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Neue Packungsgrößen: Verbraucherschützer prangern versteckte Preiserhöhungen an

Viele Kunden haben es befürchtet, jetzt ist es erwiesen: Die Lebensmittelindustrie nutzt die neuen Packungsgrößen für Tricksereien. Verbraucherschützer registrierten bei Testkäufen immer das gleiche Prinzip - weniger Inhalt zum gleichen Preis.

Supermarkt: Paprika in 400- statt 500-Gramm-Packungen Zur Großansicht
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Supermarkt: Paprika in 400- statt 500-Gramm-Packungen

Hamburg - Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor versteckten Preiserhöhungen im Supermarktregal. Seit dem Wegfall fast aller verbindlichen Mengenvorgaben bei Lebensmittelpackungen im Frühjahr beobachten die Verbraucherschützer immer mehr Tricksereien mit veränderten Packungsgrößen, wie Handelsexperte Armin Valet am Mittwoch mitteilte. Die Masche sei immer dieselbe: weniger Inhalt zum gleichen Preis.

Bei Testkäufen fanden die Hamburger Verbraucherschützer etwa Schokoriegel eines bekannten Markenherstellers,der in den vergangenen Monaten bei gleichem Ladenpreis von 26 auf knapp 22 Gramm schrumpfte. Der Bierkasten einer norddeutschen Brauerei enthielt bei der jüngsten Stichprobe der Verbraucherschützer nur noch 27 statt 30 Flaschen, die Windelpackung eines Markenherstellers nur noch 40 statt 44 Stück.

Bei dem Tiefkühl-Fischfilet eines Markenherstellers blieb zwar die Füllmenge mit 380 Gramm gleich, doch sank der Fischanteil von 70 auf 52 Prozent. Auch bei Obst und Gemüse tricksen die Anbieter: Hier fanden die Verbraucherschützer plötzlich abgepackte Paprika und Cocktail-Tomaten nicht wie üblich in 500-Gramm-Gebinden, sondern in 400-Gramm-Packungen.

Absurde Argumente der Unternehmen

"Auch bei viel gekauften Lebensmitteln werden die Verbraucher künftig mit versteckten Preiserhöhungen hinters Licht geführt werden", warnte Verbraucherschützer Valet. Die Masche werde überall angewendet, bei Süßigkeiten ebenso wie bei Kosmetik oder Säuglingsnahrung. Die versteckten Preiserhöhungen liegen nach den Stichproben der Verbraucherschützer häufig im zweistelligen Prozentbereich.

Die Unternehmen begründen die neuen Größen mit zum Teil absurden Argumenten. So erklärte ein große Hersteller von Hundefutter den Verbraucherschützern, man habe sich bei der Umstellung "voll und ganz an den Wünschen und Bedürfnissen der Verbraucher orientiert". Es habe sich gezeigt, dass die Mehrheit der Konsumenten eine Mengenreduzierung einer Preiserhöhung vorziehe, das hätten "intensive Befragungen" von Kunden ergeben. Ein großer Nudelhersteller macht den Anstieg von Energie- und Rohstoffhaltungskosten verantwortlich - obwohl im fraglichen Zeitraum die Preise sogar gefallen sind. Und zwei Nahrungsmittelkonzerne argumentieren, man habe auf künstliche Farbstoffe und Aromen und Konservierungsstoffe verzichtet - obwohl die zum Teil auch vorher nicht drinnen waren.

Der Tipp der Experten lautet deshalb: Verbraucher sollten nicht nur auf den Packungspreis schauen. "Nur anhand des erhöhten Grundpreises kann man den Anbietern auf die Schliche kommen." Der Packungspreis sei letztlich für Preisvergleiche uninteressant, sagte Valet.

Allerdings stellte die Verbraucherzentrale bei Supermarktbegehungen immer wieder fest, dass der Grundpreis fehlte, fehlerhaft oder unleserlich klein am Regal angebracht war.

