionen sind reine Augenwischerei. Und zwar überall. Meine vier Wochen mit einer Bank, die ein kostenloses Girokonto anbieten, haben mir auch gereicht. Bin schnell wieder zu meiner ollen Sparkasse zurückgekehrt. Billig ist Mist!
Crom 15.02.2012
3.
Die meisten sind doch schlicht zu faul zum Wechseln, aber das Mundwerk beim Meckern können sie bewegen.
.freedom. 15.02.2012
4. Ein grosses Problem ...
. für die, die am wenigsten haben, ist ein Eintrag bei der Schufa. Bevor die privaten Versorger einen Vertrag eingehen, werden Auskünfte eingeholt. Es muss erst geregelt werden, dass auch bei schlechten Auskünften die Versorger zu Leistungen gezwungen sind.
bongabong 15.02.2012
5.
Die Regierung will den Wettbewerb bei Anbietern fördern und der Preistreiberei bei Strom und Gas Einhalt gebieten. Die Preistreiberei wird also nicht verboten oder bekämpft sondern man will ihr lediglich Einhalt gebieten. Und natürlich liegt dieses ganz in den Händen der Kunden. Und wo ist der große Vorteil, wen man statt 4 nur 2 Wochen Kündigungsfrist hat wenn man eine Vertragslaufzeit von 12 oder 24 Monaten hat, während der man an den Versorger gebunden ist. Die ganze Tarifstruktur mancher Anbieter, mit Neukundenbonus im ersten Jahr und danch wirds teuer, Paketpreisen die man möglichst genau einhält weil es dann doch teurer wird, fehlender Preisgarantie, Kaution und Vorauszahlungen dienen doch nur dazu die Leute unter dem Vorwand günstiger Energiepreise leichtfertig zum Wechsel zu animieren. Unbestritten ist, daß man durch einen Wechsel Geld sparen kann und wer risikobereit ist, wohl sogar viel. Je mehr man aber auf Sicherheit und Kalkulierbarkeit wert legt, desto geringer wird die Ersparnis. Ich habe z.B. nach fast einem Jahr Vertragslaufzeit von meinem neuen Gasanbieter ein nettes Schreiben bekommen, in dem er seine Vorteile anpreist, seine Kundeninformationszeitung beigelegt hat und am Ende auf der zweiten Seite nebenbei seine neuen, natürlich schlechteren, Konditionen erwähnt. Andererseits habe ich beim hiesigen Stromanbiter den günstigsten Tarif gewählt und der ist nur unwesentlich höher als die Tarife von seriösen Anbietern mit ebensolchen Konditionen zu denen ich wechseln könnte. Im Freundes- und Bekanntenkreis hört man oft von großen Ersparnissen beim Wechsel, wenn man dann aber mal nachrechnet und nicht nur das erste Jahr betrachtet, ist die Ersparnis dann doch nicht so groß.
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