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Neue Regeln bei Kreditprüfung: Sag mir, wie viel ich wert bin!

Von , Frankfurt am Main

Alter, Job, Wohngegend, und, und, und: Firmen wie die Schufa sammeln Daten von Millionen Deutschen und bewerten deren Kreditwürdigkeit - doch oft sind die gespeicherten Angaben falsch. Jetzt können die Bürger ihre Einträge ganz einfach überprüfen.

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SCHUFA

Schufa-Auskunft: Informationen über Leasing-Verträge und Schulden

Der Check läuft im großen Stil und doch weitgehend im Geheimen ab: Unternehmen wie Handy-Anbieter, Versandhändler oder Autovermieter prüfen still und leise, ob neugewonnene Kunden ein Sicherheitsrisiko darstellen. Ob also die Gefahr besteht, dass sie ihre Rechnungen nicht zahlen oder einen Kredit nicht bedienen. Entsprechende Informationen sind für die Firmen leicht zu haben: Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa sammeln alle möglichen Daten über die Bundesbürger und vergeben Punkte von 1 bis 1000, mit denen die Kreditwürdigkeit bewertet wird - das sogenannte Scoring. Allein die Schufa verzeichnet 220.000 Anfragen pro Tag.

Für Kunden war diese Bewertung bislang kaum nachvollziehbar. Oft merkten sie erst, wenn ein Handy-Vertrag abgelehnt wurde oder ein Versandhändler nur gegen Vorkasse lieferte, dass etwas mit ihrer Bewertung wohl nicht stimmte. Viel tun konnten sie gegen das Scoring allerdings bislang nicht. Auf Anfrage erhielten sie von vielen Auskunfteien nur ziemlich dürftig Auskunft.

Seit diesem Donnerstag ist das anders: Aufgrund einer Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes haben Bürger nun das Recht, alles über ihre Einträge bei Wirtschaftsauskunfteien zu erfahren. Einmal im Jahr dürfen sie sogar kostenlos Selbstauskunft verlangen. Dabei müssen die Auskunfteien nicht nur mitteilen, welche Informationen sie genau gespeichert haben, sondern auch, woher die Daten stammen und an wen sie weitergegeben wurden.

Sollte sich dabei herausstellen, dass die gespeicherten Angaben nicht korrekt sind, müssen die Datenunternehmen schleunigst nachbessern. Und das ist nicht alles: Auch andere Firmen wie etwa Versandhändler oder Handy-Anbieter müssen künftig ihre Gründe nennen, wenn sie eine Kreditleistung verweigern.

Schuldenstand, Zahlungsmoral, Vermögenssituation

Verbraucherschützer mahnen dringend, die neuen Rechte baldmöglichst wahrzunehmen. "Verbraucher sollten auf klare Auskünfte pochen", sagt etwa Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz stellt auf seiner Homepage ein vorformuliertes Schreiben zur Verfügung, das sich die Bürger für Anfragen herunterladen können.

Dass sich das Nachhaken lohnt, zeigt eine Untersuchung im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums. Das Ergebnis: Die Bewertung der Auskunfteien erfolgt oft ziemlich schlampig, bei Stichproben waren satte 45 Prozent der gespeicherten Angaben nicht korrekt.

So mancher Bürger dürfte reichlich schockiert sein darüber, was die Datensammler alles über ihn wissen. Das bekannteste Unternehmen von allen, die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgmeine Kreditsicherung), verwaltet beispielsweise Hunderte Millionen Informationen über die Zahlungskraft von 65 Millionen Bürgern.

Jede Girokontoeröffnung und jedes Darlehen wird an das Büro gemeldet, das von der Kreditwirtschaft getragen wird. Die Schufa weiß auch Bescheid über Schulden, laufende Mahnverfahren und über die Zahl der EC- und Kreditkarten, die im Geldbeutel stecken. Auch Telefon- und Leasingverträge sind der Einrichtung bekannt und natürlich mögliche Privatinsolvenzen.

Der Datenhandel ist ein Milliardenbusiness

Außerdem gibt es noch viele andere Privatunternehmen auf dem Markt wie Bürgel, Arvato Infoscore oder Deltavista, die sich in dem lukrativen Datengeschäft tummeln. Oft konzentrieren sie sich stärker als die Schufa auf Informationen über die Einkommenssituation oder das Vermögen der Bürger. Der Datenhandel ist längst zum Milliarden-Business geworden.