Eine weitere Tücke für Verbraucher: Der Grundpreis wird gesetzlich nur für Gewichts- und Volumenangaben verlangt. Für Produkte, die pro Stück abgegeben werden, wie etwa Feuchttücher und Toilettenpapier, sei diese Angabe dagegen nicht vorgeschrieben, berichten die Verbraucherschützer.

wal/sam/AP

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Forum - Wie gut sind unsere Lebensmittel?
insgesamt 3829 Beiträge
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1.
Silvia, 09.07.2009
Tja, ob Gesetze etwas bringen, ist fraglich. Noch mehr solcher abstrusen Gesetze, die krumme Gurken und nicht DIN-genormte Bananen verbieten, brauchen wir jedenfalls nicht. Ich denke, es muss grundsätzlich etwas passieren, damit man vom reinen Profitstreben endlich weg kommt. Das ist auch ein Umdenkprozess bei der Bevölkerung, dass sie nicht alles gedankenlos in sich hineinstopft. Also, da bin ich mittlerweile empfindlicher geworden. Mais kaufe ich nur noch aus biologischem Anbau, seitdem sich Gen-Mais breit macht. Und nachdem ich einmal einen Film über die Machenschaften von Monsanto gesehen habe, bin ich geprickt. Oder diese ganze Bio-Piraterie und dieses merkwürdige Patentwesen, dass es Großkonzernen erlaubt, uraltes Menschheitswissen für sich zu beanspruchen und zu vermarkten wie es z. B. beim Neem-Samen (http://umweltinstitut.org/gentechnik/patentierung/erfolg-gegen-biopiraterie-europaisches-patentamt-widerruft-endgultig-patent-auf-neem-ol-204.html) durch die Firma Grace versucht wurde, sowas finde ich widerwärtig. Das sind für mich alles Gangster. Das gehört sich einfach nicht! Und sowas versuche ich, wenn es irgend geht, mit meiner kleinen, wahrscheinlich in der Masse unbedeutenden Kaufverweigerung zu demonstrieren. Aber mehr kann ich nicht tun.
2.
ender, 09.07.2009
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Die Lebensmittel sind gut. Die Richter sind schlecht. Wenn jemand etwas anderes draufsteht als drinnen ist, dann ist das schwerer gewerbsmäßiger Betrug. Es sei denn es ist etwas besseres drinnen als draufsteht. Man braucht kein anderes Lebensmittelrecht, sondern Richter, die Betrug als Betrug bestrafen. Ohne Ausnahme. ender
3.
the Poodle chews it, 09.07.2009
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Eine Verschärfung des Lebensmittelrechtes verbessert weder die Lebensmittel selbst noch die Interessen des Verbrauchers. Der einzige Effekt ist der, daß Händler, die nicht den großen Handelsketten angeschlossen sind, unter'm bürokratischen Aufwand Fehler machen und Marktverbot (http://www.abendblatt.de/hamburg/article1087061/Marktverbot-Kunden-kaempfen-fuer-Haendler.html) erhalten...
4.
Gaztelupe, 10.07.2009
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Es wäre viel interessanter, würden sich die Ansprüche des Verbrauchers verschärfen.
5.
inci 10.07.2009
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
nein, muß es nicht. es würde schon ausreichend sein, wenn die verbraucher einfach mal auf die packung schauen, was sie da eigentlich kaufen. so steht z.b. seit jahrzehnten schon auf den verpackungen als zutat "formschinken", sogar in pizzerien steht das auf der speisekarte. auch der analogkäse ist beim einkauf zu erkennen. da steht nämlich milcherzeugnis drauf und nicht käse. wer zu dämlich ist, den unterschied zwischen milcherzeugnis und käse nicht kennt, dem ist sowieso kaum zu helfen. gleiches gilt für formschinken. das war in den 70ern schon ein "skandal". überhöhte preise haben allerdings mit dem lebensmittelrecht nun so viel zu tun, wie eine kuh mit dem tanzen. überhöhte preise wird es immer geben, das liegt am system. das ist kapitalismus. es liegt am verbraucher selbst, ob er sich produkte zu überhöhten preisen kauft. es gibt, neben billigerzeugnissen, auch eine ganze reihe anderer produkte, die zu überhöhten preisen angeboten und verkauft werden. kauft der kunde ein produkt nicht, wird es vom markt verschwinden. kauft er es doch, bleibt es dem markt erhalten. alternativ kann man aber auch den "armen" verbraucher auch gerne weiter vor sich selbst schützen, und gründet eine staatliche preisfindungskommission, die einheitspreise für alle produkte festlegt. und so wie die welt derzeit gestrickt ist, halte ich das durchaus nicht für unrealistisch.
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