Dabei ist das Scoring ein höchst undurchsichtiges Geschäft. Denn in die Bewertung der Kreditwürdigkeit fließen oft nicht nur Informationen über das Zahlungsverhalten ein. Auch allgemeine statistische Angaben, wie das Alter, der Familienstand oder auch der Wohnort spielen eine große Rolle. Eine schlechte Wohngegend beispielsweise kann zu erheblichem Punktabzug führen. Was die Bewertung besonders unsolide macht: Individuelle Daten, wie etwa ein hohes Einkommen oder eine feste Anstellung, fließen häufig nicht in die Berechnung mit ein.

Der Gesetzgeber hat auch an dieser Stelle nachgebessert: Künftig müssen die Datensammler für ihr Scoring ein mathematisch-statistisches Verfahren anwenden, das wissenschaftlich anerkannt ist. Die genaue Berechnungsmethode bleibt aber weiterhin im Dunkeln, wie Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert: "Scoring ist auch ab April noch kein offenes Buch."

mit Material von apn

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
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1. Da geht nichts mehr
GeorgAlexander 01.04.2010
bei den einschlägigen Links zu diesem Thema. Offensichtlich sind die Bundesbürger mit Vorratsdatenhaltung, ELENA, Scoring, Facebook, Google, ... endlich aufgewacht, was Datenschutz angeht :-D
2. Endlich mehr Datentransparenz
danou 01.04.2010
Na endlich kann man denen mal etwas in die Karten schauen. ich werde gleich mal meinen Auszug beantragen... bin ja mal gespannt, wass die so schon wissen.
3. Endlich mal eine gute Nachricht
wider die vernunft 01.04.2010
Im ersten Moment dachte ich, da macht SPON aber einen üblen Aprilscherz ;-)
4. Was?
h. sapiens 01.04.2010
Beim lesen des Artikels packt mich die blanke Wut. Durch wen oder was wurde denn das Ausschnüffeln meiner Privatsphäre durch derlei Parasiten überhaupt legalisiert? Ich will sofort wissen, was diese kriminellen Vereinigungen alles über mich wissen. Warum sind die dazu verlinkten Seiten nicht erreichbar? Ich glaube, ich brauch grad mal frische Luft...
5. Maßlose Übertreibungen
Jordan Sokoł 01.04.2010
Zitat von sysopAlter, Job, Wohngegend, und, und, und: Firmen wie die Schufa sammeln Daten von Millionen Deutschen und bewerten deren Kreditwürdigkeit - doch oft sind die gespeicherten Angaben falsch. Jetzt können die Bürger ihre Einträge ganz einfach überprüfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,686883,00.html
Bei allem Verständnis, die ich Kreditgebern entgegenbringe, wenn sie über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse ihrer Kunden Auskünfte verlangen: Was die Auskunfteien prakti- zieren geht entschieden zu weit. Ein solide arbeitender Kreditgeber stellte seine Fragen auf einem Fragebogen zusammen, läßt sich so von dem Kreditbegehrenden eine umfassende Selbstauskunft geben und hinterfragt bei einer Auskunftei allenfalls die Richtigkeit der Kernauskünfte, als z. B. da wären, a) existieren andere nicht getilgte Kredite b) liegen Hinweise für unlautere Handlungen vor c) sonstige Tatsachen, die einer Kreditgewährung entgegenstehen Alle anderen Auskünfte verlagern die Verantwortung für eine Kreditwürdigkeitseinschätzung in anonyme Beurteilungssysteme, die jeden potentiellen Kreditnehmer einem unwürdigen persönlichen Untersuchungsverfahren unterwerfen. Ausweg: Verzichte auf Kredite und auf Überziehungsvereinbarungen: In diesem Falle sollte eine logisch argumentierende Bank auf weitere Auskünfte verzichten und die sich anbahnende Geschäftsverbindung ohne weiteres aufnehmen. Mit welchem Recht verlangt eine Bank die Einwilligung zu einer Schufa-Auskunft, wenn ich aus grundsätzlichen Erwägungen nicht bereit bin, in irgendeiner Form einen Kredit aufzu- nehmen oder mein Konto zu überziehen (überziehen zu lassen)? Gegenwärtig kennt die Auskunftswut der Banken einfach keine Grenzen – und das ist gar nicht gut!
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